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Looking back

Es ist ja seit kurzem so ein Trend auf Social Media alte Fotos versehen mit Jahreszahlen zu posten. Manchmal wird in diesen Posts auf die letzten 10 Jahre zurück geblickt, manchmal auf noch längere Zeitspannen.

Ich habe die letzten Tage damit verbracht ein bisschen in meinem eigenen Archiv zu kramen und für jene, die es interessiert, kommen hier noch die kleinen Anekdoten zu den Fotos des ersten Posts:

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Foto: Wolfgang Bohusch

Dieses Foto hat ein Wiener Fotograf namens Wolfgang Bohusch von mir gemacht, ca. 2006 in Wien.

In meinen 20ern stand ich immer mal wieder verschiedenen Fotograf*innen Modell, einfach aus Spaß an der Freude zumeist, weil ich Gefallen daran fand in Rollen zu schlüpfen und zu posieren und/ oder weil sie mich fotogen fanden und Lust auf Porträts hatten. Dadurch habe ich viele tolle professionelle Bilder aus dieser Lebensphase. Die Brille auf dem Bild ist übrigens meine eigene gegen meine Kurzsichtigkeit. Ich bekam meine erste Brille mit 13, trug aber die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens immer Kontaktlinsen bis ich mir 2022 die Augen lasern ließ. Deshalb gibt es nur sehr wenige Fotos mit Brille von mir.

Wofür ich die Fotos auch nutzte waren Setkarten für Agenturen, die mich für Kleindarsteller*innen Jobs, z.B. in Werbungen o.ä. bewarben. Ich war in dieser Zeit auf so vielen Castings für völlig bescheuerte Werbespots, manchmal kam ich eine Runde weiter, doch meistens fanden mich die Caster*innen zwar “interessant”, entschieden sich aber am Ende doch für die konventionelleren Typen. Einige wenige Jobs bekam ich in dieser Zeit, in einer Printkampagne für ein Migränemittel, in einem Werbespot für einen Mobilfunkanbieter und für eine Wettsport-Seite und als Kleindarstellerin in einer Dokumentation über die Wiener Sängerknaben, bei dem Dreh musste ich zwei Tage ein Rokokokleid und Perücke tragen.

Ich war jung und brauchte das Geld.

Soundtrack: Tocotronic - Pure Vernunft darf niemals siegen (Opens in a new window)

Way back in time: 2001 im Wohnzimmer der Mama meiner Freundin Sina als diese noch in der dunklen Souterrainwohnung drunter wohnte in der ich viele Nächte und Tage verbrachte.

Dies ist die Momentaufnahme eines langwierigen Haarfärbe Experiments bei dem ich versuchte von rot zu blond zu wechseln.

Diese leicht pinke Zwischenstufe und die rotzige Attitüde mit der Baggy Jeans erinnern mich an Pink, die zu der Zeit schon berühmt war und übrigens nur ein Jahr älter ist als ich.

Am Ende des Tages waren die Haare dann mehr oder weniger kanarienvogelgelb und die Kopfhaut völlig hinüber.

Kurz danach begann ich eine Friseurlehre bei The English Haircutters in München Schwabing, wo ich auch öfters mal Veronica Ferres die Haare waschen durfte, sie gab mir immer 5 € Trinkgeld, das fand ich super. Meine Haarfarben und -schnitte wurden schlagartig professioneller, als ich in diesem Salon begann.

Eine wilde Zeit, die mich viel gelehrt hat.

Soundtrack: Christina Aguilera, Lil' Kim, Mya, P!nk - Lady Marmalade (Opens in a new window)

Dieses Foto entstand an meinem 21.Geburtstag: 23.06.2001

Ein Selfie mit einer analogen Kamera lange bevor das Prinzip Selfie als solches benannt und zum kulturellen Phänomen wurde.

Ich fühlte mich gut, selbstbewusst und schön.

Das Bild entstand im Badezimmer meiner ersten eigenen Wohnung in der Fürstenriederstraße in München Laim.

Ich war verliebt in einen Typen, den ich einige Monate davor bei “Candy Club” kennengelernt hatte, einer legendären queeren Party in München, damals sagte man “Schwulenparty”. Den ganzen Abend hatte ich ihn schon im Blick und versuchte herauszufinden ob er auf Girls oder auf Boys steht. Turns out both.

Der erste Mann, der mir unbefangen erzählte, dass er auch schon sexuellen Erfahrungen mit Männern hatte und “trotzdem” auch auf Frauen steht, mir war das mit meinen damals knapp 21 Jahren gänzlich neu, dass das möglich ist, so eingeschränkt war meine Perspektive, kein Wunder, dass es noch so lange dauern würde bis ich meine eigene Bisexualität ganz annehmen konnte.

Es war ein wunderbarer Sommer, die Verknalltheit reichte nicht bis in den Herbst, aber es bleiben königliche Erinnerungen, die für immer mein Herz entzücken werden.

Soundtrack: Tiny Dancer - Elton John (Opens in a new window)

Boah, keine Ahnung wo dieses Foto entstanden ist, ich weiß es nicht mehr.

Wiedergefunden habe ich es Jahre später in der Küche von Anna Jung (Opens in a new window). Anna war Sängerin einer Band zu der ich später noch kommen werde bevor ich Sängerin dieser Band wurde. Als ich von München nach Wien zog, zog sie von Wien nach München. Es gab immer wieder unterhaltsame Verbindungspunkte in unserem Leben. Auf diesem Foto trage ich ein original bretonisches Vintage Streifenshirt, das ich von meiner Mama geerbt hatte, denn mit meinem Pixie versuchte ich ein bisschen wie Jean Seberg in Godards “Außer Atem” auszusehen, ironisch gebrochen mit einer falschen Rolex, die ich mir auf meiner Thailandreise gekauft hatte, ich trinke Weißweinschorle oder “weißen Spritzer”, nehme an das Foto ist in Wien entstanden. Ich schaue irgendwie wahnsinn jung und naiv aus, aber vielleicht auch einfach ein bisschen besoffen.

Soundtrack: Françoise Hardy "Tous les garçons et les filles" (Opens in a new window)

In my Vamp Era. 2006, Trennung von der ersten großen Liebe, Durst nach Freiheit, Expression, Hedonismus.

Gemacht hat diese Porträts Alexandra Augustin (Opens in a new window), die heute als Radiomoderatorin und Journalistin in Wien tätig ist und damals glaube ich gerade ihre ersten Schritte bei FM4 tat.

Ich wohnte zur Zwischenmiete im riesigen Altbau Apartment von Christopher Just, (Opens in a new window) einem DJ, Produzenten und heute Schriftsteller, der damals für eine Weile nach New York zog.

Obwohl ich nur ein paar Monate dort lebte, habe ich ein paar prägnante Erinnerungen an diese Bude, noch nie davor und danach hatte ich so viel Platz gehabt (120 m2 Stuckaltbau in der Schleifmühlgasse) und am Ende versaute eine meiner Freundinnen noch Justs weiße Designercouch mit Rotwein.

Bis heute verstehe ich nicht warum man sich eine weiße Couch kauft, aber gut.

Ich glaube die Fotos waren für ein Magazin und ja, ich habe eine mit einer Mandel gefüllte Olive im Mund und auf meinem Rücken steht: “True till death” - mag ich bis heute das Tattoo.

Soundtrack: Nelly Furtado - Maneater (Opens in a new window)

Viel weiß ich nicht mehr von diesem Foto.

Es war ein Gig mit meiner damaligen Band Jellybeat.

Über diese Band muss ich vielleicht nochmal einen eigenen Text schreiben. Ich war Sängerin dieser Band von 2004 - 2007 und 2006 erschien unser gemeinsames Album “From The Get Go”.

Verrückte Geschichte. Ich rutsche in diese Band, die es bereits gab und die in Österreich bereits Airplay erhielt und Alben veröffentlicht hatte, weil Anna Jung (siehe oben) Mama wurde und nach München zog. Ich spielte mein erstes Konzert vor über 1000 Menschen. Keine Zeit für Lampenfieber. What a ride.

Besonders beachtlich finde ich wie untätowiert meine Arme auf diesem Bild sind. Verrückt. Ich trug ein Satin Vintage Kleid in türkis, dazu einen roten Ledergürtel von meiner Mama. Ich mag die Kombi mit den roten Lippen immer noch sehr gerne.

Ich glaube wir spielten auf der Summerstage an der Roßauer Lände in Wien, scheint es noch immer zu geben.

Soundtrack: Jellybeat - Magic Potion (Opens in a new window)

Noch ein Jellybeat Konzert, das hier war für das Indie Magazine, ein Modemagazin für das ich später auch als Musikjournalistin schrieb.

Auftritt auf einer Magazin Release Party ich glaube in der Kunsthalle Wien. Ich trug einen Harlekinhut und ein Kleid, das ich mir aus Bahnen von Neon Tüll selbst knüpfte und mit einem großen schwarzen Stretchgürtel zusammen hielt.

Es war ein gutes Konzert. Mehr weiß ich nicht mehr.

Soundtrack: Jellybeat - Happy Girl (Opens in a new window)

1997 - dezenter Zeitsprung. Ich war 17 und ein grumpy Teenager. Keine einfache Zeit in meinem Leben, ich hatte wenig Zugehörigkeitsgefühl und wenig echte Freund*innen, ich war irgendwie anders und versuchte mich doch ständig anzupassen.

Kurz darauf lernte ich meinen ersten “richtigen” Freund kennen und hatte eine 3jährige, extrem toxische On-Off Beziehung, die ich heute noch in meiner Therapie verarbeite oder besser gesagt - erst jetzt. Ach was würde ich meinem jungen Ich wünschen sich niemals auf diesen Typen eingelassen zu haben, sondern vielleicht stattdessen auch mal ein paar Girls zu daten.

Aber gut, so war das eben damals und ändern kann ich es heute auch nicht mehr. Ich empfinde viel Schmerz und Schwere wenn ich mir diesen Teenager ansehen und all den Scheiß, den sie noch erleben musste. Das Foto entstand im Treppenhaus meiner Eltern, in dem Haus in dem ich von 10 - 19 lebte und in dem sie noch heute leben. Ich trage eine dunkelblaue Samthose mit Schlag, die ich sehr liebte, einen schwarzen Rolli und eine fake orange G Shock Watch aus dem MacDonalds Happy Meal.

Soundtrack: Fugees - Killing Me Softly (Opens in a new window)

1988 machten sich meine Eltern und ich auf die wohl größte Abenteuerreise, die ich in meinem bisherigen jungen Leben erlebte. Fast die gesamten Sommerferien, also mindestens 5 Wochen waren wir unterwegs. Das war nur möglich weil meine Mama Grundschulrektorin war und mein Papa ein Hallodri/ Künstler.

Über Österreich, durch das ehemalige Jugoslawien fuhren wir nach Bulgarien wo in einem kleinen Dorf ein zweiwöchiges Tanzfestival stattfand. Meine Eltern haben schon immer viel getanzt und seit den 1970er Jahren hatten es ihnen vor allem süd-osteuropäische Volkstänze angetan. So bekam ich als Kind viele Einblicke in (post-)kommunistische Länder und viel Kontakt mit den Menschen dort, die diese Trips für die tanzwütigen Deutschen organisierter. Devisen (DM) waren Macht, man konnte eigentlich alles bekommen, CocaCola, you name it.

Es war die Zeit vor dem Fall des eisernen Vorhangs.

Nach dem Tanzseminar fuhren wir weiter nach Griechenland, durch Griechenland hindurch und mit der Fähre zurück nach Italien und via Österreich zurück nach München.

Alles ohne Internet, ohne GoogleMaps, ohne PreBooking (außer das Tanzseminar), wenn mir heute jemand sagt, ich sei mutig, würde ich sagen meine Eltern haben mir das so vorgelebt und sich einfach ins Auto gesetzt und sind losgefahren.

Das Foto entstand in Varna, dort besuchten wir mit der Reisegruppe ein lokales Theater mit dem Fundus traditioneller Kostüme und die Theaterleute fanden es besonders schön mich so anzuziehen, da ich “verkleiden” schon immer liebte, war ich natürlich von der traditionellen bulgarischen Tracht begeistern.

Soundtrack: ЕЛЕНИНО ХОРО - NORTH BULGARIA (Opens in a new window)

Hey ganz ehrlich, ich war drei und ziehe Grimassen, viel mehr weiß ich dazu nicht. Aber ich liebe das Foto weil ich einfach so albern aussehe und so Spaß dran habe und meine Großtante Margot im Hintergrund auch schmunzeln muss, fast das Schönste an dem Foto.

Soundtrack: Georg Kreisler - Zwei alte Tanten tanzen Tango (Opens in a new window)

Zu diesem Bild ist der Soundtrack klar - mein alles durchdringender Schrei. Ich finde das Bild so lustig, weil es so dramatisch ist. Heute machen Menschen ja ganz viele Fotos von ihren Kindern, damals war das ja alles noch analog und zum Glück hatte mein Vater großen Spaß daran mein Aufwachsen zu dokumentieren und so habe ich heute noch stapelweise Erinnerungen auch an diese ganz frühen Lebensphasen.

Ich würde sagen die Wickelauflage wurde noch in den 1970ern produziert. Genug geschwelgt für heute.

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