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Ein Baby für die Bauministerin

Hallo,

eine Freundin meinte letztens zu mir, ich solle diesen Newsletter nur alle zwei Wochen schreiben, sie käme sonst mit dem Lesen und Denken nicht hinterher. Ich selbst hingegen frage mich nach einer zweiwöchigen Pause: Wohin dann mit den ganzen Gedanken? In meiner Notizapp staut es sich, was soll ich nur als erstes angehen? Verlobungsringe? Schwangere Ministerinnen? Maniküretipps? Alles davon in weniger als 5000 Zeichen? Geht nicht. (Wenn euch eine 14-tägige Erscheinungsweise lieber wäre: Sagt es mir (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Und auch, welches Thema (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ihr euch für nächste Woche wünscht.)

Und nun meine zwei Cents zur Schwangerschaft von Bauministerin Verena Hubertz, die sie vor zwei Wochen verkündet hat. Viele Medien vermeldeten das, die Süddeutsche Zeitung mit der ziemlich misslungenen Zeile “Baby statt Bauboom?” (Wer von euch war das?) Dabei ist der Nachwuchs der Ministerin sicher nicht der Grund, wenn die halbe Million fehlender Wohnungen auch in dieser Legislaturperiode nicht gebaut werden.

Auf Linkedin veröffentlichte Verena Hubertz kurze Zeit später, welche Hasskommentare bei ihr aufliefen. “Das arme Kind” werde wohl “nicht so viel von seiner Mutter mitbekommen”, so lautete einer der harmloseren Kommentare. Auch Nachrichten wie “Und dann will sie ihr Kind noch mit zur Arbeit schleppen? Diese Frau ist dermaßen größenwahnsinnig, dass es dafür keine Worte mehr gibt” und „Mütter sollen doch an den Herd” bekam die 37-Jährige CDU-Politikerin.

Zwei Mädchen mit Puppen in der Trage
Diese Puppenmamas spielen auch gern mal Weltherrschaft. Kein Widerspruch.

Als ich das las, fragte ich mich: War das 2011 (als Familienministerin Kristina Schröder schwanger war) und 2016 (als Familienministerin Manuela Schwesig ihr Kind bekam) auch so? In meiner Erinnerung nicht und als Journalistin verfolge die Debatten um mächtige Frauen, Gleichberechtigung und Vereinbarkeit schon lange. Da die Ministerinnen Schröder und Schwesig ihre Kinder außerdem zum etwa gleichen Zeitpunkt bekamen wie ich meine, waren meine Antennen damals auf Empfang - und ich habe keinen solchen öffentlichen Wutausbruch in Erinnerung.

Ich fragte mich daher: Ist das ein Zeichen des - wie die Zeit es nennen würde - Vibe-Shift? (Man könnte auch Rechtsruck sagen.) Haben die Reaktionen damit zu tun, dass Hubertz nicht Ministerin für Gedöns, sondern für Beton ist? Oder erinnere ich mich falsch?

Miriam Hollstein hat vor ein paar Tagen dann genau den Text geschrieben, den ich dazu lesen wollte, und zwar hat sie für den Stern bei Kristina Schröder nachgefragt (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wie sie das damals erlebt hat. Das sind Schröders Antworten:

Privat und politisch habe ich nur positive Resonanz erfahren. Aus der Bevölkerung waren die Reaktionen gemischt. Viele fanden es authentisch, dass die Familienministerin nun auch aus der Perspektive der jungen Mutter auf die Themen schauen würde, nicht nur als Politikerin. Aber es kamen auch Briefe und E-Mails von Bürgern, die forderten, dass ich mein Amt niederlegen müsse, und fragten, warum ich gerade jetzt schwanger werden würde. Das fand ich anmaßend. Die bizarrste Reaktion kam aber aus den Medien.

Inwiefern?

Dort wurde sofort darüber diskutiert, wie ich das denn mit Kind und Ministeramt hinbekommen würde. Ob das denn auch die Supermarktverkäuferin so machen könne. Diese Erwartungshaltung, dass das Verhalten einer Ministerin zum Leitbild für alle Paare im Land werden müsse, das war schräg.

Ihre Nachfolgerin Manuela Schwesig machte sich hingegen gern zum Vorbild. Ihre Schwangerschaft wurde vielfach als Statement der Ministerin zum Status quo der Vereinbarkeit interpretiert, die Ministerin selbst sagte (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre): “Ich habe die Elternzeit bei Julian genommen. Mein Mann nimmt die Elternzeit jetzt. Das gehört in einer modernen Familie dazu.” Dabei war nichts an dieser Rollenverteilung “normal”, und auch heute, zehn Jahre später, ist eine 50/50-Aufteilung zwischen Müttern und Vätern nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Ich bin mir nun also gar nicht sicher, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat und was genau.

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