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Die Autonomiephase - Wutanfälle verstehen und begleiten

Irgendwann im zweiten oder dritten Lebensjahr wird aus dem Baby plötzlich ein Kleinkind mit sehr starkem Willen: die „Trotzphase“ oder, wie ich sie lieber nenne, die „Autonomiephase“ beginnt. Von nun an begleiten Wutanfälle den Alltag und fordern unsere Geduld als Eltern manchmal sehr stark heraus. Woher kommen diese Anfälle? Und wie können wir damit umgehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Artikel. (10 Minuten Lesezeit)

Die Autonomiephase fordert Eltern heraus. Nicht selten werden wir selbst wütend, wenn sich das Kind auf den Boden wirft und schreit. Aber warum ist das so? Und wie gehen wir damit um?

Kurze Rekapitulation: Warum nicht „Trotzphase“?

Der Begriff „Trotzphase“ klingt sehr negativ. Kinder gehorchen aus Trotz nicht, lehnen sich gegen ihre Eltern auf, wollen sie ärgern. Und auch wenn uns das Wort beim fünften Wutanfall am Vormittag wegen einer Kleinigkeit doch manchmal sehr auf der Zunge liegt, so wird er doch der Situation nicht gerecht.

In der Phase zwischen ungefähr 1,5 und 4 Jahren geschieht ein Abnabelungsprozess. Das Gehirn entwickelt sich sprunghaft, Impulskontrolle, Bedürfnisaufschiebung, aber auch Empathie entwickeln sich langsam weiter. Unsere Kinder merken plötzlich, dass sie eigenständige Personen sind. Sie machen sich ein Bild von der Welt, wollen verstehen, was passiert - und stoßen dabei immer wieder auf Hindernisse. Das frustriert - und das Gehirn unserer Kinder kann noch nicht gut von einem festen Plan abweichen und zu einer Alternative „switchen“. Was passiert, ist eine Art Kurzschluss. Der rationale Teil des Gehirns wird „ausgeschaltet“, der emotionale Teil steuert das Kind: es wirft sich auf den Boden, tobt, ist nicht ansprechbar. Aber eben nicht aus bösem Willen, sondern weil es einfach nicht anders kann.

Die Entwicklungen, die unser Kind in dieser Zeit durchläuft, sind unheimlich wichtig und wertvoll. Der Begriff „Trotzphase“ wird ihnen nicht annähernd gerecht, weswegen ich auf den meiner Meinung nach deutlich zutreffenderen Begriff „Autonomiephase“ ausweiche.

Genauere Hintergründe darüber, was im Gehirn passiert, habe ich schon einmal hier beschrieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

(Foto: Leni Moretti)

Sujet Starke Gefühle

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