
Hallo,
diese Woche jagen wir mal wieder ein Debattengespenst. Nämlich die Frau, die freiwillig zurück an den Herd geht, obwohl ihr Feminismus und Kapitalismus im Chor einbimsen, dass sie doch so viel wie möglich erwerbsarbeiten muss. Laura Backes hat für den Spiegel eine große Geschichte darüber geschrieben (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), die mir zum größten Teil sehr gut gefällt, an deren Verkaufe ich aber ein bisschen Detailkritik habe und in der mir etwas fehlt: Zahlen.
Die Zeile auf dem Cover lautet: Warum sich Mütter wieder für Küche statt Karriere entscheiden. Das Wort wieder suggeriert, dass es einen Trend gibt, dass Frauen mit Kindern weniger als zuvor erwerbsarbeiten, und ich bin mir sicher, dass viele Menschen, die nur den Titel wahrnehmen und die Geschichte nicht oder nicht aufmerksam lesen, daraus mitnehmen: Mütter arbeiten immer weniger.
Das ist ein verbreitetes Narrativ, auch bei Menschen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen - wie zum Beispiel die Feministin und Finanzberaterin Helma Sick (bekannt geworden mit ihrem Buch “Ein Mann ist keine Altersvorsorge”), die ich vor einigen Jahren für die SZ porträtiert habe (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). In unseren Gesprächen regte sich Frau Sick heftig darüber auf, dass “immer mehr” Frauen “immer länger” zu Hause bleiben, trotz immer besserer Ausbildungen. Ich entgegnete, dass das nicht stimme, das die Erwerbstätigkeit von Frauen seit Jahrzehnten nur eine Richtung kennt, nämlich aufwärts, und zeigte ihr die Daten. Frau Sick blieb bei ihrer Meinung. Aus ihrer Warte aus kann ich das gut verstehen. Wer für die eigene Unabhängigkeit so hart gekämpft hat wie sie, für die ist schon eine einzige Fachanwältin, die den Kindern zuliebe Teilzeit arbeitet, eine zu viel. Ein Trend wird trotzdem nicht daraus.