Hallo,
Familienvater ist ein schwieriges Wort, da sind sich viele einig. Zum Beispiel schrieb Carolin Kebekus (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) diese Woche:
"Super seltsames Wort übrigens. Familienvater. Nicht Alleinvater, sondern Familienvater. Familienmutter sagt man nicht. Da ist die Familie natürlich mitgemeint."
So (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)oder so ähnlich (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) klingt die Argumentation meistens. Es sei ein blödes Wort, weil es etwas betone, was selbstverständlich sein soll, und dann wird der Familienvater in einen Topf geworfen mit der Karrierefrau oder der Working Mom.
In den Kommentarspalten verteidigen andere die Begriffe: Noch müsse man es eben hervorheben, wenn Väter sich kümmern und Mütter arbeiten.
Schaut man sich in Archiven an, wie sich die Verwendung des Begriffes in den vergangenen Jahren entwickelt hat, könnte man im ersten Moment annehmen, dass an dieser Argumentation was dran sein könnte. Seit den Neunziger Jahren wird der Begriff zunehmend verwendet, mit einem Hoch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in den Pandemiejahren 2020/2021.
Waren es also die vielen Texte über aktive, moderne Väter, in denen der Familienvater auftaucht? Die Reportagen aus Kitas und von Elternabenden, Essays über Männerbilder, Abhandlungen über Care-Arbeit?
Mein Bauchgefühl war ein anderes. Mir kam das Wort immer dann unter, wenn ein Mann ein Verbrechen begangen hatte, wenn er an einem Unfall beteiligt war oder wenn in einem auf berufliche Erfolge fokussierten Porträt noch schnell erwähnt werden musste, dass er Kinder hatte. Besonders sauer stieß mir das Wort auf, wenn es um Mord und Totschlag von Kindern und Frauen ging. Man muss die Fürsorglichkeit eines Täters nicht betonen, nachdem er seine angeblichen Schutzbefohlenen umgebracht hat.
Ich verlasse mich aber ungern auf mein Gefühl. Weswegen es mich sehr freut, dass mir Marie-Louise Timcke (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) dabei geholfen hat, es zu überprüfen. Marie leitet das Datenteam bei der Süddeutschen Zeitung. Mit einem selbstprogrammierten Skript durchsuchte sie 2591 Texte aus der Zeit, dem Tagesspiegel und der FAZ nach dem Begriff und analysierte den Kontext. Sie hat das in ihrer Freizeit und ohne Bezahlung für mich gemacht. Für jedes Abo, das nach dieser Newsletter-Folge abgeschlossen wird (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), gebe ich ihr daher einen Kaffee aus.
Das Ergebnis von Maries Analyse: