Hallo,
vor einer Woche bin ich 45 Jahre alt geworden.
Dass ich damit in der zweiten Lebenshälfte angekommen bin, deutete sich schon davor durch zwei Aufträge an, die ich vom Spiegel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)bekommen habe. Mit der Ärztin Astrid Neuy-Lobkovicz sollte ich über ADHS im Alter sprechen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), Sheila de Liz zu gutem Sex ab 50 Jahren befragen. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Ich fand diese Bestellungen lustig. Als ich noch bei der Süddeutschen Zeitung war, gehörte ich zu den Jüngeren im Team. Jetzt bekomme ich die Themen für die ältere Frau ab.
💌 Neu dabei? Hier kannst du "Innen & Außen" abonnieren.💌 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sheila de Liz also. In meinem Bekanntenkreis wird sie seit Jahren gelesen und von manchen verehrt. Ihr 2020 erschienenes Buch "Woman on Fire. Alles über die fabelhaften Wechseljahre" hat den aktuellen Boom, wenn nicht ausgelöst, so zumindest ordentlich, hihi, befeuert. Mehr heiße Metaphern gibt es in diesem wunderbaren Text über den Milliardenmarkt Menopause von Mareen Linnartz. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Gynäkologin de Liz ist eine Verfechterin jeglicher Hormonersatztherapie. Doch bis vor wenigen Jahren herrschte bei dem Thema große Zurückhaltung, die Gründe erklärt Nataly Bleuel hier. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Noch 2022 nahmen nur sechs Prozent der Frauen zwischen 45 und 65 Jahren Hormonpräparate ein, obwohl sie bei etwa jeder dritten angezeigt wären. Mittlerweile scheinen die Verordnungen anzusteigen. Mit ihrem Werbefeldzug für bioidentische Hormone hat de Liz also zahlreichen Frauen einen großen Dienst erwiesen.
Ich habe allerdings dass Gefühl, dass sie dabei übers Ziel hinaus schießt. In ihrem aktuellen Buch "Light my Fire. Für den Sex deines Lebens" schreibt sie: "Östrogensalbe ist die neue Zahnseide.” Darauf angesprochen, sagte sie: Ja, sie meine das genau so. Jede Frau über 45 Jahren solle täglich so eine Creme benutzen.
Nun bin ich auch ich dafür, Frauen und ihre gesundheitlichen Probleme ernst zu nehmen und sie nicht mit "das ist das Alter" oder "alles psychisch" wieder nach Hause zu schicken. Was ich aber genauso wenig mag, ist, Frauen mit allen medizinischen Mitteln leistungsfähig, fröhlich und sexuell verfügbar zu halten.
Müsste ich de Liz’ aktuelles Buch in einem Satz zusammenfassen, würde ich sagen: Wenn es im Bett nicht mehr läuft, lass dir Testosteron verschreiben.