Passer au contenu principal

Ein Winter auf Mallorca

Logbuch vom 01.11.2025
Auf der Biskaya toben sich gerade die Reste eines Hurricanes aus, der unten kurz vor der Karibik rechts abgebogen ist. In Palma kommt da nur eine laue Brise an. Wind zunächst aus SO dann auf Südwest drehend, 3 Bft. Heiter bis sonnig, 22 Grad.

Herrlich. Dieses Gefühl, wenn man aus dem verwinkelten Flughafengebäude tritt und der warme Seewind einen umfängt, als wollte er sagen : schön, dass du wieder da bist, altes Haus. Mit keinem Ort im Süden verbinde ich so viele Erinnerungen, wie mit Mallorca. Ein Gefühl von Nachhausekommen, wie ich es mit Trogir in Kroatien einmal hatte - vor dem Krieg.

Es ist immer noch warm, für Norddeutsche Verhältnisse, auch wenn die Sonne gerade hinter dem Horizont verschwinden will.

Die Sonne geht früh unter, es ist nun ja auch November und auch Mallorca kann sich den Gesetzen des Universums nicht entziehen – obwohl, wenn es einen Ort gäbe, der das vermöge, es wäre wohl Palma.

Ich werde bis zum Frühjahr bleiben. Das habe ich mir zumindest vorgenommen.

Es ist kurz nach 19:00 Uhr, stockfinster, als ich die Charteryacht aufschließe und klariere, die nun mein schwimmendes Zuhause sein wird. Als ich im Cockpit sitze, wird mir klar, dass auch mediterrane Winterabende lang sein können. Pulloverwetter, 14 Grad hat es noch und viel kälter wird es heute Nacht auch nicht werden. Dafür ist das Meer noch zu warm. Es hat noch 18 Grad, so warm wie in einem stinknormalen baltischen Sommer.

Überhaupt fühlt sich alles hier nordisch sommerlich an. Ich stopfe mir meine Kapuze in den Nacken, um den leichten Nieselregen und den aufkommenden Südwestwind nicht an meinen Nacken zu lassen und mache mir eine Flasche ‚Macia Batle‚ auf.

Vorhin, als es gerade noch hell war, hatte ich einklariert: Milch, Wasser, Käse. Eine Sobrasada, mallorquinische Blutwurst, zwei Paletten Dosenbier (Mahou), Toilettenpapier, Marmelade, Butter und Wein; weißen und roten; von jeder bedeutenden Winzerfamilie Mallorcas je einen. Oft aus Binissalem, einem Dorf im Schatten des Airport, das drei der größten Bodegas beheimatet.

Was hier lebt und wächst

Mallorcas Wein ist wegen seines säurearmen Bodens etwas gehandicapt, sagen Weinkenner. Mir ist das egal, mir kommt es auf etwas anderes an; ich möchte das schmecken, was hier wuchs, lebte und dann sich verwandelte, in Wein, Käse oder Wurst.

Der Yachthafen, der für die nächsten fünf Monate mein Heimatort sein wird, liegt am Rande des berüchtigten Touristenortes ‚El Arenal‘, genauer in Can Pastilla, am westlichen Ende eines langen Strandes, den man im Sommer vor eingeölter Körper kaum sehen kann, und der im November stoisch verlassen daliegt, als hätte es die vielen Sangriaparties nie gegeben. Einsam wachen verlassene Rettungsschwimmer-Posten über die bunten Segel am Strand: die Kite-Saison hat begonnen. Die Winde blasen ihre Backen und schicken Regen und brechende Wellen an den Strand.

Leben an Moorings

Morgen fange ich an mich einzurichten und umzusehen. Der heutige Abend ist ganz dem Ankommen gewidmet. Meine Petroleumlampe faucht leise, als eine Böe nach der Flamme greift, sonst ist der Club Maritimo San Antonio de la Playa (was sind das für Namen hier!) stumm und leer. Außer mir übernachten hier nur Yachten ohne Crew. Allein gelassen zerren sie an ihren Moorings.

Als der Wein vom Abendwind zu kühl wird, um seinen Geschmack entfalten zu können, gehe ich in die Koje. Morgen ist Sonntag, es soll bis zu 20 Grad warm werden.

A

Dies ist der Auftakt zur neuen Staffel meiner Liveaboard Logbücher. Alle bisherigen Abenteuer kannst Du in meinem Taschenbuch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) nachlesen - als Mitglied signiert und als wöchentlicher exklusiver Letter.

Sujet Ein Winter auf Mallorca

0 commentaire

Vous voulez être le·la premier·ère à écrire un commentaire ?
Devenez membre de Eriks Liveaboard Logbuch et lancez la conversation.
Adhérer