
Viola lebt seit acht Jahren mit Chico zusammen – einem Mischlingshund mit Entlebucher, vermutlich deutschem Pinscher und etwas Terrierartigem. Letzteres verrät sein Typ ganz klar, sagt Viola. Der heute 14 ½-jährige Rüde kam über die Tierhilfe Franken zu ihr und ihrer Familie. Für Viola war Chico ihr erster eigener Hund, während ihr Mann bereits mit Hunden aufgewachsen ist. Drei, naja vier, Worte beschreiben Chico am besten: Er ist ein Original. Dazu kommunikativ und für Viola mit den schönsten Ohren auf der Welt ausgestattet.

Steckbrief
👉 Viola geht mit dem 14 ½-jährigen Chico seit acht Jahren gemeinsam durchs Leben
👉 Chico ist ein richtiges Original, der kommunikativ und mit einer ordentlichen Portion „Terrierwahnsinn“ im positivsten Sinne durchs Leben geht.
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Eine bewusste Entscheidung für einen erwachsenen Hund.
Als der gemeinsame Sohn, der die Familie komplettiert, zehn Jahre alt war und sich die berufliche Situation änderte, war klar: Jetzt passt die Zeit für einen Hund. „Ich habe gesagt: Ich hätte gern einen Hund, wo ich schon weiß, was der so mitbringt„, erzählt Viola. Es sollte ein Hund sein, der schon alleine bleiben kann, denn unter der Woche musste er stundenweise ohne Begleitung auskommen.
Eigentlich hatte sich die Familie bereits für eine einjährige Hündin entschieden. Die Tierhilfe empfahl jedoch, sich Chico anzuschauen – obwohl er ihnen eigentlich zu alt war. „Chico ist ein cooler Kerl“, schwärmt Viola. Er war gerade mal eine Woche bei der Tierhilfe, kam aus einer Familie und wurde wegen einer Allergie der Tochter abgegeben.
Nach einem Besuch, einem Gegenbesuch von der Pflegefamilie und einem weiteren Besuch von der Tierhilfe war alles klar und so zog Chico drei Wochen nach dem Erstbesuch ein.

Ein Alltag voller Flexibilität.
Da es beruflich keine Regelmäßigkeit gibt, gibt es auch keinen typischen Tagesablauf. Aber klar ist immer: Der Tag beginnt mit einer ausgiebigen Gassirunde, die mittlerweile altersgerecht angepasst ist. Chico kann gut alleine bleiben – das hat die Familie während der Corona-Zeit besonders gemerkt.
„Wir haben bewusst Zeit im Obergeschoss verbracht und ihn unten gelassen, damit er Ruhe findet“, erzählt Viola. Chico hat sich angewöhnt, mittags ein Schläfchen zu machen und dann fit zu sein. Dann geht’s raus in den Garten oder auf eine Mittagsrunde.
Abends gibt’s eine Spielrunde – und die hat es in sich! „Er spielt wahnsinnig gern für sein Leben, am liebsten mit dem ‚Wobbler‘, in den Futter kommt.“ Chico schiebt den Wobbler durch die ganze Wohnung, verfolgt ihn und benimmt sich dabei wie ein Junghund statt wie ein Senior. Oft flitzt er der Familie entgegen, wenn sie heimkommen, holt sein Walross „Walter“, zeigt es stolz und signalisiert, dass nun alle Zuhause sind.

Gemeinsam zusammengewachsen.
„Wir mussten erst zusammenwachsen“, gibt Viola offen zu. Anfangs lief es super, aber dann kam Chico richtig an – und dann es brauchte Arbeit, mit Tränen und Schweiß. „Aber wir haben uns für ihn entschieden und zogen das gemeinsam durch.“
Chico ist wahnsinnig lernbegierig, lernt schnell und arbeitet gern. Viola musste lernen, genau und schnell zu sein, weil er sich sonst langweilt. „In der Hundeschule war das spannend – oft war ich langsamer als er.“ Dieses Zusammenwachsen und gegenseitige Anerkennen hat beide geprägt.
„Chico war mein Wegweiser zu mir selbst, wie ein Spiegel“, reflektiert Viola. „Wenn ich nicht gut drauf war, lief’s auch draußen nicht gut.“ Heute kann sie auch schlechte Tage annehmen – das hat sie sehr zusammengeschweißt.
Anpassungen mit den Jahren.
Der Alltag hat sich verändert: Früher war er klar strukturiert, jetzt passt sich die Familie mehr an Chico an. Sie schauen täglich: Wie geht’s ihm? Worauf hat er Lust? Manche Tage läuft er wie früher seine Runden, andere Tage geht wenig – vor allem im Sommer, wenn’s heiß ist.
„Wir haben unser Leben an ihn angepasst“, erklärt Viola. Längere Ausflüge muten sie ihm nicht mehr zu, weil das für ihn schon als Junghund sehr anstrengend war, da er in seinem frühen Leben nicht sehr gut sozialisiert wurde. Heute plant die Familien die Runden mit ihm und gönnen ihm die Pausen, die er braucht.
Früher schlief Chico oben im Körbchen, jetzt unten, weil er die Treppen nicht mehr sicher läuft. Die Familie hat Gitter angebracht. „Wenn er nachts hochkam und uns weckte, war das zwar manchmal anstrengend, aber auch etwas, was mir heute fehlt.“
Gesundheitliche Herausforderungen.
Gesundheitlich gab es schwere Zeiten: Chico hatte drei Lungenentzündungen. Bei der zweiten wusste die Tierärztin nicht, ob er es schafft. „Aber er ist zäh und hat sich erholt.“ Seine Lungen sind seitdem angegriffen, das Atmen fällt ihm manchmal schwer.
Dann kam noch ein Kreuzbandriss, den die Familie ohne OP behandelt hat – mit Spritzen, Bewegung und angepasstem Training. Außerdem entwickelte er ein geriatrisches Vestibularsyndrom mit Drehschwindel, das inzwischen gut im Griff ist.
„Beobachtet euren Hund genau, arbeitet eng mit dem Tierarzt zusammen, nehmt Veränderungen ernst“
rät Viola. Ihre Tierärztin war eine große Hilfe, weil sie immer ehrlich gesagt hat, was Sinn macht und was nicht.

Neue alte Marotten.
Es gibt Veränderungen, die überraschen: Früher hat ihn Essen auf dem Boden nie interessiert, jetzt durchstöbert er Körbe und schleppt Dinge herum – wie ein Junghund. „Einmal kam er mit einem Schokonikolaus im Maul vorbei! Zum Glück hat er ihn wieder ausgespuckt.“ Er hat angefangen, Wäschekörbe oder Papiermüll zu durchstöbern. Das ist neu und lustig.
Typische Althund-Eigenheiten zeigt er ansonsten kaum. Er ist gelassener geworden, schläft mehr, aber wirkt manchmal wie ein Junghund, probiert Neues aus. „Er weiß nämlich nicht, dass er schon 14 ½ ist. Er hat immer noch ein bisschen Terrierwahnsinn, der ihn jung hält – und zwar im positiven Sinn.“
Ein unvergesslicher Moment.
Einen Moment wird Viola nie vergessen: Sie hatte ein Telefonat, das sie sehr belastet hat, und saß weinend da. Chico lag entspannt auf seinem Kissen, kam dann aber zu ihr. „Er hat überlegt, seinen Kopf an meine Beine gelegt und schließlich seine Pfoten vorsichtig auf meinen Schenkel gesetzt.“
Ganz langsam stemmte er sich hoch, bis er auf ihrer Gesichtshöhe war – und leckte ihr die Tränen aus dem Gesicht. „Dann hat er mich angeschaut, als wolle er sagen: Hab ich gut gemacht. Das war einer der schönsten Momente mit ihm.“
Prägender Teamgeist.
Ein anderer prägender Moment war an einer Großbaustelle. „Ich hatte Schweißausbrüche, weil ich dachte: Mist, der Weg ist so eng“, erinnert sich Viola. Ein Presslufthammer kam entgegen, es war schwierig. „Aber ich dachte: Nein, wir schaffen das.“ Und tatsächlich: Seite an Seite durchgeatmet, es hat funktioniert. „Kein romantischer Moment, aber ein sehr prägender, weil ich wusste: Okay, er kann sich auf mich einlassen, wir sind ein Team.“
Was würde Chico wohl zu seinem Leben sagen? Viola hofft, dass Chico zufrieden ist mit seinem „zweiten Leben“. Einmal haben sie zufällig seine alten Besitzer getroffen – er war freundlich, aber hat sich dann schnell verzogen, ganz untypisch für ihn. „Für mich das Zeichen: Er gehört jetzt hierher.“
Vielleicht würde er auch sagen, dass er manchmal zu wenig Leckerlis bekommt – aber sonst ist er zufrieden. Er war am Anfang magenempfindlich, heute ist er verfressen.
Keine Angst vor der Seniorenzeit.
Sie waren mit Chico noch einmal in Dänemark am Meer. Erst dachten sie, er sei zu alt, aber er hatte so viel Freude daran. „Heute können wir nicht mehr lange laufen, weil sein Hinterlauf schmerzt – aber er schnüffelt glücklich zehn Minuten im Gras, und das ist für ihn das Richtige.“
Viola hat gelernt, sich täglich neu auf Chico einzustellen, seine Signale zu lesen und den Alltag flexibel zu gestalten.
„Habt keine Angst vor der Seniorenzeit. Sie bringt viel Schönes mit sich“, lautet Violas Botschaft an andere Menschen mit alten Hunden. „Natürlich wird es Abschied geben, aber diese Zeit ist voller Zauber und Nähe, die man sehr intensiv erlebt.“ ❤️🐾