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Permakultur fĂŒr Garten und Balkon

Der Garten als vielfĂ€ltiges Ökosystem, das sich weitgehend selbst reguliert und zugleich eine beeindruckende Ernte ermöglicht, fasziniert immer mehr Menschen. Permakultur greift diese Idee auf und reicht ĂŒber klassisches Bio-GĂ€rtnern hinaus, denn sie fördert stabile, anpassungsfĂ€hige Strukturen, die im Einklang mit natĂŒrlichen Prozessen funktionieren und dadurch eine hohe ProduktivitĂ€t erreichen. Ein Blick auf dieses Prinzip kann dir Anregungen liefern, wie du dein nĂ€chstes Garten- oder Balkonjahr nach dem Winter mit frischen Impulsen gestalten kannst!

Permakultur und Waldgarten sind etwas, das mich sehr beschĂ€ftigt und das ich versuche, in meinen GĂ€rten (ja, auch im Dachgarten) umzusetzen. Ich werde hier jetzt ein paar Themen anreißen, damit du eine grobe Übersicht kriegst. Permakultur kann man erschöpfend besprechen, und ich werde mich auf jeden Fall in der Zukunft einzelnen Aspekten noch einmal genauer als hier im Artikel widmen. Mischkultur hingegen lasse ich hier raus, denn dazu gibt es ja schon einen großen Artikel und das e-Book fĂŒr Mitglieder. Das ist aber ein super wichtiger Aspekt bei Permakultur, denn Mischkulturen sind natĂŒrlich viel resilienter als Monokulturen.

https://steady.page/de/hortarium/posts/a0a81122-1795-4232-9412-7b4ce263b4ef (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Also steigen wir mal in eine EinfĂŒhrung in die Permakultur ein. Ich rede erst ein wenig ĂŒber GĂ€rten allgemein, spĂ€ter dann auch noch einmal ĂŒber Balkone im Speziellen. Achtung, es wird etwas lĂ€nger. Los geht’s!

Die Grundprinzipien der Permakultur

Die Permakultur erhielt ihren Namen vom englischen "permanent agriculture", also dauerhafte Landwirtschaft, weil der Boden niemals brach liegt, sondern immer bewachsen bleibt. WĂ€hrend konventionelle GĂ€rten nach der Ernte oft kahl daliegen, wĂ€chst in der Permakultur stĂ€ndig etwas: Hauptkulturen wechseln sich mit GrĂŒndĂŒngung ab, mehrjĂ€hrige Pflanzen bilden das GrundgerĂŒst, und selbst im Winter bedecken Mulch oder winterharte Kulturen den Boden, sodass ein permanenter Kreislauf von Wachstum und Ernte entsteht.

David Holmgren hat zusammen mit Bill Mollison zwölf Grundprinzipien formuliert, die als Kompass fĂŒr jede Permakultur-Gestaltung dienen. Diese Prinzipien lassen sich wunderbar auf deinen Hausgarten oder sogar den Balkon ĂŒbertragen. Gehen wir rein:

1. Beobachte und handle

Bevor du den Spaten ansetzt, nimmst du dir erstmal ein wenig Zeit. Du beobachtest deinen Garten oder Balkon, schaust, wo die Sonne hinwandert, wo sich Wasser sammelt, welche Ecken windgeschĂŒtzt bleiben und wo der Boden besonders trocken oder feucht ist. Diese Beobachtungsphase dauert idealerweise ein ganzes Jahr, denn nur so erfasst du alle Jahreszeiten mit ihren spezifischen Bedingungen – außerdem merkst du ja erst dann, wo was aus dem Boden herauskommt, oder? Du notierst dir also, wo im MĂ€rz die ersten Krokusse aus dem Boden schlĂŒpfen, wo im Hochsommer der Boden rissig wird und welche Bereiche im Herbst unter Laub versinken. Aus diesen Beobachtungen leitest du dann konkrete Handlungen ab: Den sonnenverwöhnten SĂŒdhang nutzt du fĂŒr leckere mediterrane KrĂ€uter und Tomaten, die feuchte Senke verwandelst du in eine Sumpfzone mit Minze und MĂ€desĂŒĂŸ.

2. Sammle und speichere Energie

In deinem Garten bedeutet das vor allem: Fange Sonnenlicht ein, sammle Wasser und NĂ€hrstoffe, bevor sie verloren gehen, ist ja alles wertvoll. Regentonnen sammeln das kostbare Nass vom Dach und direkt vom Himmel, die Komposthaufen verwandeln KĂŒchenabfĂ€lle in Humus, und dichte Bepflanzungen nutzen jeden Sonnenstrahl zur Photosynthese. Du kannst auch WĂ€rme speichern, indem du beispielsweise dunkle Steine zwischen die Tomatenpflanzen legst (aber nicht direkt unter die Pflanze auf den Wurzelbereich). Sie heizen sich tagsĂŒber auf und geben nachts WĂ€rme ab, was das Mikroklima verbessert und die Saison auch ein bisschen nach hinten rausziehen kann. Jede Ressource, die du speicherst, steht dir spĂ€ter zur VerfĂŒgung, wenn gerade mal wieder Trockenheit herrscht oder die Pflanzen NĂ€hrstoffe brauchen.

3. Erwirtschafte einen Ertrag.

Das dritte Prinzip fordert dich auf, in deinem Garten oder auf deinem Balkon einen Ertrag zu erzielen. Permakultur bedeutet eben vor allem produktives GĂ€rtnern. Dein Garten soll dich ernĂ€hren, aber auch die Tierwelt versorgen. Du erntest Tomaten, Salat und Beeren fĂŒr die KĂŒche, wĂ€hrend Vögel sich an Holunderbeeren bedienen und Insekten Nektar aus BlĂŒten schnabulieren – win-win! Der Ertrag zeigt sich auch in weniger offensichtlichen Formen, also wenn du beispielsweise eher Typ Ziergarten bist: Ein dichter Bewuchs kĂŒhlt im Sommer, Hecken bieten Windschutz, und der Anblick blĂŒhender Beete nĂ€hrt deine Psyche, denn das macht halt echt gute Laune. Eine Benjeshecke bietet gleichzeitig Lebensraum fĂŒr Zaunkönige, verwertet Schnittgut und dient als Windschutz fĂŒr dahinterliegende Beete. Du gestaltest dein Eckchen Natur deshalb so, dass möglichst viele Elemente mehrfachen Nutzen bringen.

4. Nutze Selbstregulation und lerne aus dem Feedback.

Das vierte Prinzip lĂ€dt dazu ein, auf Selbstregulation zu vertrauen und aufmerksam wahrzunehmen, was der Garten zurĂŒckmeldet. Mit der Zeit entsteht ein GefĂŒge, das sich selbst recht gut in Balance hĂ€lt (das geht aber nicht von heute auf morgen). MarienkĂ€fer reduzieren BlattlĂ€use, Vögel nehmen sich der Raupen an, und robuste Pflanzen begrenzen sich gegenseitig, ohne dass du viel eingreifen musst. Erst wenn das Gleichgewicht kippt oder schon gestört ist, lohnt sich ein Eingriff von außen. Die Hinweise kommen direkt aus deinem Garten, er gibt dir also quasi Feedback. Bleibt eine Ecke karg, bekommt der Boden zunĂ€chst Pflege und darf sich erholen, bevor du es dort neu versuchst. Nimmt eine Art zu viel Raum ein, lĂ€sst sich ihre Ausbreitung durch dichteres Setzen anderer Pflanzen oder gelegentliches Auslichten lenken. Du wirst nach und nach viele kleine RĂŒckmeldungen bemerken, die dir zeigen, was gut lĂ€uft und wo eine Änderung sinnvoll wĂ€re.

5. Nutze erneuerbare Ressourcen und Leistungen

Und das funktioniert so: Du greifst lieber zu Regenwasser, wenn es verfĂŒgbar ist, und gibst deinem Boden lieber Kompost als rasch wirkende MineraldĂŒnger. FĂŒr das Mulchen wĂ€hlst du, was der Garten ohnehin hervorbringt, etwa Rasenschnitt, Laub oder anderes organisches Material, das sich gut fĂŒr eine schĂŒtzende Mulchschicht eignet. Investiere am besten in etwas bessere GartengerĂ€te, die sich gut reparieren lassen, und aus krĂ€ftigen Pflanzen nimmst du das (samenfeste) Saatgut einfach selbst mit in die nĂ€chste Saison. Auch die AblĂ€ufe im Garten selbst folgen diesem Gedanken: Wasser findet seinen Weg allein hangabwĂ€rts zu den Beeten, RegenwĂŒrmer sorgen fĂŒr lockere Erde, und der Mulch hĂ€lt Konkurrenz im Zaum, sodass deine Arbeit leichter wird und der Garten zugleich natĂŒrlicher funktioniert.

6. Produziere keinen Abfall

Das sechste Prinzip lĂ€dt dich dazu ein, “MĂŒll” gar nicht erst entstehen zu lassen. In einem Permakultur-Garten verliert der Begriff fast seine Bedeutung, weil jedes Material in einen neuen Kreislauf wandert. KĂŒchenreste verwandeln sich im Kompost zu frischer Erde, Rasenschnitt wird zu einer schĂŒtzenden Mulchschicht, Astwerk bildet den Grundstock fĂŒr Benjeshecken oder fĂŒr neue Hochbeete, und herabgefallenes Laub wird zu einem geschĂŒtzten Platz fĂŒr Igel, Molche, Insekten und andere kleine Gartenfreunde. Auch Dinge, die auf den ersten Blick nutzlos erscheinen, bekommen eine neue Aufgabe in deinem Permakulturgarten: Alte Ziegelsteine finden sich als Nisthilfen fĂŒr Insekten wieder, zersprungene Tontöpfe dienen als Drainage in PflanzgefĂ€ĂŸen, und ĂŒberzĂ€hlige Pflanzen gehen an Menschen in der Nachbarschaft, die sich darĂŒber freuen. So verbinden sich die einzelnen KreislĂ€ufe zu einem Ganzen, in dem jedes Ende zugleich ein neuer Anfang ist. Klingt gut, oder?

7. Gestalte vom Muster zum Detail

Klingt etwas sperrig, meint aber eigentlich etwas ganz Simples. Wenn du deinen Garten neu anlegst oder umgestalten willst, beginnst du mit dem großen Ganzen: Wo verlaufen kĂŒnftige Wege, wo liegen Beete, wo stehen BĂ€ume? Erst dann kĂŒmmerst du dich um Einzelheiten wie die Pflanzenauswahl oder die schönsten Steine fĂŒr die Gartenwege. Dabei orientierst du dich an Mustern aus der Natur: Spiralen, Wellen, Verzweigungen. Ein spiralförmiges KrĂ€uterbeet bietet auf kleinstem Raum verschiedene Mikroklimata, von trocken und sonnig oben bis feucht und schattig unten. Solche Muster sind nicht nur Ă€sthetisch, sondern auch funktional, weil sie verschiedene Nischen schaffen, und das eben auf kleinem Raum. So kann man sogar aus kleinen GĂ€rten oder Balkonen richtig viel rausholen!

8. Integrieren statt isolieren

Jedes Element in deinem Garten sollte mehrere Verbindungen zu anderen Elementen haben. Solltest du beispielsweise das grße GlĂŒck haben, HĂŒhner halten zu können (mein Traum!): Sie fressen junge Schnecken aus den Beeten, ihr Mist dĂŒngt den Boden und ist auch super fĂŒr deinen Kompost, welcher wiederum ebenfalls die Beete nĂ€hrt. BĂ€ume spenden Schatten fĂŒr dich und Pflanzen, die etwas sonnenscheu sind, ihre BlĂ€tter mulchen im Herbst die Beete, und ihre Wurzeln lockern den Unterboden. Du denkst also bei diesem Prinzip in Beziehungen: Welche Pflanzen unterstĂŒtzen einander? Welche Tiere profitieren voneinander? Diese Vernetzung macht das System stabil und widerstandsfĂ€hig.

9. Setze auf kleine und langsame Lösungen

Das neunte Prinzip richtet den Blick auf kleine Schritte und langsame Entwicklungen. Statt den gesamten Garten in kurzer Zeit umzugestalten, fĂ€ngst du eher erst einmal mit einem kleineren Bereich an, der gut zu ĂŒberblicken ist. Solche ĂŒberschaubaren Strukturen lassen sich einfacher beobachten und behutsam anpassen, was ein viel besseres VerstĂ€ndnis fĂŒr das GelĂ€nde entstehen lĂ€sst. Langsames Wachstum bringt eine besondere Form von StabilitĂ€t mit sich. Ein Garten, der sich ĂŒber mehrere Jahre entfaltet, verbindet sich viel stĂ€rker mit seinem Standort als ein Projekt, das innerhalb weniger Wochen fertig sein soll. ObstbĂ€ume kommen als junge Pflanzen in die Erde und dĂŒrfen sich in ihrem eigenen Tempo ausbreiten. Hecken dĂŒrfen ihre Form selbst finden, und Bodenverbesserungen wirken eben auch nicht von heute auf morgen, sondern brauchen etwas Zeit. Bei dem Prinzip geht es auch darum, Ressourcen zu schonen, Risiken klein zu halten und frĂŒhzeitig aus Erfahrungen zu lernen. Kleine Maßnahmen lassen sich korrigieren, bevor sie zu großen Problemen anwachsen, und viele kleine Erfolge bauen ein langfristiges, widerstandsfĂ€higes System auf, außerdem macht das halt viel mehr Spaß.

10. Nutze und schÀtze Vielfalt

BiodiversitĂ€t macht deinen Garten widerstandsfĂ€hig und stark. Viele verschiedene Pflanzenarten bedeuten unterschiedliche BlĂŒhzeiten, verschiedene Wurzeltiefen, diverse NĂ€hrstoffansprĂŒche. Wenn eine Art ausfĂ€llt, springen andere ein, ohne, dass gleich eine ganze Ecke abschmiert. Du mischst Obstsorten, kombinierst einjĂ€hrige mit mehrjĂ€hrigen Pflanzen und integrierst heimische Wildpflanzen. Auch alte Sorten bringen Vielfalt: Sie haben oft vergessene Eigenschaften wie eine ganz besondere WiderstandsfĂ€higkeit oder eben besondere Aromen. Diese Vielfalt in deinem Garten sollte sich auf alle Ebenen erstrecken: Pflanzen, Tiere, Strukturen, Methoden. Tob dich richtig aus und experimentiere ein bisschen!

11. Nutze Randzonen und schÀtze Marginales

Die interessantesten Prozesse finden eigentich immer dort statt, wo zwei Systeme aufeinandertreffen: am Waldrand, wo Licht auf Schatten trifft, am Teichrand, wo Wasser auf Land trifft, am Beetrand, wo GemĂŒse auf Rasen oder Zierpflanzen trifft. Diese Übergangszonen sind hĂ€ufig besonders artenreich, und in deinem Permakulturgarten gestaltest du sie bewusst: Schaffe ÜbergĂ€nge zwischen hohen BĂ€umen und niedrigen Stauden durch StrĂ€ucher, lass sich GemĂŒse- und Blumenbeet mischen (dass ich ein Fan von Mischkultur (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) bin, weißt du ja eh, oder?). Je mehr Randzonen du schaffst, desto mehr Lebensraum und InteraktionsflĂ€chen bietest du.

12. Reagiere kreativ auf VerÀnderung

Das letzte Prinzip lĂ€dt dich ein, VerĂ€nderungen als Impulse zu nutzen. Ein Garten und auch ein Balkon bleiben nie gleich. BĂ€ume wachsen und werfen mehr Schatten, Stauden wandern durch die Beete oder KĂŒbel, und das Klima entwickelt neue Muster 
 leider, ehem. Du greifst diese VerĂ€nderungen auf und suchst nach Ideen, die daraus entstehen können. Wirft ein Baum inzwischen deutlich mehr Schatten, setzt du auf Pflanzen, die sich dort wohlfĂŒhlen, etwa Farne oder Waldstauden. HĂ€ufen sich Starkregenereignisse, modellierst du kleine Mulden, die Wasser aufnehmen und langsam an den Boden abgeben. Du bleibst aufmerksam, reagierst direkt auf neue Bedingungen und entwickelst deine Gestaltung gemeinsam mit dem GelĂ€nde weiter. Diese FlexibilitĂ€t stĂ€rkt deinen Garten und hilft ihm, so robust wie möglich in die Zukunft zu wachsen. Außerdem ist es, so finde ich, schön, wenn ein Garten nie fertig ist. Er wĂ€chst mit uns mit, und das ist eine tolle Sache!

Gartenplanung und Design

Die Planung eines Permakulturgartens beginnt lange bevor du den ersten Spatenstich setzt. Wie ich weiter vorn schon erwĂ€hnt habe, startet sie mit einer intensiven Beobachtungsphase, die idealerweise ein volles Jahr umfassen sollte. Beginne damit, dir einen Campingstuhl zu schnappen und dich zu verschiedenen Tageszeiten an unterschiedliche Stellen deines Gartens zu setzen. In dieser Zeit lernst du die einzigartigen Charakteristika deines GrundstĂŒcks oder deines Balkons kennen: Wo sammelt sich nach RegenfĂ€llen das Wasser? Welche Bereiche liegen morgens im Schatten und welche brutzeln in der vollen Nachmittagssonne? Wie verĂ€ndert sich der Schattenwurf der BĂ€ume und GebĂ€ude im Jahresverlauf? Diese Beobachtungen bilden das Fundament fĂŒr alle weiteren Entscheidungen.

WĂ€hrend du beobachtest, fertigst du eine detaillierte Bestandsaufnahme an. Miss die genauen Dimensionen deines Gartens, dokumentiere HĂŒtten und Schuppen. Die Bodenerkundung fĂŒhrst du auch quasi mit allen Sinnen durch. Nimm eine Handvoll Erde und zerreibe sie zwischen deinen Fingern. Sandiger Boden rieselt durch deine Finger und fĂŒhlt sich körnig an, er speichert kaum Wasser, erwĂ€rmt sich aber schnell und eignet sich prima fĂŒr mediterrane KrĂ€uter. Lehmiger Boden lĂ€sst sich zu einer Wurst rollen und klebt an deinen HĂ€nden. Er speichert NĂ€hrstoffe und Wasser hervorragend, neigt aber zu StaunĂ€sse, und nicht alle Pflanzen mögen nasse FĂŒĂŸe. Du grĂ€bst mehrere Probenlöcher von etwa 40 Zentimetern Tiefe und beobachtest die Schichtung. Vielleicht stĂ¶ĂŸt du auf eine verdichtete Lehmschicht, die das Wurzelwachstum behindert, oder du findest eine alte Bauschuttschicht, die erklĂ€rt, warum an dieser Stelle bisher nichts richtig wachsen wollte. So sparst du dir Arbeit und Geld, denn dann weißt du direkt, was funktionieren kann und was nicht. Ein einfacher pH-Test aus dem Gartencenter verrĂ€t dir außerdem, ob dein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Die meisten GemĂŒsepflanzen bevorzugen einen leicht sauren bis neutralen Bereich zwischen 6,0 und 7,0. Ist dein Boden arg sauer, was oft in Nadelwald- oder MoornĂ€he der Fall ist, kannst du mit Kalk gegensteuern. Bei zu alkalischen Böden hilft die Einarbeitung von Kompost und organischem Material.

Notiere dir in deinem Plan zudem die vorhandene Pflanzen und ĂŒberlege, welche neuen Pflanzen du integrieren kannst. Selbst vermeintliches “Unkraut” (wir wissen ja, ich hasse das Wort) wie Brennnesseln zeigt dir wertvolle Informationen ĂŒber die BodenqualitĂ€t und kann spĂ€ter als Mulchmaterial oder fĂŒr Jauchen verwendet werden. Über dieses Prinzip der Zeigerpflanzen habe ich hier schon einmal geschrieben» (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre).

Die Zonen deines Gartens

Ein wichtiges Prinzip bei Permakultur ist die Zonierung. Stell dir deine tÀglichen Wege wie unsichtbare Trampelpfade vor, die sich durch deinen Garten ziehen.

Zone 1 umfasst den Bereich, den du mehrmals tĂ€glich durchquerst, meist der Weg zwischen HaustĂŒr und Gartentor, oder der Bereich ums KĂŒchenfenster oder die Terrasse, wo du deinen Morgenkaffee trinkst. Hierher gehören all die Pflanzen, die stĂ€ndige Aufmerksamkeit brauchen oder die du spontan ernten möchtest. Die KrĂ€uterspirale direkt neben der KĂŒchentĂŒr ermöglicht es dir, beim Kochen schnell ein paar Zweige Rosmarin zu schneiden. Das FrĂŒhbeet mit empfindlichen Jungpflanzen platzierst du so, dass du es vom KĂŒchenfenster aus sehen kannst, denn so vergisst du nie das wichtige LĂŒften an sonnigen FrĂŒhlingstagen. Und ja, das klappt auch auf einem Balkon oder Dachgarten. So sieht quasi die Zonierung in meinem Dachgarten aus, allerdings habe ich sozusagen nur Zone 1-3, denn ich habe keinen Bereich, den ich seltener als einmal pro Woche benutze. So hochherrschaftlich wohne ich dann doch nicht, ehem:

In Zone 1 sind meine KĂŒchenkrĂ€uter und ein paar Blumen, außerdem eher empfindliches Obst/GemĂŒse. In Zone 2 das meiste GemĂŒse, in Zone 3 keine Nutzpflanzen, nur Zierpflanzen, Komposter, GartengerĂ€te und Ă€hnliches.

Zone 2 erreichst du bei deinen gezielten GartenrundgĂ€ngen, beispielsweise jeden zweiten Tag. Auf dem Balkon vermutlich öfter ;). Hier kultivierst du deine HauptgemĂŒsebeete mit Kohl, Möhren und Zwiebeln. Der Komposthaufen findet hier auch oft seinen Platz, denn dann ist er nah genug, dass der Weg mit der vollen SchĂŒssel KĂŒchenabfĂ€lle ertrĂ€glich bleibt, aber auch weit genug entfernt, dass eventuelle GerĂŒche nicht stören. Wichtig: Den Komposter nicht direkt an einen Holzschuppen oder an eine Holzfassade stellen, denn KompostbrĂ€nde sind eine echte Gefahr, und wenn der dann direkt in Kontakt mit einem HolzgebĂ€ude ist, Ă€h ja. Will man nicht. Lass also etwas Abstand.

Zone 3 besuchst du wöchentlich oder noch seltener. Schön ist es, wenn BeerenstrĂ€ucher den Weg zu dieser Zone sĂ€umen, sodass du beim Durchgehen naschen kannst. Hier stehen deine ObstbĂ€ume, hier wĂ€chst der KĂŒrbis ĂŒber den alten Komposthaufen, hier breiten sich die Kartoffeln schön aus. Diese Pflanzen kommen weitgehend allein zurecht und benötigen nur gelegentliche Eingriffe wie die Obsternte oder das AnhĂ€ufeln der Kartoffeln, oder eben Gießen, wenn es wirklich lange trocken ist.

In Zone 4 greifst du nur minimal ein. Eine Wildblumenwiese macht sich hier gut, Staudenbeete mit unkomplizierten Stauden. HaselnussstrĂ€ucher und HolunderbĂŒsche wachsen wie in der freien Natur, WildobstbĂ€ume mögen es hier auch. Du sammelst hier Brennnesseln fĂŒr Jauche und lĂ€sst Totholzhaufen als Unterschlupf fĂŒr Igel und KĂ€fer liegen.

Zone 5 bleibt vollkommen sich selbst ĂŒberlassen, und bei mir kennst du das als Frogland. Selbst wenn dein Garten klein ist, kannst du eine wilde Ecke schaffen, sei es nur ein Quadratmeter unter der alten Eiche, wo du niemals Laub entfernst und die Natur machen lĂ€sst. In meinem Frogland wohnen die ganzen Frösche und Molche, außerdem viele Insekten, die man in natĂŒrlichen Feuchtwiesen findet:

Mittlerweile habe ich da noch WildstrÀucher an den RÀndern gepflanzt, mal schauen, wie es sich entwickelt, dann gibt es ein Update.

Weitere StandorteinflĂŒsse

Die Zonen sind gestaltbare Bereiche deines Gartens. Parallel dazu analysierst du die anderen (temporĂ€ren) EinflĂŒsse, die auf deinen Garten einwirken. In der Permakultur bezeichnet man das als Sektoren. Stelle dich an einem windigen Tag in deinen Garten und spĂŒre, aus welcher Richtung der Wind hauptsĂ€chlich weht. In den meisten Gegenden Mitteleuropas kommt er aus Westen oder SĂŒdwesten. Diese Windrichtung bestimmt, wo du windempfindliche Pflanzen wie Tomaten schĂŒtzen musst und wo du robuste Windbrecher wie eine Weißdornhecke pflanzt.

Die Sonneneinstrahlung bildet einen weiteren wichtigen Sektor. Im Sommer steht die Sonne mittags hoch am Himmel und wirft kurze Schatten. Im Winter hingegen steht sie flach und selbst niedrige ZĂ€une oder StrĂ€ucher werfen lange Schatten. Du dokumentierst diese VerĂ€nderungen, indem du zu verschiedenen Jahreszeiten Fotos von denselben Standpunkten machst. So erkennst du, welche Bereiche ganzjĂ€hrig sonnig sind – ideal fĂŒr beispielsweise ein GewĂ€chshaus – und welche im Sommer Sonne bekommen, aber im Winter im Schatten liegen.

Auch die menschlichen EinflĂŒsse kartierst du als Sektoren. Wo haben Nachbarinnen und Nachbarn Einblick in deinen Garten? An diesen Stellen schaffst du vielleicht eine blĂŒhende Sichtschutzhecke aus Johannisbeeren und Felsenbirne. Wo dringt StraßenlĂ€rm ein? Hier pflanzt du eine dichte, immergrĂŒne Hecke aus beispielsweise Eiben, die ganzjĂ€hrig Schall schluckt. Wo könnten Katzen eindringen und in deinen GemĂŒsebeeten scharren? Diese ZugĂ€nge sicherst du mit stacheligen Berberitzen oder Wildrosen.

Die WasserfĂŒhrung planst du als Kreislaufsystem, in dem jeder Tropfen mehrfach genutzt wird. Regenwasser vom Hausdach leitest du ĂŒber Dachrinnen in große Regentonnen oder, noch besser, in eine unterirdische Zisterne, falls du sowas hast oder so etwas möglich ist. Von dort fĂŒhrst du es ĂŒber Schwerkraft oder eine kleine Pumpe zu den GemĂŒsebeeten. ÜberschĂŒssiges Wasser leitest du in sogenannte Swales – das sind flache Mulden, die entlang der Höhenlinien deines GrundstĂŒcks verlaufen.

Stell dir vor, du legst ein Seil quer zum Hang so aus, dass es ĂŒberall auf gleicher Höhe bleibt. Entlang dieser Linie grĂ€bst du eine flache Rinne, etwa 30 Zentimeter breit und 15 Zentimeter tief. Bei Regen fĂŒllt sich diese Mulde mit Wasser, das dann langsam im Boden versickert. Der Aushub hĂ€ufst du hangseitig zu einem kleinen Wall auf, den du mit tief wurzelnden Pflanzen wie Beinwell oder ObstbĂ€umen bepflanzt. Diese profitieren vom gespeicherten Wasser.

Am tiefsten Punkt deines Gartens legst du einen Teich an. Er muss gar nicht groß sein, schon eine alte Badewanne oder ein großer MörtelkĂŒbel, eingegraben und mit Seerosen bepflanzt, schafft ein wertvolles Biotop. Über Miniteiche haben wir ja schon hier» gesprochen. (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)Das Wasser reflektiert Sonnenlicht auf nahestehende Pflanzen, erhöht die Luftfeuchtigkeit und lockt Libellen an, die MĂŒcken jagen. Um den Teich herum entsteht ein Mikroklima, in dem Feuchtigkeit liebende Pflanzen wie Minze und Brunnenkresse gedeihen.

Deine Beete im Permakulturgarten

Die Beetgestaltung löst sich von geraden Linien und rechten Winkeln. In der Natur findest du ja auch keine schnurgeraden Kanten, und das hat gute GrĂŒnde. Geschwungene, wellenförmige BeetrĂ€nder schaffen mehr Randzone, ein gewellter Beetrand von drei Metern LĂ€nge kann leicht eine tatsĂ€chliche RandlĂ€nge von vier oder fĂŒnf Metern haben. Mehr Rand bedeutet mehr Platz fĂŒr verschiedene Mikroklimata und mehr Nischen fĂŒr unterschiedliche Pflanzen.

Das SchlĂŒssellochbeet verkörpert diese Designprinzipien perfekt. Du formst ein rundes oder ovales Beet mit einem Durchmesser von etwa drei Metern und sparst in der Mitte einen schmalen Zugang aus, der wie ein SchlĂŒsselloch aussieht. So erreichst du jeden Punkt des Beetes, ohne reintrampeln zu mĂŒssen. Der Boden bleibt so unverdichtet, die Bodenlebewesen unzerquetscht. Im Zentrum des SchlĂŒssellochbeets (also in der Erde, nicht da, wo du stehst) platzierst du einen Kompostkorb aus Weidenzweigen oder Maschendraht. Hier wirfst du wĂ€hrend der Gartensaison KĂŒchenabfĂ€lle und GrĂŒnschnitt hinein. Die NĂ€hrstoffe sickern direkt zu den umgebenden Pflanzen, RegenwĂŒrmer wandern zwischen Kompost und Beet hin und her. SchlĂŒssellochbeete funktionieren ĂŒbrigens auch wunderbar als Hochbeete, so kommt man ĂŒberall gut dran, und dennoch steht alles kompakt beinander:

Die Konstruktion eines HĂŒgelbeetes hingegen lĂ€uft etwas anders ab. Der österreichische Permakultur-GĂ€rtner Sepp Holzer hat das Konzept bei uns bekannt gemacht. Du beginnst mit einer 60 Zentimeter breiten und 30 Zentimeter tiefen Mulde, die du aushebst. Die ausgehobene Erde legst du beiseite. In die Mulde schichtest du zuerst grobes Totholz: dicke Äste, alte BaumstĂ€mme, verrottete (unbehandelte) ZaunpfĂ€hle, was auch immer. Dieses Material speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es ĂŒber Jahre langsam ab. DarĂŒber packst du dĂŒnnere Zweige, Reisig und Strauchschnitt. Diese Schicht kann dann etwa 40 Zentimeter hoch sein.

Umgedrehte Grassoden (falls du welche hast und loswerden willst) legst du mit der GrasflĂ€che nach unten auf das Reisig. Das Gras verrottet und setzt Stickstoff frei, wĂ€hrend die Wurzeln und die anhaftende Erde Struktur geben. Eine 20 Zentimeter dicke Schicht aus Laub, Stroh und halbverrottetem Kompost folgt. Diese Materialien zersetzen sich schneller und liefern mittelfristig NĂ€hrstoffe. Den krönenden Abschluss bildet eine Mischung aus der beiseite gelegten Erde und reifem Kompost, etwa 15 bis 20 Zentimeter stark, worauf dann natĂŒrlich auch der Mulch deiner Wahl landet (ich schmeiße ja wirklich einfach alles drauf, vor allem KohlblĂ€tter sind toll, die haben viele NĂ€hrstoffe und beschatten die Erde mega gut). Das fertige HĂŒgelbeet ragt nun etwa 80-120 Zentimeter ĂŒber das Bodenniveau, je nachdem, wie sehr du dich ausgetobt hast. Die Verrottungsprozesse im Inneren erzeugen WĂ€rme, die das Beet um zwei bis acht Grad Celsius im Vergleich zur Umgebungstemperatur erwĂ€rmt. Diese WĂ€rme verlĂ€ngert deine Anbausaison um mehrere Wochen in den Herbst oder gar Winter rein. Im ersten Jahr setzt die intensive Zersetzung große Mengen Stickstoff frei, weshalb du da am besten Starkzehrer wie KĂŒrbisse, Zucchini oder Tomaten pflanzt. Im zweiten und dritten Jahr folgen Mittelzehrer wie Möhren und Salate, spĂ€ter Schwachzehrer wie KrĂ€uter und HĂŒlsenfrĂŒchte. Du wirst merken, dass das Beet bald in sich zusammenfĂ€llt, du kannst es jedoch immer wieder neu aufschichten.

Das Coole am HĂŒgelbeet sind halt vor allem die Mikroklimata. Die SĂŒdseite erwĂ€rmt sich schnell und trocknet zĂŒgig ab. Hier gedeihen mediterrane KrĂ€uter wie Thymian, Oregano und Lavendel richtig gut. Sie profitieren von der guten Drainage und der intensiven Sonneneinstrahlung, außerdem mögen die ja nasse FĂŒĂŸe nicht so gern. Die Nordseite bleibt kĂŒhler und feuchter. Feldsalat, Spinat und Rucola fĂŒhlen sich hier wohl und schießen langsamer in die BlĂŒte. Die Kuppe des HĂŒgels trocknet am schnellsten aus, hier pflanzt du trockenheitstolerante Arten wie Borretsch oder Ringelblumen. Am Fuß des HĂŒgels sammelt sich Feuchtigkeit, perfekt fĂŒr Sellerie, Mangold oder Brunnenkresse, die ein wenig feuchtere Wurzeln mögen.

Das Kraterbeet hingegen stellt das Gegenteil des HĂŒgelbeetes dar und eignet sich gut fĂŒr eher trockene Standorte. Du grĂ€bst eine Mulde von etwa einem Meter Durchmesser und 30 Zentimetern Tiefe. Den Aushub formst du zu einem Wall rund um die Mulde. Dieser Wall schĂŒtzt vor Wind und sammelt Regenwasser, das in die Mulde lĂ€uft. Im geschĂŒtzten Krater entsteht ein feuchtwarmes Mikroklima. WĂ€rmeliebende und durstigere Pflanzen wie Melonen oder Gurken profitieren von der Windstille und der gesammelten Feuchtigkeit. Der Wall bepflanzt du mit trockenheitsresistenten KrĂ€utern oder Erdbeeren, deren FrĂŒchte dann auch sauber ĂŒber den Rand hĂ€ngen, sodass sie nicht mit dem Boden verkleben und schimmeln. Das hatte ich ja schon einmal skizziert:

MandalagĂ€rten vereinen Ästhetik mit FunktionalitĂ€t und sind so DIE Sache, die Leute mit Permakultur assoziieren. Du legst ein kreisrundes Beet an, das du durch Wege in tortenstĂŒckförmige Segmente unterteilst. Die Wege fĂŒhren sternförmig von einem zentralen Punkt nach außen. In der Mitte platzierst du ein besonderes Element: einen Rosenstock, eine KrĂ€uterspirale oder einen kleinen Teich, eine kleine Bank, je nachdem, worauf du Lust hast. Jedes Segment bepflanzt du nach einem anderen Thema: ein Segment fĂŒr KĂŒchenkrĂ€uter, eines fĂŒr TeekrĂ€uter, eines fĂŒr WĂŒrzkrĂ€uter, eines fĂŒr essbare BlĂŒten, Salate, WurzelgemĂŒse, was auch immer. Die radialen Wege ermöglichen dir, jedes Segment zu erreichen, ohne in die Beete treten zu mĂŒssen. Die geometrische Form erleichtert die Fruchtfolge, du rotierst einfach die Bepflanzung im Uhrzeigersinn. Smart, oder?

Auch die KrĂ€uterspirale verdient besondere Aufmerksamkeit, da sie auf kleinstem Raum verschiedenste Standortbedingungen schafft. Es gibt sogar kleinere Modelle fĂŒr Balkone und Terrassen! Wenn du eine große im Garten bauen willst, geht das so: Du markierst einen Kreis von etwa zwei Metern Durchmesser und legst spiralförmig eine Trockenmauer aus Natursteinen an, die sich zur Mitte hin auf bis zu 80 Zentimeter Höhe windet. Den Innenraum fĂŒllst du mit verschiedenen Substraten: Im oberen, trockenen Bereich mischst du Sand und Schotter unter die Erde fĂŒr mediterrane KrĂ€uter. In der Mitte verwendest du normale Gartenerde fĂŒr Petersilie und Schnittlauch. Am Fuß der Spirale, wo sich Wasser sammelt, schaffst du mit kompostreicher Erde beste Bedingungen fĂŒr Pfefferminze und Brunnenkresse. Die Steine speichern tagsĂŒber WĂ€rme und geben sie nachts ab, was das Mikroklima zusĂ€tzlich beeinflusst. Eidechsen lieben diesen Trick!

Southgeist fĂŒr Wikimedia Commons.
Southgeist fĂŒr Wikimedia Commons.

Terrassenbeete verwandeln auch schwierige Hanglagen in produktive AnbauflĂ€chen. Du grĂ€bst den Hang stufenweise ab und stĂŒtzt jede Terrasse mit Trockenmauern, Holzbohlen oder lebenden Weidenruten ab. Jede Terrasse neigst du leicht nach hinten, damit Regenwasser versickert statt â€œĂŒberzuschwappen” und abzufließen. Die Mauern speichern SonnenwĂ€rme und schaffen windgeschĂŒtzte Nischen. In den Fugen der Trockenmauern siedeln sich Mauerpfeffer, Thymian und andere trockenheitsliebende Pflanzen super gern an. Zauneidechse & Co. finden hier Unterschlupf und jagen andere Tierchen, die du vielleicht nicht unbedingt im Beet haben willst. Die oberste Terrasse, die am meisten Sonne bekommt, kannst du richtig gut fĂŒr Tomaten oder Paprika nutzen. Auf den mittleren Terrassen können dann beispielsweise Salate und Kohl vor sich hin wachsen, die unterste, feuchteste Terrasse beherbergt KĂŒrbisse und Gurken.

Hochbeete aus verschiedenen Materialien erweitern deine Gestaltungsmöglichkeiten, und du weißt ja, was fĂŒr ein Hochbeet-Fan ich bin. Ich benutze welche aus Metall, und das sieht dann so aus:

Äh ja, und wenn die Pflanzen in der Mischkultur dann so richtig abgehen, auch mal so:

Auch, wenn es nicht so aussieht, aber in der Mitte sind 6 Hochbeete beerdigt, und dahinter auch nochmal welche. Und davor. Hilfe!

Die richtige Pflege fĂŒr deine Beete

Ich gĂ€rtnere in den Hochbeeten und auch in anderen Beeten ja nach “No Dig”-Prinzip. Du musst nicht zwingend umgraben, wenn du ein neues Beet anlegen willst. Stattdessen bedeckst du den Boden mit einer Schicht Pappe, die Unkraut unterdrĂŒckt und WĂŒrmer anlockt. Darauf schichtest du 20 Zentimeter organisches Material: Kompost, Grasschnitt, Laub, Stroh. Diese Mulchschicht verrottet langsam und verwandelt sich in fruchtbaren Oberboden. Nach drei Monaten kannst du direkt in diese Schicht pflanzen, du kannst aber gern auch oben schon Erde draufpacken und direkt reinpflanzen, ich bin da meist nicht so geduldig. Die Pappe hat sich zersetzt, die WĂŒrmer haben GĂ€nge gegraben, der Boden ist locker und nĂ€hrstoffreich. Diese Methode spart Arbeit und fördert die Bodengesundheit.

Charles Dowding ist quasi der Godfather of No-Dig, und er hat auch einen tollen Youtube-Kanal. Die Videos sind auf Englisch, du kannst dir aber Untertitel einschalten und die auch auf Deutsch ĂŒbersetzen lassen (dafĂŒr nach Anschalten der Untertitel auf das kleine Zahnrad daneben klicken):

https://www.youtube.com/watch?v=0LH6-w57Slw&t=977s (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Es gibt aber auch eine Menge deutscher Youtube-Videos zum Thema, zum Beispiel das hier:

https://www.youtube.com/watch?v=kyCOt2V8DYY (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Ebenfalls wichtig fĂŒr die Pflege deiner Beete: GrĂŒndĂŒngung regeneriert ausgelaugte Böden. Nach der Haupternte sĂ€st du Winterroggen (also 
 im Winter, natĂŒrlich), Senf, Klee oder Buchweizen, je nachdem, worauf du Lust hast und was du brauchst. Diese Pflanzen durchwurzeln den Boden, unterdrĂŒcken Beikraut und locken mit ihren BlĂŒten BestĂ€uber an. Vor der Samenreife mĂ€hst du sie ab (du willst ja nicht, dass sich das alles ĂŒberall ausbreitet) und lĂ€sst das alles als Mulch liegen. Leguminosen wie Lupinen oder Klee reichern deinen mĂŒden Boden mit Stickstoff an. Ihre Wurzeln leben in Symbiose mit Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff binden. Tiefwurzler wie Ölrettich oder Luzerne brechen verdichtete Bodenschichten auf und holen Mineralien aus der Tiefe.

Diese vielfĂ€ltigen Beetformen kombinierst du zu einem harmonischen Gesamtsystem. Die geschwungenen Linien der Beete fĂŒhren das Auge durch den Garten und schaffen ein organisches Gesamtbild. Verschiedene Höhen durch HĂŒgelbeete, Hochbeete und ebenerdige FlĂ€chen erzeugen eine dreidimensionale Struktur, sodass dein Garten nicht einfach nur ein lahmes Viereck ist, in dem viereckige Beete eben auch 
 herumvierecken 
 oder so. Jedes Beet erfĂŒllt bei diesem Design spezifische Funktionen und bietet optimale Bedingungen fĂŒr bestimmte Pflanzengemeinschaften. Die Vielfalt der Formen schafft zahllose Nischen fĂŒr NĂŒtzlinge und erhöht die BiodiversitĂ€t deines Gartens. Mit der Beetgestaltung nach Permakulturprinzipien verwandelst du dein Fleckchen Erde in produktive, lebendige Ökosysteme, die dich mit frischen Lebensmitteln versorgen und gleichzeitig Lebensraum fĂŒr unzĂ€hlige Arten bieten. Und es sieht hĂŒbsch aus. Also ich find’s geil.

Der Balkon wird zum Garten

Die Verwandlung eines Balkons in einen produktiven Permakultur-Minigarten beginnt, wie in einem Garten, mit etwas Detektivarbeit. Morgens wandert die Sonne vielleicht nur kurz ĂŒber die östliche Ecke, wĂ€hrend nachmittags die volle Hitze die Westwand aufheizt. Diese Beobachtungen entscheiden spĂ€ter ĂŒber Erfolg oder Misserfolg deiner Ernte, also schreib es auf. Ein SĂŒdbalkon entwickelt sich im Hochsommer zu einer wahren Herausforderung: Die Steinplatten erreichen Temperaturen von ĂŒber 50 Grad Celsius, die Hauswand wirkt wie ein Heizkörper, der zusĂ€tzliche WĂ€rme abstrahlt. Hier gedeihen nur echte ÜberlebenskĂŒnstler wie Rosmarin, Thymian und spezielle Tomatensorten, die aus heißen Regionen stammen. Der Nordbalkon bietet das komplette Gegenteil: kĂŒhl, schattig, feucht. Salate lieben diese Bedingungen, Spinat wĂ€chst ĂŒppig, und sogar WaldkrĂ€uter wie BĂ€rlauch fĂŒhlen sich wohl. Tomaten allerdings kĂŒmmern hier vor sich hin und produzieren kaum FrĂŒchte.

Auch der Wind spielt auf Balkonen oft eine viel dramatischere Rolle als in geschĂŒtzten GĂ€rten. Zwischen hohen GebĂ€uden beschleunigt sich die Luftströmung zu Windtunneln, oder der Wind peitscht einfach ungebremst drĂŒber, wie bei mir im Dachgarten. Diese Turbulenzen trocknen Pflanzen aus, zerfetzen zarte BlĂ€tter und können Töpfe umwerfen. Die BalkonbrĂŒstung bildet dabei oft die windigste Zone, wĂ€hrend sich in der Ecke zur Hauswand ein geschĂŒtztes Mikroklima entwickelt. Windempfindliche Pflanzen wie Tomaten und Gurken brauchen diesen Schutz, wĂ€hrend robuste mediterrane KrĂ€uter auch exponierte Standorte verkraften.

Jungpflanzen kriegen bei mir MĂŒtzen auf. Der Wind wĂŒrde denen sonst keine Chance lassen. Wie man hier sieht, ist das aber auch super gegen Frost!

Die Statik deines Balkons setzt dir Grenzen, die du respektieren musst. Ein Quadratmeter Balkon trĂ€gt bei einem modernen GebĂ€ude normalerweise 300 bis 500 Kilogramm, Ă€ltere Balkone aber vielleicht nicht unbedingt. Hake da unbedingt bei deinen Vermieter:innen nach, um sicherzugehen, dass du den Balkon nur so belastest, wie er es auch tragen kann. Große PflanzkĂŒbel mit nasser Erde können schnell 50 Kilogramm und mehr wiegen, am besten verteilst du das Gewicht gleichmĂ€ĂŸig und stellst die schwersten GefĂ€ĂŸe nahe der Hauswand oder ĂŒber den tragenden Balkonstreben auf. Leichte Materialien wie Kunststofftöpfe, BlĂ€hton als Drainage und luftige Substrate reduzieren das Gesamtgewicht erheblich. Es gibt sogar extra “leichte Erde” zu kaufen.

Da du auf einem Balkon nicht endlos viel Platz in die Breite hast, erschließt du lieber luftige Höhen! Die begrenzte GrundflĂ€che zwingt uns zum vertikalen GĂ€rtnern. WĂ€hrend am Boden große KĂŒbel mit raumgreifenden Pflanzen wie Tomaten, Zucchini und Paprika stehen, erobern darĂŒber Etagen von Regalen und Pflanzgestellen die Höhe. Alte Europaletten verwandeln sich in vertikale GĂ€rten: hochkant an die Wand gelehnt und mit Vlies ausgekleidet, bieten ihre ZwischenrĂ€ume Platz fĂŒr KrĂ€uter und Salate. Die BalkonbrĂŒstung trĂ€gt außen hĂ€ngende KĂ€sten mit Erdbeeren, wĂ€hrend innen Ampeln mit Cherrytomaten schweben (auch hier: vorher abchecken, ob die BrĂŒstung das ab kann). An gespannten SchnĂŒren, Scherengittern oder BambusgerĂŒsten klettern Erbsen, Stangenbohnen und Gurken empor und bilden einen lebenden Sichtschutz.

Die Wasserversorgung muss natĂŒrlich so effizient wie möglich sein, vor allem, wenn man wie ich eine SĂŒd-West-Ausrichtung hat. Ein automatisches BewĂ€sserungssystem mit TropfschlĂ€uchen und Zeitschaltuhr versorgt deine Pflanzen gleichmĂ€ĂŸig und spart Wasser. Du legst die SchlĂ€uche so, dass das Wasser direkt an die Wurzeln gelangt und nichts verdunstet. Tonkegel, die du in die Erde steckst und mit Wasserflaschen verbindest, geben langsam Feuchtigkeit ab. FĂŒr Kurzurlaube reicht oft schon eine umgedrehte, mit Wasser gefĂŒllte Flasche, in deren Deckel du kleine Löcher gebohrt hast. Ich benutze gern die Kegelvariante:

Auch hier ist Mulch dein Freund, wie du an dem Foto siehst. Mit meiner SĂŒd-West-Ausrichtung brennt die Sonne von morgens bis abends auf meinen Dachgarten, ohne Mulch wĂŒrde ich aus dem Gießen gar nicht mehr rauskommen.

Das Prinzip der KreislĂ€ufe setzt du auch auf dem Balkon konsequent um. Eine Wurmkiste findet auch ganz gut unter der KĂŒchenbank oder in einer (schattigen und regengeschĂŒtzten!!! Wir wollen WĂŒrmer weder grillen noch waterboarden!) Balkonecke Platz. Damit habe ich auch super Erfahrungen gemacht. Die WĂŒrmer verwandeln deine KĂŒchenabfĂ€lle in tollen Kompost und nĂ€hrstoffreichen Wurmtee. Die Kiste riecht bei richtiger Handhabung auch nicht und produziert kontinuierlich DĂŒnger fĂŒr deine Pflanzen (ist ĂŒbrigens auch Klasse fĂŒr Zimmerpflanzen). Kaffeesatz sammelst du fĂŒr sĂ€ureliebende Pflanzen wie Blaubeeren im Topf. Eierschalen zerstĂ¶ĂŸt du zu Pulver und streust sie als KalkdĂŒnger auf die Erde. Wenn ich in der KĂŒche werkle, habe ich immer eine Schale da stehen, in der ich gleich Obst- und GemĂŒsereste fĂŒr den Dachgarten sammle, und wĂ€hrend alles schön köchelt, verteile ich den Kram im Dachgarten oder packe ihn in die Wurmkiste.

Was die Pflanzen angeht, entscheidet die Sortenwahl ĂŒber Erfolg oder Frust. Kompakte Buschtomaten bleiben niedrig und produzieren trotzdem erstaunliche Mengen an FrĂŒchten. Snackgurken klettern platzsparend in die Höhe und bescheren dir knackige Minigurken bis zum Frost. Die Mexikanische Minigurke liebe ich besonders: Diese robuste Kletterpflanze produziert weintraubengroße FrĂŒchte mit zitronenartigem Gurkengeschmack und vertrĂ€gt sogar leichte Fröste. PflĂŒcksalate ermöglichen wochenlange Ernte, da nur die Ă€ußeren BlĂ€tter geerntet werden und das Herz weiterwĂ€chst. Mangold erweist sich als unverwĂŒstlicher Dauerlieferant fĂŒr vitaminreiches BlattgemĂŒse, selbst im Winter.

Auch beim Balkongarten bilden mehrjĂ€hrige Pflanzen das Fundament fĂŒr einen guten Ertrag. Erdbeeren ĂŒberdauern in ihren Töpfen mehrere Winter und tragen jahrelang sĂŒĂŸe FrĂŒchte. KrĂ€uter wie Rosmarin, Salbei und Thymian entwickeln sich zu prĂ€chtigen BĂŒschen, die mit jedem Jahr aromatischer werden. Schnittlauch verschwindet im Winter komplett und treibt im FrĂŒhjahr umso krĂ€ftiger aus. Ein SĂ€ulenobstbaum im großen KĂŒbel liefert echte Äpfel oder Birnen auf minimalem Raum. Ich habe ja auch Zwergobst im Dachgarten, unter anderem den Bonanza-Pfirsich, den ich Fiete getauft habe, und der im FrĂŒhjahr immer total schön blĂŒht:

Diese bestĂ€ndigen Bewohner ergĂ€nzen einjĂ€hrige GemĂŒse, die aus Samen gezogen werden. Mischkulturen funktionieren im Topf auch ganz gut, finde ich. Ein 40-Liter-KĂŒbel beherbergt eine Tomate im Zentrum, umgeben von Basilikum, was perfekt zu Tomatengerichten passt. Am Topfrand wachsen Tagetes, deren Wurzelausscheidungen die Pflanzen stressende Bewohner wie Nematoden vertreiben. Zum Thema Mischkultur habe ich ja auch fĂŒr Balkone schon einiges geschrieben, deshalb gehe ich jetzt hier nicht ins Detail. Das Wichtigste ist einfach: In BalkonkĂ€sten maximierst du den knappen Raum durch geschickte Kombinationen. Flachwurzelnde Salate teilen sich den Topf mit tiefwurzelnden Zwiebeln oder Möhren. Kapuzinerkresse breitet ihre BlĂ€tter schĂŒtzend ĂŒber die Erde und fungiert gleichzeitig als Blattlausmagnet. Die Kerlchen bevorzugen ihre saftigen Triebe und lassen dafĂŒr das GemĂŒse in Ruhe. Diese Opferpflanze kontrollierst du regelmĂ€ĂŸig und entfernst stark befallene Triebe.

Eine gute Klimatisierung deines Balkons erreichst du durch geschickte Bepflanzung. Große Blattpflanzen verdunsten Wasser und kĂŒhlen die Umgebungsluft. Ein Mini-Teich in einem wasserdichten GefĂ€ĂŸ – sei es eine olle Zinkwanne oder ein großer Blumentopf – schafft zusĂ€tzliche VerdunstungskĂ€lte, das haben wir ja schon im Miniteich-Artikel gesehen. Kletterpflanzen an Rankgittern werfen Schatten und verhindern das Aufheizen der Hauswand. Mediterrane KrĂ€uter umwickelst du im Winter mit Vlies oder Jute. Die Töpfe stellst du auf Styroporplatten, damit die KĂ€lte nicht von unten eindringt. Empfindliche Pflanzen rĂŒckst du an die schĂŒtzende Hauswand. Sehr frostempfindliche Exemplare wie ZitronenbĂ€umchen ĂŒberwintern im Treppenhaus oder Keller.

Beide Systeme, also der großzĂŒgige Garten wie der doch bĂŒschn kleinere Balkon, entwickeln sich nach und nach zu komplexen, produktiven Ökosystemen. Dokumentiere deine Beobachtungen, Erfolge und Misserfolge in einem Gartentagebuch – das macht echt Bock! Welche Tomatensorte gedieh besonders gut auf dem heißen SĂŒdbalkon? Welche KrĂ€utermischung hielt die BlattlĂ€use fern? Diese Aufzeichnungen werden zu deinem persönlichen Erfahrungsschatz und helfen dir in der Zukunft echt gut weiter.

Tiere in deinem Garten oder auf deinem Balkon

Tiere sind unverzichtbare Partner im Permakultur-Garten. Sie bestĂ€uben BlĂŒten, regulieren Fraßinsekten, recyceln Biomasse und bereichern das Ökosystem. Insekten bilden dabei natĂŒrlich die Basis der Nahrungskette und ĂŒbernehmen unzĂ€hlige Funktionen. Wildbienen und kleine BlĂŒtenkĂ€fer beispielsweise bestĂ€uben ObstbĂ€ume und GemĂŒse, LaufkĂ€fer fressen Schneckeneier, Schwebfliegen vertilgen BlattlĂ€use, und RegenwĂŒrmer lockern den Boden. Praktisch! NĂŒtzlinge förderst du durch vielfĂ€ltige LebensrĂ€ume. Totholzhaufen bieten Unterschlupf fĂŒr KĂ€fer und ihre Larven. Du stapelst Äste, Zweige und StammstĂŒcke an einer ruhigen Gartenecke und lĂ€sst die Natur wirken. Pilze besiedeln das Holz, KĂ€ferlarven bohren GĂ€nge, Spinnen weben Netze zwischen den Zweigen. Steinhaufen erwĂ€rmen sich in der Sonne und ziehen Eidechsen an, die ihrerseits Insekten jagen. Auch Trockensteinmauern funktionieren natĂŒrlich richtig gut.

Über insektenfreundliches GĂ€rtnern im Kleinen habe ich hier schon ein wenig geschrieben (die Tipps passen aber auch fĂŒr GĂ€rten):

https://steady.page/de/hortarium/posts/6f18b4e9-0be4-430b-b7bd-84541e06c370 (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Insektenhotels verdichten verschiedene Nistmöglichkeiten auf kleinem Raum. Hohle PflanzenstĂ€ngel von Schilf, Bambus oder Holunder, sauber geschnitten und gebĂŒndelt, dienen Wildbienen als Brutkammern. Sie bohren ihre Eier in die Halme, verschließen sie mit Lehm oder Harz und ĂŒberlassen die Larven sich selbst. Du kannst auch Hartholzblöcke nehmen und Löcher mit zwei bis zehn Millimetern Durchmesser hineinbohren, ins LĂ€ngsholz, damit die GĂ€nge glatt und splitterfrei bleiben. LehmwĂ€nde ziehen grabende Wildbienenarten an: Du mischst Lehm mit Sand, fĂŒllst die Masse in einen Kasten und lĂ€sst sie trocknen. Die Bienen graben ihre BrutgĂ€nge selbst. Das Insektenhotel stellst du sonnig und regengeschĂŒtzt auf, idealerweise nach SĂŒden ausgerichtet. In der NĂ€he sollten blĂŒhende Pflanzen wachsen, die Nahrung liefern.

Auf meinem Dachgarten nisten jedes Jahr Mauerbienen.

BlĂŒhende Pflanzen durch die ganze Saison halten Insekten am Leben, und ganz ehrlich: Ist es nicht viel geiler, wenn es das ganze Jahr BlĂŒmchen zu gucken gibt? Eben. Im zeitigen FrĂŒhjahr öffnen Krokusse, MĂ€rzenbecher und WeidenkĂ€tzchen die Pollenbar. ObstbĂ€ume folgen mit ihren reichhaltigen BlĂŒtenwolken, da gibt’s echt viel Futter. Im FrĂŒhsommer dominieren KrĂ€uter wie Thymian, Salbei und Lavendel 
 “meine” Wespen sind immer komplett sĂŒchtig nach FenchelblĂŒten. HochsommerblĂŒher wie Sonnenblumen oder Malven ĂŒbernehmen dann. Herbstastern, Fetthenne und Efeu runden die Saison am Ende ab. Diese Staffelung sorgt dafĂŒr, dass immer Nektar und Pollen verfĂŒgbar sind.

Die weiter oben schon erwĂ€hnten HĂŒhner bereichern den Permakultur-Garten auf vielfache Weise, und Aaaaaalter, ich hĂ€tte halt so gern welche. Sie fressen Schnecken, Raupen und andere Tierchen, die in Überzahl durchaus Stress machen können, sie scharren Beikraut weg und dĂŒngen mit ihrem Kot. Gleichzeitig liefern sie Eier, was auch nice ist. Ich wĂŒrde nie ein Huhn essen, also Fleisch liefert es bei mir nicht. Mag bei dir anders sein, WILL ICH MIR ABER NICHT VORSTELLEN, thanksssss, ehem. Am praktischsten ist es, wenn du deine HĂŒhnis in einem mobilen Gehege hĂ€ltst, das du alle paar Tage versetzt; also wenn du eine grĂ¶ĂŸere FlĂ€che hast. So bearbeiten die HĂŒhner nacheinander verschiedene Gartenbereiche, was super hilfreich sein kann. Nach der GemĂŒseernte lĂ€sst du sie beispielsweise ĂŒber die Beete tippeln, wo sie Erntereste aufpicken und Beikrautsamen vertilgen. Ein einfacher mobiler Stall aus Holz und Drahtgeflecht genĂŒgt dafĂŒr: tagsĂŒber Freilauf, nachts geschĂŒtzt vor Mardern und FĂŒchsen, und am besten sicherst du auch nach oben ab, wenn du KĂŒken mit am Start hast. Du brauchst etwa 5-10 Quadratmeter Auslauf pro Huhn (lieber eher mehr als weniger, ganz ehrlich), und das Gehege sollte Schatten, Sandbad, Verstecke, frisches Wasser und Schlafstangen bieten.

Die HĂŒhner meiner Schwiegermutter leben im Paradies.

NistkĂ€sten locken Vögel an, die Raupen, KĂ€fer und andere Insekten an ihre Kids verfĂŒttern. Über NistkĂ€sten habe ich hier schon ausfĂŒhrlicher geschrieben:

https://steady.page/de/hortarium/posts/3de091ba-edd1-4463-a633-a0961914343c (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Auch Igel sind tolle Gartenbewohner, und die haben es eh gerade sehr schwer, also wĂ€re es toll, wenn du was fĂŒr sie machen könntest. Du lockst sie mit Unterschlupfmöglichkeiten in deinen Garten: Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke, eine Igelburg aus Steinen und Holz, ein Durchschlupf im Zaun zum Nachbargarten; alles Immobilien, die SEHR interessant fĂŒr die kleinen stachligen Freund:innen sind. Wichtig: Igel brauchen große Reviere und wandern nachts weit umher. ZĂ€une sollten unten LĂŒcken haben oder ganz durchlĂ€ssig sein. Bitte verzichte auf Laubsauger und lass im Herbst Laub unter StrĂ€uchern und Hecken liegen, wo Mecki und Co. ihren Winterschlaf halten.

Ich pflege immer mal ausgehungerte oder kranke Igel.

Pflege und Ernte

Ein Permakultur-Garten braucht weniger Pflege als der konventionelle Garten mit nackten Beeten, aber auch er braucht die richtige Pflege zur richtigen Zeit. Der Jahresrhythmus gliedert sich in natĂŒrliche Phasen, denen du folgst. Im FrĂŒhling beginnt das Gartenjahr mit der Bodenbearbeitung. Du bringst Kompost auf die Beete, sĂ€st FrĂŒhkulturen und pflanzt deine herangezogenen Jungpflanzen, kennst du ja. Die Mulchschicht muss vielleicht da erneuert werden, wo sie ĂŒber den Winter abgebaut wurde. GrĂŒndĂŒngungen vom Herbst können umgehackt und in den Boden eingearbeitet werden, oder du schneidest sie ab und lĂ€sst sie als Mulch liegen. ObstbĂ€ume und StrĂ€ucher bekommen jetzt ihren Schnitt, bevor der Austrieb beginnt: Du entfernst tote, kranke und nach innen wachsende Äste, lichtest die Krone aus und erhĂ€ltst die gewĂŒnschte Form. Je nach Baumart ist ein anderer Schnitt erforderlich, da gibt es super gute Video-Anleitungen. Ganz besonders toll finde ich immer die der Obstbaumschule Schreiber (nein, nicht wegen des Namens und nein, die haben nix mit mir zu tun):

https://www.youtube.com/watch?v=GhizPEnoJiE&t=69s (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Die Ernte der FrĂŒchte deiner harten Arbeit erfolgt laufend von FrĂŒhjahr bis Herbst, gegebenenfalls auch im Winter, je nachdem, was du angebaut hast, ob du ein GewĂ€chshaus hast, und so weiter. RegelmĂ€ĂŸiges Ernten hĂ€lt Pflanzen produktiv: Tomaten bilden neue FrĂŒchte, solange du die ausgereiften abnimmst, Zucchini produzieren unermĂŒdlich und, na ja, gnadenlos, wenn du kleine FrĂŒchte erntest und sie nicht erst bis Level Zeppelin anschwellen lĂ€sst. Bohnen und Erbsen solltest du auch rasch pflĂŒcken, damit die Pflanzen weiterblĂŒhen und neue FrĂŒchte liefern. Bei mehrjĂ€hrigen KrĂ€utern schneidest du nur einen Teil ab und nicht alles, damit die Pflanze sich erholen kann. Rhabarber erntest du nur bis Ende Juni (da wird gern der Johannistag am 24.6. genommen), danach braucht er Zeit, Reserven einzulagern, damit er im nĂ€chsten Jahr wieder steilgehen kann.

Der Herbst ist Erntezeit fĂŒr Lagerkulturen: die spĂ€ten Kartoffelsorten, KĂŒrbisse, WurzelgemĂŒse und Kohlsorten werden sich dann bald in deinem Keller tummeln. Lass die geernteten Knollen und Wurzeln an trockenen Tagen abtrocknen, bevor du sie einkellerst. Kartoffeln solltest du nicht waschen, sondern einfach mit KĂŒchenpapier ein wenig abreiben. KĂŒrbisse reifen ĂŒbrigens nach, wenn sie vor dem ersten Frost geerntet werden. So wird die Schale schön hart und die Frucht lĂ€nger haltbar. Äpfel und Birnen pflĂŒckst du, wenn sie sich leicht vom Stiel lösen. Manche Sorten schmecken frisch vom Baum am besten, andere brauchen eher ein Weilchen Lagerzeit, um ihr Aroma zu entwickeln.

Nach der Ernte bereitest du die Beete fĂŒr den Winter vor: Du sĂ€st GrĂŒndĂŒngung oder mulchst alles wieder nach. Gesunde PflanzenabfĂ€lle kommen auf den Kompost, Krankes, also Pflanzenteile mit Pilzbefall oder Ă€hnlichem, muss in den RestmĂŒll. Stauden schneidest du entweder bodennah zurĂŒck oder lĂ€sst sie stehen, damit Insekten in den hohlen StĂ€ngeln ĂŒberwintern können. Ich schneide meine Stauden immer erst im folgenden Jahr im Mai zurĂŒck, es sind einfach zu gute Wohnungen fĂŒr Wildbiene und Co.!

Der Winter ist die ruhigste Zeit – endlich kannst du mal verschnaufen! Der Garten schlĂ€ft, der perfekte Zeitpunkt also, um das nĂ€chste Gartenjahr zu planen. Du durchblĂ€tterst Saatgutkataloge, zeichnest neue BeetplĂ€ne und notierst, was gut funktioniert hat und was du Ă€ndern möchtest 
 zumindest mache ich das immer so. An milden Tagen kontrollierst du deine ObstbĂ€ume auf FrostschĂ€den und ergreifst gegebenenfalls Gegenmaßnahmen. Denk auch immer dran, dein gelagertes GemĂŒse zu checken, ob noch alles gut ist, oder ob da was gammelt.

So.

Das war jetzt vermutlich eine Menge Input, oder? Und doch war das erst einmal nur das Eintauchen des kleinen Zehs ins Thema, denn da gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Das hier sollte dir nur erste Ideenimpulse geben. Vielleicht ist das Prinzip ja was fĂŒr dich? Ich werde auf jeden Fall noch weitere Aspekte zu dem Thema immer wieder aufgreifen, und bald auch mal ĂŒber den Waldgarten sprechen.

Bis dahin: Bis zum nÀchsten Mal!

Jasmin

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Sujet Anbau & Ernte

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