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Ich wäre nie Künstler geworden, wenn Frauen keine Brüste hätten

Pierre-Auguste Renoir

🎨 Jeden Dienstag wird Kunst lebendig. Durch eine sorgfältige Auswahl der Werken lernst du, mit anderen Augen zu sehen. Kunst gehört dem, der sich traut, sie zu fühlen.

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Liebe Kunstfreundin, lieber Kunstfreund,

auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Kompliment an die weibliche Figur wirkt, offenbart Renoirs Satz eine zutiefst reduktionistische und sexistische Sicht auf den weiblichen Körper in der Kunst. Seit Jahrhunderten wird der weibliche Körper idealisiert, erotisiert, seziert und dem männlichen Blick ausgesetzt.

In dieser Ausgabe lade ich dich ein, dich speziell auf weibliche Brüste zu konzentrieren – nicht, um sie zu betrachten, sondern um über sie als symbolische und ironische Territorien sowie als Objekte der Gewalt oder des Begehrens nachzudenken. Du wirst verschiedene Interpretationen von Brüsten durchlaufen, die von einigen manipuliert und von anderen angeeignet wurden.

Betrachte die Bilder aufmerksam und erkunde ihre Bedeutung, um zu verstehen, woher sie kommen und wen sie ansprechen. Die Bilder nehmen dich mit auf eine Reise durch verschiedene Sichtweisen auf diesen so präsenten und bedeutungsvollen Teil des weiblichen Körpers.

Heilige Objekte

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Francisco de Zurbarán. Die Heilige Agathe, 127 x 60 cm. 1630–1633, Musée Fabre, Montpellier.

Die Geschichte des Martyriums der heiligen Agathe ist sehr gewalttätig. Diese Frau lebte vermutlich im 3. Jahrhundert nach Christus in Catania. Sie war schön, stammte aus adligem Haus und wollte sich Gott widmen. Der Gouverneur von Sizilien wollte sie heiraten, doch sie lehnte ab. Daraufhin wurde sie verhaftet und gefoltert. Ihre Brüste wurden mit einer brennenden Zange amputiert, woraufhin sie kurz darauf starb.

Der Sevillaner Francisco de Zurbarán (1598–1664) verzichtet in seinem Gemälde auf die Darstellung solcher Gewalt. Stattdessen zeigt er eine heitere, elegant gekleidete Frau vor einem neutralen Hintergrund, die ein Tablett mit abgeschnittenen Brüsten wie zwei kleine Kuchen in den Händen hält.1 Ihr Blick ist auf den Betrachter gerichtet und sie wird nicht als Opfer gezeigt. Ihr Martyrium ist eine bereits überwundene Tortur, etwas, das sie hinter sich gelassen hat.

Das Werk als Ganzes ist harmonisch, und die Behandlung der Leinwände, ihre Texturen und Faltungen, sind spektakulär. Zurbarán muss den Schmerz nicht zeigen, das Symbol reicht ihm aus. Auf diese Weise erhebt er die Figur über das Martyrium hinaus, mit all ihrer Würde.2

Objekte des Konsums

Tom Wesselman. Bedroom paintings #4. 91×152 cm. 1968

Vom körperlichen Martyrium zur ästhetischen, fragmentierten und erotisierten Darstellung des weiblichen Körpers. Hier präsentiert der Amerikaner Tom Wesselman (1932–2004) eine Brust als absoluten Protagonisten: Sie ist ausgeschnitten und ohne Kontext dargestellt, als wäre sie ein Werbeobjekt.

Topic Ideen zur Kunst

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