FILM-KRITIK (Opens in a new window)
Zur Handlung des zweiten Horst Schlämmer-Films nach siebzehn Jahren muss nicht viel gesagt werden. Alle notwendige Beschreibung steckt, wie schon im ersten Film Isch kandidiere!, auch bei Horst Schlämmer sucht das Glück im Titel.
Nach der Corona-Pandemie hat die ganze Welt oder zumindest ganz Deutschland Rücken, wie Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) meint. So begibt sich der stellvertretende Chefredakteur des fiktiven Grevenbroicher Tagblatts eben auf die Reise durch die (größtenteils alte) Bundesrepublik um des Glückes Unterpfand ausfindig zu machen.

Immer dabei sind Videos aus Filmen und Serien seiner Lieblingsschauspielerin Gaby Wampel (Komikerin Tahnee Schaffarczyk), die ein Querschnitt deutscher TV-Unterhaltung vergangener Zeiten darstellen. Außerdem trifft er Markus Söder und Kardinal Rainer Maria Woelki, was schon ein wenig seltsam anmutet. Da stellt sich die Frage, ob dies für Kerkeling und Drehbuchautor Claudius Pläging Humor auf der Metaebene sein soll oder … Ja, oder was?!

Die Gespräche wirken auf der einen Seite zu respektvoll und ernst, um als Polit- und Gesellschaftssatire durchzugehen, bleiben aber doch zu oberflächlich, um als Dokumentation von Befindlichkeiten zu gelten. Ein Clan- … äh … Familientreff der besonderen Art ist eher die Kategorie 00er-Jahre-Posse, die Deutsche Bahn-Witze sind die einzig zeitlosen und aus dem Besuch in einer Luxus-Kurklinik hätten die Männer hier mehr machen können. Eine Domina mit Herz (Meltem Kaptan, Alter weißer Mann, Ghosts) ist ein immerhin unterhaltsames und charmantes Klischee und Jördis Triebel verleiht der kalten Kalauer-Komödie als Lastwagenfahrerin Roswitha etwas Herz und Klasse (die Rolle erinnert ein wenig an Kathi Grabowski aus Marzahn Mon Amour).

Ein feines, kleines Highlight des Sketch-Films ist die Begegnung Horst Schlämmers mit Hape Kerkeling bei einer Signierstunde im Kaufhaus. Kerkeling stellt seinen neuen Ratgeber „Glücklichkeit kennt keine Grenzen“ vor. Das lässt nicht nur Horst Schlämmer an der Existenz des Wortes „Glücklichkeit“ zweifeln. Der dazu passende Song heißt „Ich such die Glücklichkeit“. Kein Glück ist den beiden Herren sowie der Assistentin Kerkelings im Miteinander beschert. Mehr solcher fein austarierter Momente hätten dieser teils arg drögen Glückssuche gutgetan.
https://www.youtube.com/watch?v=YdUP2xp6enM (Opens in a new window)Zwar kam auch schon Isch kandidiere! 2009 mit manch einer harten Keule aus dem beleuchteten Gebüsch gesprungen, doch hatte der Erstling mehr Gespür für Zwischentöne und konnte Pointen besser setzen. Hier ist vieles entweder zu lang und zerfasert oder zu kurz für eine prächtige Punchline. Apropos: Wie schon damals ist auch dieser Film zu lang. Neunzig Minuten sind leider zu viel Schlämmer an dieser Stelle, das’ gar nich crazy (Opens in a new window).

Darüber hinaus ist Horst Schlämmer sucht das Glück so sehr auf Anspielungen und Witze nicht nur der Zeit vor 2000, sondern vor allem auf Westdeutschland zugeschnitten, dass sich hier erneut die Frage stellt: Metaebene oder Ignoranz? Sei’s drum, denken sich wohl die Macher und Produktionsfirma Honeybird Film. Immerhin teilen sich Ryan Goslings eher edel-trashiger Astronaut und der schlürfige Schlämmer die Spitze der deutschen Kinocharts.
Was lässt sich nun also abschließend sagen? Diese Worte des Kollegen gelten gut: Der Abspann war das beste, der hat Spaß gemacht.
AS/NS
PS: Gesehen haben wir den Film ausnahmsweise einmal nicht in Berlin, sondern stattdessen in Leipzig, wo wir ja die Buchmesse besucht hatten (Opens in a new window). Wir schulden euch noch ein paar Eindrücke. Sie sollen kommen … Spätestens 2027. 📚🤭
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/59da100d-9a4a-4ed0-860b-c8b915a0c581 (Opens in a new window)PPS: Die Werbe- und Marketingtrommel ist übrigens teils kreativer als der Film selbst. So übernahm der Horst Schlämmer bspw. eine Redaktionskonferenz von t-online (Opens in a new window), als Chefredakteur Florian Harms in Shenzhen zu Besuch war.
IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Opens in a new window) oder auf Facebook (Opens in a new window). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Opens in a new window), durch unseren Merch stöbert (Opens in a new window) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK ist seit dem 26. März 2026 im Kino zu sehen.
Horst Schlämmer sucht das Glück; Deutschland 2026; Regie: Sven Unterwaldt; Drehbuch: Claudius Pläging; Bildgestaltung: Stefan Schuh; Darsteller*innen: Hape Kerkeling, Tahnee Schaffarczyk, Meltem Kaptan, Laura Thomas, Jördis Triebel, Norbert Heisterkamp, u. v. m.; Laufzeit ca.: 93 Minuten; FSK: 6; Honeybird Film in Koproduktion mit LEONINE Studios und DEGETO/ARD
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