
Riechen, schlĂŒrfen, schmecken: Der tiefe Einstieg in die Aromenwelt.
Was ist eigentlich ein Cupping und warum ist es fĂŒr Kaffeeliebhaber:innen so spannend? Ein Cupping ist die standardisierte Methode, um verschiedene Kaffees direkt miteinander zu vergleichen. Es ist der einfachste Weg, den eigenen Gaumen zu trainieren und die enorme Vielfalt von Specialty Coffee zu entdecken.
Unverzichtbar fĂŒr die QualitĂ€tssicherung
In der Kaffeeindustrie wird Cupping in jedem Schritt der Wertschöpfungskette eingesetzt. ErzeugerlĂ€nder prĂŒfen so die QualitĂ€t der neuen Ernte, wĂ€hrend Q-Grader (zertifizierte Kaffeeverkoster:innen) die Proben nach einem 100-Punkte-System bewerten. Erst ab einer Bewertung von 80+ Punkten spricht man offiziell von Specialty Coffee.
Röstereien nutzen Cuppings, um das perfekte Röstprofil zu entwickeln und eine gleichbleibende QualitĂ€t sicherzustellen. FĂŒr Gastronomen ist es wiederum das ideale Werkzeug, um aus einer Auswahl verschiedener Röster genau den Kaffee zu finden, der zu ihrem Konzept passt.
Cupping fĂŒr zu Hause: Finde deinen Favoriten
Im privaten Bereich hilft dir das Cupping, deine eigenen Vorlieben zu entschlĂŒsseln.
Der Vergleich: Teste Supermarkt-Kaffee gegen Specialty Coffee.
Die Aufbereitung: Schmecke den Unterschied zwischen washed (klar, sĂ€urebetont) und natural (sĂŒĂ, fruchtig).
Die Herkunft: Entdecke die florale Leichtigkeit Afrikas gegen die schokoladige FĂŒlle Lateinamerikas.
Pro-Tipp: Veranstaltet ein Themen-Cupping mit Freunden! Jeder bringt seinen Lieblingskaffee mit â der Lernfaktor ist hoch und es macht riesigen SpaĂ.
Schritt-fĂŒr-Schritt: Dein Cupping-Guide
So fĂŒhrst du eine Verkostung in den eigenen vier WĂ€nden durch:
Auswahl: Entscheide dich fĂŒr mindestens zwei verschiedene Kaffees.
Dosierung: Mahle je 12g Kaffee mittelgrob (Ă€hnlich wie fĂŒr die French Press).
Setup: Gib das Kaffeemehl in eine Tasse oder Cupping-Schale.
AufgieĂen: Mit 200g Wasser (92°C â 94°C) aufgieĂen und den Timer auf 4 Minuten stellen.
Kruste brechen: Nach Ablauf der Zeit die Kaffeekruste mit einem Löffel vorsichtig durchbrechen und dabei intensiv riechen. Den restlichen Schaum/Satz mit zwei Löffeln abnehmen.
Geduld: Weitere 4â5 Minuten abkĂŒhlen lassen. Kaffee entfaltet seine volle KomplexitĂ€t erst bei niedrigeren Temperaturen.
Probieren: Jetzt wird laut geschlĂŒrft! Das verteilt den Kaffee fein im gesamten Mundraum.
Tipps fĂŒr Einsteiger:innen
Aroma
Nutze Farben!
Braun = nussig/schokoladig,
Gelb = Zitrus,
Rot = Beeren.
Notizen
Schreibe alles auf. Was am Anfang subjektiv wirkt, wird mit der Zeit ein wertvoller Katalog.
Profi-Tool
Nutze ein offizielles Cupping Sheet, um Nuancen mit Zahlen zu bewerten.
Kleines Cupping-Lexikon: Die Sprache der Profis
Um Kaffee wie ein Profi zu beschreiben, helfen dir diese fĂŒnf Grundpfeiler der Sensorik. Sie helfen dir, das "BauchgefĂŒhl" beim Trinken in konkrete Worte zu fassen:
Fragrance & Aroma (Duft & Aroma): Man unterscheidet zwischen dem Duft des trockenen Kaffeemehls (Fragrance) und dem Geruch des aufgebrĂŒhten Kaffees (Aroma). Achte darauf, wie sich der Geruch verĂ€ndert, sobald das Wasser das Pulver berĂŒhrt.
Acidity (SÀure/Spritzigkeit): In der SpezialitÀtenwelt ist SÀure etwas Positives! Wir suchen nicht nach "sauer", sondern nach einer lebendigen FruchtsÀure (wie bei einem Apfel oder einer Beere). Sie verleiht dem Kaffee Struktur und Frische.
Body (Körper/MundgefĂŒhl): Hier geht es nicht um den Geschmack, sondern um die Textur auf der Zunge. FĂŒhlt sich der Kaffee eher leicht und teeblattartig an oder eher schwer, cremig und viskos wie Vollmilch oder Sirup?
Flavor (Geschmack): Das ist das Zusammenspiel aus Aroma und Geschmack. Hier kommen deine Notizen ins Spiel: Schmeckst du eher nussige Schokolade, florale Noten (wie Jasmin) oder helle ZitrusfrĂŒchte?
Aftertaste (Abgang): Wie lange bleibt der Geschmack am Gaumen haftet, nachdem du den Kaffee geschluckt (oder ausgespuckt) hast? Ein hochwertiger Kaffee hinterlĂ€sst oft eine angenehme SĂŒĂe, die noch minutenlang nachklingt.
Balance: Das Fazit der Verkostung. Harmonisieren SĂ€ure, SĂŒĂe und Körper miteinander oder sticht ein Element unangenehm hervor? Ein balancierter Kaffee wirkt "rund".
Tipp fĂŒr die Praxis: Drucke dir diese Begriffe klein aus und lege sie neben die Cupping-Schalen. Das hilft ungemein, wenn man vor der Tasse sitzt und plötzlich "den Wald vor lauter BĂ€umen" (oder Bohnen) nicht mehr sieht.
Hier kannst du dein persönliches Cupping Protokoll runterladen
FAQ: Die 3 hÀufigsten Cupping-Fehler (und wie du sie vermeidest)
Manchmal schmeckt der Kaffee beim Cupping nicht so, wie er sollte â oder man verbrennt sich schlicht die Zunge. Hier sind die Klassiker:
1. Hilfe, ich schmecke gar nichts! (Die Temperatur)
Der Fehler: Zu frĂŒh probieren. Wenn der Kaffee noch ĂŒber 70â heiĂ ist, konzentriert sich dein Körper nur auf âAua, heiĂ!â und nicht auf Aromen.
Die Lösung: Geduld! Warte wirklich die 8â10 Minuten ab dem AufgieĂen ab. Die spannendsten Nuancen und die SĂŒĂe treten erst hervor, wenn der Kaffee Trinktemperatur erreicht. Profis verkosten den Kaffee oft ĂŒber einen Zeitraum von 20 Minuten, um zu sehen, wie er sich beim AbkĂŒhlen verĂ€ndert.
2. Der Kaffee schmeckt flach oder metallisch (Das Wasser)
Der Fehler: Ungefiltertes Leitungswasser. Zu kalkhaltiges oder chlorhaltiges Wasser âdecktâ die feinen SĂ€uren und Fruchtnoten deines Specialty Coffees einfach zu.
Die Lösung: Nutze einen Tischwasserfilter oder stilles Mineralwasser aus der Flasche (mit geringem Natriumgehalt). Du wirst ĂŒberrascht sein: Das Wasser macht beim Cupping fast 99 % des Inhalts aus â es ist die Leinwand fĂŒr deinen Kaffee!
3. Es schmeckt bitter oder wÀssrig (Der Mahlgrad)
Der Fehler: Du nutzt den Mahlgrad fĂŒr Espresso (zu fein) oder lĂ€sst den Kaffee zu grob.
Die Lösung: Ziele auf einen mittelgroben Mahlgrad ab (wie grobes Meersalz oder French Press). Ist er zu fein, extrahiert der Kaffee zu schnell und wird bitter. Ist er zu grob, schmeckt er dĂŒnn und sĂ€uerlich-leer. Kleiner Test: Wenn du nach 4 Minuten die Kruste brichst, sollte ein satter, dichter Duft aufsteigen.
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