und bekommt Antworten, die sie nicht bestellt hat. Tja, liebe Ann Kristin. Das war und ist mutig. Wollen wir mal sehen, was âEuchâ so bewegt. Im Anschluss an die letzte Folge ĂŒber eine Studie, wie junge Erwachsene ihre SpiritualitĂ€t leben (Opens in a new window), jetzt mal einen O-Ton ĂŒber die Fragen einer jungen Frau dazu.
đ€ Fragezeichen im Erdbeerfeld: Was wollen âwirâ eigentlich von der Kirche?
Ich, Ann Kristin, 29, PrÀdikantin, professionelle Fragestellerin und passionierte Erdbeerfeld-Philosophin, habe mal wieder meine Lieblingsfrage im GepÀck:
Wie gestaltet man eigentlich RĂ€ume, die wirklich zu uns jungen Mitt-30ern passen?
Und, noch wichtiger: Was suchen junge Erwachsene wie ich heute in der Kirche â auĂer vielleicht den Notausgang?
NatĂŒrlich habe ich mir fĂŒr diese tiefgrĂŒndige Sinnsuche den besten GesprĂ€chspartner geschnappt: Helge Remmert Seekamp, Pfarrer im Ruhestand, Theologe und wandelndes Archiv kirchlicher Anekdoten.
Spoiler: Wir hatten keinen Plan, aber viele Fragen. Und das ist ja schon mal ein Anfang.

đââïž Unverbindlichkeit ist das neue Verbindlich â Oder?
Meine erste These, halb Frage, halb Selbsthilfegruppe:
Sind wir jungen Leute wirklich so unverbindlich, wie alle sagen?
Helge grinst. âNaja, verbindliche Formate sind halt wie Kaffeefahrten â frĂŒher mal cool, heute eher was fĂŒr Nostalgiker.â
Ich nicke. Klar, ich sehne mich nach Verbindung. Aber mein Alltag ist so flexibel wie ein Gummiband auf Speed. Postmoderne Internetgesellschaft halt.
Mal ehrlich: Wer kann heute noch planen, wenn schon beim FrĂŒhstĂŒck die Weltpolitik explodiert, weil Putin im FrĂŒhstĂŒckstfernsehen was beilĂ€ufig meinte oder Trump einen Tweet lostrat.
Helge legt nach: âIhr mĂŒsst permanent Entscheidungen treffen. Das ist wie Dauerlauf im Hamsterrad â nur mit mehr Existenzangst.â
Und ich denke: Danke, Helge, jetzt weiĂ ich, warum mein Gehirn manchmal wie ein ĂŒberhitzter Laptop klingt.
đ§ KomplexitĂ€t umarmen â Die geheime Superkraft der Metamoderne
Helge bringt es auf den Punkt bei der Frage, wer denn heute noch Pfarrer werden will: âFrĂŒher waren Theologen die (70er-Jahre -)Rebellen, heute sindâs eher die Bewahrer. Aber was wir jetzt dringend brauchen, ist Ambivalenzlust!â Ja, sein Lieblingsgedanke:
Ambivalenzlust? Klingt nach einer neuen Eissorte, ist aber viel besser:
Die FÀhigkeit, KomplexitÀt nicht zu vermeiden, sondern sie zu umarmen.
Oder wie Helge sagt: âMutig in die Zukunft springen, auch wenn wir keine Ahnung haben, wo wir landen.â
Ann Kristin trocken: Gut, ich notiere:
KomplexitÀt ist kein Bug, sondern Feature.
Mutige Schritte sind erlaubt, auch wenn sie nachher als Umwege rauskommen.
Und: Wer keine Lust auf KomplexitÀt hat, kann immer noch Pfarrer werden. (Sorry, Helge.)
đïž RĂ€ume fĂŒr das Zerbrechliche â Wo bleibt der Winterspielplatz fĂŒr Erwachsene?
Wir landen bei einem Thema, das mir auf der Seele liegt (und auf der To-Do-Liste der Weltrevolution):
Warum gibt es eigentlich keine RĂ€ume fĂŒr Scheitern, Zweifel und das ganze Zerbrechliche?
Helge nickt. âStimmt. Wir brauchen mehr Kuschelecken fĂŒr die Seele. Orte, wo man auch mal depressiv sein darf, ohne sich dafĂŒr zu schĂ€men.â
Ich ergĂ€nze: âOder wo man einfach mal atmen kann. Notfalls mit kleinen Röhrchen, ganz ohne Nikotin.â Dieses Bild war eine ĂŒberraschende Pointe ĂŒber den tieferen Sinn des Zigarette-Rauchens.
Idee: Wir trĂ€umen uns mal einen Kindergarten fĂŒr Erwachsene zusammen:
Kuschelecke fĂŒr Ruhe
BĂŒcher fĂŒr den Kopf
Bauecke fĂŒrs Leben
Und natĂŒrlich Hausschuhe fĂŒr alle. Denn mit Puschen ist die Welt gleich viel legerer und gemĂŒtlicher.
đŹ Slow-Motion gegen den Burnout â Warum wir mehr Langeweile brauchen
Helge erzÀhlt von seinem Medienprofessor, der Filme so langsam schneidet, dass sogar Schnecken neidisch werden.
Ich lache, aber er hat recht:
Wir mĂŒssen wieder lernen, Langeweile auszuhalten.
Vielleicht ist das die eigentliche Revolution: Nicht noch schneller, sondern langsamer. Nicht noch mehr, sondern bewusster.
Und wennâs hilft, schauen wir einfach mal 167 Minuten lang einen Baum an. Na ja, nicht ganz so. (Dazu der Filmtipp: âSilent Friendâ â fĂŒr alle, die sich nach meditativer Langsamkeit im Kino | aka: Ăberforderung | sehnen.)
đŁïž Dialog statt Monolog â Kirche als Raum fĂŒr echte Begegnung
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Kirche kann mehr sein als Sonntagsmonologe und Orgelmusik.
Sie könnte ein Ort sein, wo wir uns wirklich begegnen â mit all unserer Unsicherheit, unseren Krisen und unserer Sehnsucht nach Verbindung.
Helge sagt: âDas geht aber nur, wenn wir aus dem institutionalisierten Monolog aussteigen (Abschaffung von Kanzel und Sitzreihen) und echte, freiwillige Gruppenarbeit wagen.â
Ich denke: Klingt nach Arbeit. Aber vielleicht auch nach Hoffnung.
đ Fazit: Wir sind gesĂŒnder, als wir denken (auch wennâs sich nicht so anfĂŒhlt)
Zum Schluss bleibt ein bisschen Trost:
Burnout ist vielleicht einfach eine gesunde Reaktion auf eine kranke Gesellschaft.
Wir Jungen sind nicht kaputt â wir sind nur mitten im Umbau.
Und wenn wir schon stolpern, dann wenigstens gemeinsam, mit Humor und ein paar Hausschuhen an den FĂŒĂen.
Jetzt reinhören: Lausche unserem kompletten GesprÀch und stolpere mit uns am Rande des Erdbeerfeldes in die Metamoderne!
Diskutiere mit:Â Was wĂŒnschst du dir fĂŒr RĂ€ume in Kirche und Gesellschaft? Schreibâs in eine Kommentar-Mail!
Teile Hoffnung:Â Schick diesen Beitrag an jemanden, der gerade einen Winterspielplatz fĂŒr Erwachsene braucht.
Bleibt mutig, bleibt ambivalent â und denkt dran: Auch im Erdbeerfeld ist Platz fĂŒr Zweifel, Lachen und neue Ideen, nicht nur am Rande.