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Wichtig ist, erst mal anzukommen

In „Sent from my wheelchair“ schreibe ich über meine Arbeit als Inklusions-Aktivist und über das, was Barrierefreiheit voranbringt (oder ausbremst).

Liebe Freund*innen der sozialen Gerechtigkeit,

barrierefreie Mobilität ist einer der wichtigsten Schlüssel für Teilhabe. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr es darauf ankommt, dass alle erst mal da ankommen, wo sie lernen oder arbeiten oder ihre Freizeit verbringen wollen. So lange der ÖPNV nicht barrierefrei genug ist, braucht es ergänzende Angebote, die noch bestehende Lücken schließen, so wie das BVG-Muva in Berlin.

Doch Ende Februar (Opens in a new window) wird das Angebot eingestellt. Aus meiner Sicht – als Fahrgast und als Aktivist – keine gute Entscheidung, wie ich im Interview mit BERLIN LIVE (Opens in a new window) ausführlich dargelegt habe. Eine Entscheidung, die auch eine Frage aufwirft, die ich mir nicht selten mit Blick auf verschiedene Bereiche der Inklusion stelle: Warum schaffen wir etwas ab, das schon gut funktioniert, anstatt mehr von diesen funktionierenden Angeboten zu schaffen?

Eine Frage, die eine Leserin in der letzten Ausgabe meines Newsletters zum Thema medizinische Versorgung bei fortgeschrittener Demenz gestellt hat, wird weiter unten von einem ausgebildeten Palliativbegleiter beantwortet – vielen Dank für deine Expertise, Peter!

Bevor es mit meinen handgepflückten Links weitergeht, möchte ich euch weiter unten außerdem noch auf den Equal Care Day (Opens in a new window) empfehlen und aufmerksam machen, der in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiert, u. a. mit einem Online-Festival rund um das Thema Care-Arbeit am 1. März. Seid ihr dabei? :)

Liebe Grüße
Euer Raul

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Und wenn du Feedback hast:

Eine Antwort zur Frage von J.:

In der letzten Ausgabe (Opens in a new window) fragte J. wie der der Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Menschen verbessert werden kann, insbesondere für jene, die aufgrund fortgeschrittener Demenz oder komplexer Beeinträchtigungen nicht verbal kommunizieren können?

Antwort von Peter:

“Es hilft sehr, wenn non- verbale Signale erkannt werden wie schmerzverzerrtes Gesicht/Mimik. Auch können Vitalwerte wie Blutdruckanstieg und Pulserhöhung einen Hinweis geben auf Schmerz, wie auch abwehrende Gesten. Auch kann ganz banal die Frage:

"Haben Sie Schmerzen, Herr oder Frau X?"

gestellt werden. Schmerz kennen die meisten Menschen schon früh als Wort.
Bin selbst auch als Pain Nurse und Oncocoach und Palliativbegleiter ausgebildet, meine Ausbildung war ganzheitlich- anthroposophisch orientiert.”

Empfehlung

Equal Care Day 2026 (Opens in a new window)

Pflegearbeit gehört zu den unsichtbaren Säulen unserer Gesellschaft - und geht gleichzeitig mit Nachteilen für die einher, die sie verrichten. Die Initiative macht darauf aufmerksam, zeigt Lösungen auf und ist politisch aktiv, um Veränderung zu bewirken.
In unserem Interview erfahrt ihr mehr über den Verband und ihre wirkungsvollen Initiativen:
(Opens in a new window)

Equal Care – also „gleiche Pflege“ oder „gerechte Sorgearbeit“ – ist ein Begriff, der sofort neugierig macht. Was genau versteht ihr unter Equal Care? Geht es dabei um Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, oder steckt noch mehr dahinter?

Equal Care bedeutet, dass Sorge- und Pflegearbeit sowohl gerechter verteilt als auch besser wertgeschätzt, entlohnt und abgesichert werden muss.
Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist dabei ein zentraler Teil. Es geht jedoch um viel mehr. Es geht auch um Wertschätzung und ökonomische Anerkennung dieser Arbeit, die Verbesserung der strukturellen Bedingungen und um soziale Gerechtigkeit über die Dimension Geschlecht hinaus (z.B. Herkunft, Einkommen, Alter). Equal Care betrifft die ganze Gesellschaft. Es geht um eine faire Verteilung von Zeit, Geld und Verantwortung.

Ihr weist darauf hin, dass Sorge- und Pflegearbeit sehr ungleich verteilt ist – meist zulasten von Frauen. Welche Faktoren führen aus eurer Sicht dazu, dass Care-Arbeit so oft „unsichtbar“ bleibt und vor allem Frauen übernehmen?

Eine Ursache liegt darin, dass Care-Arbeit oft im privaten Bereich verortet wird und dieser Bereich meist bei Entscheidungen übersehen wird, weil er so selbstverständlich ist. Care-Arbeit ist die Grundlage unser aller Leben, wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir sie machen/sie gemacht wird, dass wir sie gar nicht mehr sehen. Zudem ist Care-Arbeit meist unbezahlt oder unterbezahlt und erhält auch deshalb nur wenig Wertschätzung. Darüber hinaus haben Rollenklischees und geschlechterspezifische Sozialisierung einen großen Einfluss darauf, dass versorgende Grundlagenarbeit weniger gilt als finanziell entlohnte Erwerbsarbeit.

Wenn man über Care-Arbeit spricht, landet man schnell bei der Frage nach Gerechtigkeit. Wie könnte eine faire Verteilung von Pflege- und Sorgearbeit in der Praxis aussehen?

Eine faire Verteilung heißt, dass Care-Arbeit nicht mehr als private Selbstverständlichkeit angesehen wird, sondern als gemeinschaftliche Verantwortung. In der Praxis braucht das vor allem gute Rahmenbedingungen: verlässliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, faire Löhne in sozialen Berufen und eine echte Entlastung für pflegende Angehörige. Wer Care-Arbeit leistet – ob bezahlt oder unbezahlt – darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Damit das klappt, müssen Care-Aufgaben gleichberechtigt getragen werden können, ohne dass Care-Tätige beruflich oder finanziell verlieren.

Welche politischen oder gesellschaftlichen Veränderungen braucht es dafür?

Politisch muss der Blick auf Care-Arbeitende endlich selbstverständlich werden – bei der Gestaltung öffentlicher Infrastruktur, bei Stadtplanung, Verkehr oder Pflegeangeboten. Gute Betreuungs- und Pflegestrukturen sind kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für soziale Gerechtigkeit. Auch der Vorschlag, familiäre Fürsorgeverantwortung im Grundgesetz zu verankern, wie ihn die Liga für unbezahlte Arbeit (LUA) fordert, wäre ein starkes Signal.
Gesellschaftlich beginnt der Wandel bereits: Viele junge Familien stellen traditionelle Rollenbilder infrage und suchen neue Wege, Verantwortung zu teilen. Doch damit das wirklich trägt, braucht es politische Unterstützung – durch verlässliche Strukturen, faire Bezahlung und das klare Bekenntnis, dass Care-Arbeit das Fundament unserer Gesellschaft ist. Ohne sie läuft nichts.

Viele Menschen erkennen die Ungleichheit in der Care-Arbeit erst, wenn sie selbst betroffen sind – sei es durch eine Behinderung, Krankheit oder weil jemand in der Familie Pflege braucht. Was sollten Menschen jetzt verstehen, bevor sie in diese Situation kommen?

Wir alle sind in unserem Lebensverlauf auf die fürsorgliche Zuwendung und Versorgung anderer angewiesen: Das gilt für Neugeborene ebenso wie für Kinder im Vor- und Grundschulalter, aber auch als junge Erwachsene, als Berufstätige, bei Krankheit oder Behinderung und schließlich als ältere Menschen profitieren wir im Alltag immer wieder von der Care-Arbeit anderer. Care-Arbeit ist nicht nur systemrelevant, sie ist das Fundament unseres Systems!

Pflege betrifft besonders viele behinderte Menschen und ihre Angehörigen. Oft sind es Mütter, Schwestern oder Töchter, die die Pflege übernehmen. Gibt es Beispiele für Projekte oder Modelle, die zeigen, wie es anders gehen kann?

Ein Beispiel, das uns auf Anhieb einfällt, ist das Team von lavanja (Opens in a new window), das sich für mehr Sichtbarkeit pflegender Eltern von Kindern mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen und Neurodivergenzen einsetzt. Lavanja war in den letzten Jahren auch Teil des Equal Care Day-Festivals (Opens in a new window).

Wie kann jede*r Einzelne vorsorgen, sich informieren oder solidarisch einsetzen?

Bei uns kann man mitmachen! Als Team, als Institution, als Privatperson. Auf unserer Website haben wir Ideen zusammengetragen, wie man mit wenig Aufwand eigene Projekte umsetzen kann, und am 24. Januar organisieren wir eine Ideenschmiede, bei der gemeinsam gebrainstormt und geplant werden kann: equalcareday.org (Opens in a new window).
Wer selbst keine Zeit investieren kann, ist eingeladen, Fördermitglied zu werden bei klische*esc e.V. : https://equalcareday.org/spenden/ (Opens in a new window)

Ihr habt den Equal Care Day ins Leben gerufen – ein wichtiger Aktionstag, der auf diese Themen aufmerksam macht. Wie ist dieser Tag entstanden? 

2016 haben Almut Schnerring und Sascha Verlan den 29. Februar (bzw. 1. März) zum Equal Care Day erklärt, “für mehr Wertschätzung, Sichtbarkeit und eine faire Verteilung der Sorgearbeit”. Vor 10 Jahren gab es noch keine Zahlen zum CareGap und auch der Care-Begriff musste jedes Mal neu erklärt werden, während z.B. der PayGap schon jahrelang diskutiert wurde. Das ist absurd, wenn man bedenkt, wie eng diese Missstände miteinander verwoben sind. Und deshalb beschlossen Sascha und Almut, am “unsichtbaren” Schalttag auf die sogenannte unsichtbare Care-Arbeit aufmerksam machen, und so kam es zur Gründung der Initiative und unseres Vereins. 

Was passiert an diesem Tag? Was fordert ihr, wie Menschen oder Organisationen sich beteiligen? 

Am Equal Care Day (29.02. bzw. 01.03.) rufen wir Menschen, Institutionen und Verbände dazu auf, den Tag als Anlass zu nutzen, um auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Care-Arbeit aufmerksam zu machen. Das kann durch Veranstaltungen und Aktionen aller Art, Kundgebungen, Ausstellungen, Flashmobs, Diskussionsrunden, Lesungen etc. passieren. Das nächste Equal Care Day-Festival mit vielfältigem digitalem Programm findet am 1. März 2026 statt – der Ticketverkauf startet noch dieses Jahr!

⭐Aus meiner Welt

Veranstaltungen von JOBinklusive (Opens in a new window)

#fitmappen mit der Wheelmap (Opens in a new window)

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Was machen eure Neujahrsvorsätze? Während andere im Januar ins Fitnessstudio rennen, sagen die Sozialheld*innen:
Lieber #fitmappen (Opens in a new window). Unter diesem Motto könnt ihr noch bis zum 31. Januar an einer Mapping Aktion teilnehmen, bei der Orte in der Wheelmap (Opens in a new window) erfasst oder ergänzt werden. Egal ob draußen beim Spazieren, beim Einkauf oder im Café - meldet euch einfach über den Link sozialhelden.link/fitmappen (Opens in a new window) an, und eure Einträge werden für die Aktion mitgezählt. Und wenn ihr mögt, teilt über das Hashtag #fitmappen (Opens in a new window) auf Social Media gern auch Eindrücke von euren Mapping Trips. Jede Ergänzung hilft, Orte besser planbar zu machen und Barrieren abzubauen.

„Wir müssen komplexe Sprache abschaffen.“ Ein Interview mit Ronja Zierold und Ocean Renner von den Grünen (Opens in a new window)

Porträt von zwei Personen: Die eine mit langen, rotbraunen Haaren und langem Pony trägt einen schwarz-weiß-beige gemusterten Pullover und lächelt in die Kamera. Die andere mit schulterlangen, braunen Haaren und einem bunt gemusterten Oberteil. Beide lächeln in die Kamera. Im Hintergrund ist eine grüne Pflanze. (Opens in a new window)

Ronja Zierold und Ocean Renner engagieren sich bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen für mehr Inklusion. Bei der Bundesdelegiertenkonferenz im November 2025 brachten beide Anträge ein: zu Einfacher Sprache und zu Ruheräumen und mehr Inklusion. Der Antrag für Einfache Sprache wurde angenommen, der andere abgelehnt. Im Interview mit Mareice Kaiser sprechen sie darüber, wie es sich anfühlt, selbst in einer progressiven Partei für Inklusion zu kämpfen. Und warum komplexe Sprache oft weniger mit Inhalt, als mit Ausschluss zu tun hat.

Fragt erst und schiebt dann (Opens in a new window)

Tannengrünes Hintergrundbild mit dem Logo „Die Neue Kolumne“ von Leon Amelung (Opens in a new window)

Im Alltag erfahren Menschen mit Behinderungen häufig Grenzüberschreitungen, die auch noch als Großzügigkeit getarnt werden. Benennt die betreffende Person diese Grenzüberschreitung, schlägt ihr häufig Unverständnis oder sogar Wut entgegen. So hat es auch unser Kolumnist Leon Amelung erfahren, als er auf Shopping-Tour war.

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🔗 Links

Inklusion in den Medien. Mein Wochenüberblick

Die wichtigsten Meldungen zum Thema Inklusion, wie immer handgepflückt in der deutschsprachigen Medienlandschaft.

Aktuell

Trainee: Social Media, Kommunikation & Events (Opens in a new window) (katrin-langensiepen.eu (Opens in a new window))

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Das Soziale Europa gestalten: Das geht nur mit guter Kommunikation. Themen verständlich machen, die politische Arbeit im Europäischen Parlament den Menschen näher zu bringen – online & offline. Das könnte deine Aufgabe sein. 

Bildung und Arbeit

Regelschule: Kein Platz für ein Kind mit Behinderung (Opens in a new window) (zeit.de (Opens in a new window))

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Der Sohn unserer Autorin durfte bis vor Kurzem auf eine Regelschule gehen. Doch nach drei Jahren war er dort nicht mehr erwünscht. Warum?

Gesellschaft

Mobilität als soziale Frage: Verbände fordern Kurswechsel (Opens in a new window) (br.de (Opens in a new window))

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Bezahlbar, sicher, barrierefrei: Ein Bündnis aus Sozial‑, Umwelt‑ und Gewerkschaftsverbänden fordert zur Kommunalwahl bessere Mobilität in Bayern. 

Gesundheit

Long COVID und ME/CFS: Bund investiert 500 Millionen Euro (Opens in a new window) (goodnews-magazin.de (Opens in a new window))

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Die Bundesregierung investiert erstmals langfristig in die Erforschung postinfektiöser Erkrankungen wie Long COVID und ME/CFS. Für Patient*innen bedeutet die angekündigte Forschungsdekade neue Hoffnung auf wirksame Therapien.

Innovation

Erste Barbie mit Autismus in London vorgestellt (Opens in a new window) (zdfheute.de (Opens in a new window))

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Die Puppe soll Kindern mit Autismus und ADHS Mut machen. Die autistische Barbie hat geräuschunterdrückende Kopfhörer und ein Tablet zum kommunizieren.

Kultur und Medien

Death Festival in Berlin: Tanzen mit dem Tod (Opens in a new window) (taz.de (Opens in a new window))

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In westlichen Gesellschaften ist der Tod oft ein Tabuthema. Beim Death Festival im Holzmarkt wird er dagegen körperlich erfahren und besprochen.

Leben

Wie funktioniert eine inklusive WG? (Opens in a new window) (fluter.de (Opens in a new window))

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In der neunten Folge der Reihe „Und bei euch so?“ besuchen die Reporter*innen eine inklusive WG in München.

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Monica Lierhaus bekommt neue Interview-Reihe bei RTL (Opens in a new window) (dwdl.de (Opens in a new window))

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Für „RTL aktuell“ steht Monica Lierhaus schon seit einiger Zeit wieder regelmäßig als Sportmoderatorin vor der Kamera. Jetzt moderiert sie ein neues Interview-Format, in dem sie mit Trainer-Persönlichkeiten spricht.

Politik

(Opens in a new window)Für taube Menschen war Bochum keine Überraschung“ (Opens in a new window) (nd-aktuell.de (Opens in a new window))

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Die Polizeischüsse auf ein gehörloses Mädchen in Bochum waren kein Einzelfall, sagt Christine Tschuschner-Cucu. Die Gründerin von Gebärdenfunken kritisiert den Audismus von Behörden und erklärt, was sich ändern muss.

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