
Also, es war so: Am Abend, nachdem Italien gegen Bosnien-Herzegowina gespielt - und verloren hat, sagt der Italiener an meiner Seite empört:
- Stell dir vor, die erste Meldung der Hauptnachrichten handelte vom Fußball!
- Tatsächlich, sage ich.
- Ja, ging um irgendwelche Meisterschaften.
- Aha, sage ich.
- Irgendeine komische Meisterschaft, keine Ahnung, auf jeden Fall irgendwas, an dem sie nicht teilnehmen werden.
- Vielleicht die Fußballweltmeisterschaft?, sage ich - milde.
- Kann sein, keine Ahnung. Irgendwas eben, was sie verloren haben. Ich meine: Das war die Hauptmeldung in den Hauptnachrichten der RAI! Und dann hat man sich noch darüber beklagt, dass in Italien jetzt Kinder aufwachsen, die Italien noch nie bei einer Fußballweltmeisterschaft gesehen haben! Kannst du dir das vorstellen?
Ich gebe es auf. Mit dem Italiener an meiner Seite und dem Fußball, das wird nichts mehr.
https://sport.sky.de/fussball/bosnien-h-vs-italien/spielbericht/550725 (Opens in a new window)Er will einfach nicht begreifen, dass für Italien die GRÖAAK eingetreten isst. Nein, nicht wegen des Kriegs zwischen Iran und Trump, (Ja, okay, schlimm, vor allem wegen der Frage: Wer macht dann noch in Italien Urlaub, wenn die Spritpreise weiter steigen?), auch nicht wegen des Ukrainekriegs (Könnte schon längst gelöst sein, wenn die sich endlich mal einigen würden, den Don-irgendbass abgeben, zackzack, oder sollen wir noch bis zum Sankt Nimmerleinstag für diesen Krieg zahlen?), nicht wegen der Brücken und Straßen, die - durch heftige Regenfälle ausgelöste - Erdrutsche einstürzen (Es hat schon oft stark geregnet, immer dieses Gerede vom Klimawandel!), auch nicht, weil Meloni das Referendum verloren hat (Alles Kommunisten, die für das NO gestimmt haben), nein, weil die letzte WM, bei der Italien mitspielen durfte, im fernen Jahr 2014 stattfand.
Eine Weltmeisterschaft, an die sich vermutlich nur unsere beiden ältesten Enkelkinder erinnern (damals fünf und sechs Jahre alt, die, als ich sie vor dem Halbfinale Deutschland gegen Brasilien fragte, zu wem sie halten würden, flöteten: “Zu Brasilien!” Ich sagte: “Nein, Freunde, Ihr werdet nicht zu Brasilien halten.” Beide verwundert: “Warum?” Ich: “Weil Ihr sonst keine Geschenke mehr von mir bekommt.” Geht doch nichts über klare Ansagen. Mit zwei Trikothemden habe ich mir ihre Unterstützung erkauft: Deutschland - Brasilien: 7:1. Sieben zu eins. Gewonnen.

Die anderen drei Enkelkinder waren entweder noch nicht geboren oder erst zwei oder drei Jahre alt. Und DIE HABEN ITALIEN NOCH NIE (!) BEI EINER FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT ERLEBT!
Genau damit ist in Italien die größte aller anzunehmenden Katastrophen eingetreten: Zum dritten Mal hat sich Italien nicht für die Weltmeisterschaft qualifiziert - und lässt sich nicht mit dem Kompliment trösten, dass man Italien dafür bewundere, konsequent WM-Turniere in Ländern zu boykottieren, die autokratisch regiert werden oder auf dem Weg dorthin sind: Russland 2018, Katar 2022, USA 2026.
Obwohl darüber schon fast eine Woche vergangen ist, spricht man in Italien immer noch über nichts anderes. Fünf Sonderseiten im Corriere della Sera. Sondersendungen ohne Ende. Talkshows. Rücktritt von Gabriele Gravina, Präsident des italienischen Fußballverbandes und verantwortlich bereits für zwei verpasste Teilnahmen an Weltmeisterschaften. Was bereits schon als Wunder gelten darf, weil hier normalerweise niemand freiwillig zurücktritt. Außer dem Papst, dem deutschen. Und der Einzige, der sich immer noch wundert, ist der Italiener an meiner Seite.
Und für Meloni hat die Via Crucis kein Ende. Die Pleite mit der WM-Qualifikation war noch nicht verdaut, da machte der bislang als völlig unscheinbar und Meloni als devot ergeben geltende Innenminister Piantedosi auf sich aufmerksam: wegen einer Affäre mit der Journalistin Claudia Conte (Opens in a new window), die - vor laufender Kamera (Opens in a new window) - eine Beziehung zum verheirateten Innenminister zugegeben hat. Aber weil die Journalistin vor Kurzem in eine parlamentarische Untersuchungskommission berufen wurde, und auch sonst eine kuriose Karriere in der Welt der italienischen Präfekturen gemacht hat, hat das alles auch eine politische Dimension. So erhielt sie Aufträge an der Fortbildungsschule für die Polizeikräfte, die direkt dem Innenministerium untersteht, Zivilschutz, Armee und Feuerwehr samt Freiwilligen, Kommandanten und Generälen standen ihr zur Seite, als sie einen Dokumentarfilm über die Flutkatastrophe in der Emilia Romagna drehte, der dann 2024 auf RaiPlay ausgestrahlt wurde, die drei Stellvertreter des Innenministers ließen alles stehen und liegen, um zu ihren Veranstaltungen in ganz Italien zu eilen, sie wurde in Talkshows, Morgensendungen und Diskussionsrunden eingeladen - weshalb sich jetzt nur die Frage stellt: Wenn alles so gut für sie lief, warum um Himmels Willen kommt die Frau ausgerechnet jetzt auf die Idee, ihre Beziehung zu dem Innenminister öffentlich zu machen - in einem Interview, das von einem jungen Parteigänger der Fratelli D’Italia geführt wurde?
“Piantedosi, der sich eine Geliebte nimmt, obwohl seine Ehefrau Präfektin von Grossetto ist und sein Schwiegervater ehemaliger Geheimdienstchef, beweist einen solchen Mut, dass ich ihn fast schon bewundere”, schrieb einer auf X.
Nach den Rücktritten der Kabinettschefin des Justizministers Giusi Bartolozzi, dem Meloni-Anwalt und Staatssekretär Andrea Delmastro (der, wie gespottet wird, als einziger Politiker Geld an Mafiosi zahlte und nicht umgekehrt - um ein Steakhaus zu eröffnen, wohlgemerkt), und der Tourismusministerin Daniela Santanchè, die mehr Ermittlungsverfahren am Hals als Hermès-Taschen in der Hand hat; nach den unzähligen Patzern des (ehemaligen) Schwagers Lollobrigida, berühmt dafür, rechtsextreme Verschwörungstheorien über einen »Bevölkerungsaustausch« zu verbreiten oder bei Terminschwierigkeiten Hochgeschwindigkeitszüge anzuhalten (Opens in a new window), nach dem zu Fall gebrachten Kulturminister Sangiuliano, dessen Geliebte versucht hatte, ihm mit ihren Fingernägeln den Schädel zu spalten, und nach dem Verteidigungsminister, der, als der Irankrieg ausbrach, kurioserweise ausgerechnet auf einer Privatreise in Dubai feststeckte, müssen selbst die hartgesottensten Melonifans angesichts der Affäre des Innenministers Piantedosi zugeben, dass Giorgia Meloni ein Problem hat. Das in der die absoluten Unfähigkeit ihrer politischen Führungsriege besteht.
So unterhaltsam ist es in Venedig - noch - nicht. Der Wahlkampf besteht vorerst aus etlichen Bürgermeisterkandidaten, hinter denen sich nichts als ein großes Ego verbirgt - mit dem sie vermutlich weniger als ein Prozent der Stimmen erringen werden, weit entfernt von der Sperrklausel, die dem Trostpreis eines Sitzes im Stadtrat entspricht. Und Brugnaros Kronprinz Simone Venturini versucht gar nicht erst zu verbergen, dass er im Auftrag von Brugnaro unterwegs ist, indem er in seiner “Bürgerliste” alle Stadträte und Ratsmitglieder aufnimmt, die sich zuvor auf der “Bürgerliste” von Brugnaro befunden haben.
Uns ist es gestern immerhin gelungen, den Corriere della Sera zu bewegen (Opens in a new window), sich mit dem Thema “Wahlrecht der in Venedig ansässigen EU-Bürger” zu beschäftigen:

Bislang haben lediglich 50 (!) EU-Bürger in Venedig ihren Wahlausweis beantragt - von mehr als 8000 Wahlberechtigten. Die Frage, die sich für mich dabei stellt: Wovor hat die Kommune Venedig solche Angst, dass sie die EU-Bürger nicht über ihr Recht informiert, an den Kommunalwahlen teilzunehmen?
Und jetzt die wichtigste Nachricht zum Schluss: GESTERN! HABE! ICH! WIEDER! DEN! DELFIN! GESEHEN!
Der Delfin und ich, wir wünschen Ihnen trotz allem Chaos und allen irren Präsidenten wunderbare Ostertage! Buona Pasqua!

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