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Sorry, haben Sie mich gerade »Hurensohn« genannt?

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

Faschismus galt lange Zeit als harte, aber ehrbare Handarbeit, gerade in Deutschland. Doch in den letzten Jahren hat sich diese Kulturtechnik sehr geändert: Es gibt nicht nur immer mehr billige Imitate aus dem Ausland, nein, mittlerweile haben deutsche Politiker*innen, Polizist*innen und CDU-Wähler*innen sogar nichtmenschliche Konkurrenz:

Fotomontage: Im Vordergrund ein Schwarz-Weiß-Foto von Adolf Hitler, im Hintergrund blickende Lichter. Dazu der Text: "Werde ich noch gebraucht? Wie KI den Faschismus übernimmt". (Opens in a new window)

Die neue Ausgabe gibt es ab Samstag in jedem Serverraum, jetzt schon im Onlineshop (Print (Opens in a new window) oder PDF (Opens in a new window) oder in der App (Opens in a new window)) – oder am besten: im Abo! (Opens in a new window)

Tolles Angebot
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BAMF und Verfassungsschutz sind bereits damit beschäftigt, eine Reichs-KI zu entwickeln, die ihre Energie aus Blitzeinschlägen auf der Wolfsschanze und noch laufenden Stahlöfen gewinnt. Auch andere mögliche Energiequellen werden diskutiert:

Eine weiblich gelesene Person schaut sich in einem Museum alte Öfen aus Gusseisen an. Dazu der Text: "Heizungsgesetz gekippt: Jetzt in Ölöfen investieren!"

Wie es der Zufall will, hat jetzt auch Trump einen schönen Ölofen. Es handelt sich um ein Gastgeschenk der Vereinigten Arabischen Emirate, das sie zum ersten Treffen des Friedensrats in Washington mitbrachten. Was neben der Präsentübergabe beim Board of Peace noch geschah:

9:50 Einlauf zu »Peace Pigs« von Black Sabbath

10:00 Gegenseitiges Überkleben der Hakenkreuz-, »Death to America«-, »Death to the Jews«-, »Death to Palestinians«- und »Death to the Armenians«-Tattoos

12:00 Austausch von UN-Witzen (»Kommt die UN in ein Krisengebiet ...«)

12:15 Feierliches Überreichen des FIFA-Anti-Korruptions-Preises durch Gianni Infantino an Benjamin Netanjahu

13:00 Anruf bei Putin, um zu fragen, ob er nun mitmachen will

13:01 Begutachtung der Hotel- und Ferienresort-Modelle für den zukünftigen Gaza-Streifen

14:00 Überreichen des FIFA-Demokratie-Preises durch Gianni Infantino an Alexander Lukaschenko

15:00 Aufteilen der weltweiten Ölreserven

15:30 Feierliches Aussetzen von 1000 Friedensgeiern

16:05 Planen von Friedensoperationen, um an jene Ölreserven zu kommen

16:10 Friedensdrohungen gegen Iran

16:20 Nach Beschwerde Aberkennen der FIFA-Preise an Netanjahu und Lukaschenko und sofortige Übertragung an Trump

17:00 Abendessen, anschließende Friedenspfeife im »War«-Room

Gianni Infantino plant, ein Fußballstadion in Gaza zu bauen. Damit Sie auf das erste Lokalderby zwischen Blau-Weiß Jerusalem und dem 1. FC Gaza vorbereitet sind, hier schon mal die wichtigsten Powersätze fürs Fußballstadion:

  • »Haha, 90 Minuten, du bist lustig! Und wie lange geht so ein Spiel wirklich?«

  • »Für mich kein Bier, aber bringst du mir einen Wildberry Lillet mit?«

  • »Weckst du mich, wenn Halbzeit ist? Ich muss noch mal kurz an mein Auto.«

  • »Touchdown!«

  • »Die Fans vom gegnerischen Team sind gar nicht verkehrt. Mit ein paar von ihnen sind wir nach dem Spiel auf einem Acker am Stadtrand verabredet.«

  • »Eintraaaacht Schalke 09 – bis in den Tod! Schalalalaa!«

  • »Entschuldigung, aber der glatzköpfige Hüne hat Sie gerade ›Hurensohn‹ genannt. Wollen Sie das wirklich auf sich sitzen lassen?«

  • »Bei welchem Verein spielt Karl-Heinz Riedle zurzeit?«

  • »Quatsch, ich meine natürlich Ulrich Kienzle!«

  • »Toll war’s! Jetzt aber schnell los zu unserem Treffen auf dem Acker!«

Doch nicht nur auf Äckern trifft man nette Leute, auch im Raumschiff hat man manchmal das Glück:

Gezeichneter Cartoon: Drei Astronauten in einem Raumschiff, einer legt gerade etwas in der Ablage ab, während ein anderer durch eine Luke den Raum betritt. Der Neuankömmling winkt und grüßt: "Hi, Franz! Du auch hier?" Unter der Zeichnung steht: "Zufallsbegegnung in der Raumfahrt".
neue folge
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Wenn man über Wochen mit jemandem in einer 15 Quadratmeter großen Raumkapsel steckt, lernt man ihn noch mal von einer ganz anderen Seite kennen. Diesen Effekt erreicht man allerdings auch, indem man 800 Gebrauchsgegenstände von dieser Person erwirbt:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Was gesammelt werden muss

Ein anonymer Brief erreichte die Redaktion letzte Woche. Darin befand sich, ohne An- oder Begleitschreiben, die Kopie eines Zeitungsartikels, der darüber informierte, dass das Günter-Grass-Haus in Lübeck soeben 800 Objekte aus dem Nachlass des Danziger Nobelpreisträgers erworben habe, diese momentan digitalisiere und ab 2027 dauerhaft ausstellen werde.

»Und nu?« möchte man da schulterzuckend maunzen. Was soll sich schon Aufregendes darunter befinden: Bücher, Pfeifen, Bartkämme? Ja, Bücher und Pfeifen wurden tatsächlich aus dem Grass’schen Anwesen in Behlendorf überführt. Aber eben auch dies: »Carl Manzey zeigt auf eine goldfarbene Dose, in der bräunliche plattgetretene Klumpen liegen. ›Man könnte denken, es seien Bonbons‹, sagt er. ›Aber nein. Es sind Frösche.‹«
Es ist wahr, der größte aller Großschriftsteller hat mumifizierte Amphibien gehortet. Auf dem Foto in dem Artikel, das eine Auswahl der neuerworbenen Exponate zeigt, sieht man außerdem einen stolz vom Museumsleiter hochgehaltenen Elchschädel, versteinerte Ammoniten, Tierzähne, Pinsel sowie einen Krug voller Vogelfedern. Letztere stammen von Möwen und wurden, wie der Text verrät, von Grass persönlich am Strand aufgelesen und zum Malen verwendet. Mit den in Fülle hinterlassenen runtergebrannten Streichhölzern wiederum pflegte er sich Notizen in seiner Lektüre zu machen (»Da er häufig die Pfeife genutzt hat und die immer wieder ausgegangen ist, hat er die abgebrannten Streichhölzer auch als Lesezeichen benutzt« – besser als platte Frösche!), zudem scheint der Künstler gern in der Küche tätig gewesen zu sein, ist uns doch dankenswerterweise auch »seine Kochmütze mit eingetrockneten Flecken« erhalten geblieben.

»Sogar die Minibar wurde inventarisiert. Darin befanden sich noch Flaschen mit Obstbrand, Whiskey und Wein. Dahinter waren Mon Chéri versteckt, sagt Manzey.« Was für eine Vorstellung: Günter Grass, genüsslich eine Likörpraline schmatzend, während er Möwenschiss aus der Kochmütze prokelt. Muss die Literaturgeschichte umgeschrieben werden? Vielleicht; zumindest sobald auch der Rest der Kollektion öffentlich zugänglich gemacht wird: »Es habe auch Dinge gegeben, die zu privat seien, um sie auszustellen.«

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

TITANIC-Hingehbefehl:

Bild von Mark Stefan Tietze mit glitzerndem USA-Hut 
Text: 03.03.26 
20:00 Uhr im Club Voltaire
TITANIC-Lesung mit Mark-Stefan Tietze (Opens in a new window)

Die endgültige Satirelesung im Club Voltaire

Im Märzen TITANIC ermüdet entspannt.
Sie setzt ihre Pointen und Gags in den Sand.
Sie »ackert« in Teilzeit, ihr ist’s einerlei,
und regt ihren Bregen bis höchstens um drei.

Die Photoshop-Farben, die nimmt sie zur Hand
und pinselt das Heftchen in knallbunten Stand;
auch streckt sie die Seiten mit Anzeigenscheiß
und spart sich so Arbeit, und Mühe, und Fleiß.

Mit Laura Brinkmann, Torsten Gaitzsch, Sebastian Maschuw, Leo Riegel, Daniel Sibbe und Stargast Mark-Stefan Tietze

Eintritt Abendkasse: 10 € // Ermäßigt: 7 € // Mit Kulturpass Frankfurt: 1 € (nur an der Abendkasse erhältlich)

Mehr Infos (Opens in a new window)

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