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5 Erkenntnisse aus der Hirnforschung, die wirklich beim Arbeiten helfen

Jeden Freitag erzähle ich dir von Erkenntnissen aus Neurowissenschaft und Psychologie, die du kennen solltest. Heute geht um Musik, Pausen und andere wichtige Tipps für den Arbeitsalltag.

Eine Collage, gezeichnet, mit einem Mann, der am Schreibtisch mit Computer sitzt. An der Wand hinter ihm hängen Zeitungsausschnitte und Bilder.
KI-generiert mit Midjourney.

Ende letzten Jahres bin ich von Berlin nach Hamburg gezogen. Das hatte viele Auswirkungen, aber eine war für mich besonders groß: Ich konnte nicht mehr täglich zum Arbeiten in die Krautreporter-Redaktion fahren. Dabei mochte ich es dort sehr gerne. Erst im Sommer zuvor waren wir mit der Redaktion ungezogen und hatten jetzt deutlich mehr Platz und viel mehr Arbeitsplätze, an denen man auch gerne arbeitet.

Jetzt hingegen verbringe ich die meisten Tage allein im Home Office. Und weil ich davor großen Respekt hatte, habe ich mir vorher nochmal angeguckt, welche Erkenntnisse die Hirnforschung darüber liefert, wie man gut, zufrieden und effizient arbeitet. Die aus meiner Sicht wichtigsten fünf fasse ich heute zusammen.

Erkenntnis 1: Du solltest am besten keine Musik hören – und wenn, dann nur bestimmte

Musik ist einer der stärksten Reize, die dein Gehirn kennt. Sie aktiviert das Hörzentrum, klar, aber auch dein Belohnungssystem, dein motorisches System, dein Gedächtnis und deine Emotionen. Bei bestimmten Songs feuert dein Gehirn ähnlich wie bei Schokolade oder Verliebtsein: Dopamin, wohin man schaut. Kein Wunder also, dass Musik beim Arbeiten Fluch und Segen zugleich sein kann. Sie hilft, wenn du Routineaufgaben zu erledigen hast, etwa in lauter Umgebung, in der du dich abschotten willst. Dann ist Musik wie ein akustischer Sichtschutz. Aber bei komplexen Aufgaben (Schreiben, Denken, Strukturieren) wird sie zur Konkurrenz. Vor allem, wenn sie Text hat. Denn dein Gehirn kann nicht gleichzeitig einen Songtext verarbeiten und dabei konzentriert eine Excel-Formel entwerfen. Beides beansprucht dieselben sprachverarbeitenden Netzwerke. Auch schneller Rhythmus kann dich rausbringen: je tanzbarer, desto ablenkender.

Und noch etwas: Musik, die du besonders gern magst, ist meistens schlechter für deine Konzentration als Musik, die du gar nicht so spannend findest. Weil sie dein Belohnungssystem kitzelt, Erinnerungen wachruft, kleine innere Filme startet. All das hat mit deiner Aufgabe gerade nichts zu tun. Das bedeutet nicht, dass Musik grundsätzlich schlecht ist fürs Arbeiten. Aber du solltest sie gezielt auswählen: Keine Worte. Kein Hit. Kein Drama. Wenn’s geht, ein ruhiger Klangteppich, der dich nicht ablenkt, sondern einrahmt. Kein Soundtrack zum Mitsingen, sondern einer zum Denken. Manche nennen das „Fokusmusik“. Neurobiologisch ist es eher: kognitive Schonung bei akustischer Abschirmung. Oder einfacher: So leise wie möglich. So wenig wie nötig.

Erkenntnis 2: Mach die Pause am besten vor der Tür

Es klingt fast zu einfach, um wahr zu sein: Ein Spaziergang im Grünen und schon funktioniert dein Gehirn besser. Und doch belegen genau das inzwischen gleich mehrere Studien. In einem Experiment gingen Versuchspersonen durch einen finnischen Nadelwald oder durch einen städtischen Park. Manche sollten Aufgaben währenddessen lösen, andere durften einfach nur gehen. Das Ergebnis: Alle fühlten sich erholter und klarer im Kopf, aber besonders diejenigen, die bewusst mit der Natur interagierten – etwa durch achtsames Beobachten oder gezieltes Wahrnehmen. Selbst die Aufmerksamkeit, also unsere Fähigkeit, bei der Sache zu bleiben, war nach dem Spaziergang messbar besser. Und wer vorher besonders gestresst war, profitierte am meisten.

Dass nicht nur das Gehen selbst, sondern die Umgebung zählt, zeigte eine Studie der University of Michigan. Studierende, die durch ein Naturgebiet spazierten, schnitten in einem Test des Arbeitsgedächtnisses 20  Prozent besser ab als dieselben Personen nach einem Stadtspaziergang. Der Effekt: kein Placebo, sondern messbar und robust. Und das gilt nicht nur für ganze Ausflüge. Schon eine Pause von 40 Sekunden mit Blick auf ein begrüntes Dach – statt auf Beton – reichte aus, um bei Konzentrationsaufgaben weniger Fehler zu machen. Wer nachweislich besser denken will, muss also nicht immer mehr leisten. Manchmal reicht es, kurz auf Bäume zu schauen. Oder auf Gräser im Wind. Oder einfach mal kurz rauszugehen. Dein Gehirn merkt sich das und bedankt sich mit Klarheit.

Erkenntnis 3: Wer Mittagsschläfchen verbietet, hat keine Ahnung vom Gehirn

Es gibt diese Menschen – vielleicht kennst du auch einen – die sich nach dem Mittagessen kurz ins Bett legen, eine halbe Stunde später erfrischt wieder auftauchen und dann produktiv weitermachen, als sei nie etwas gewesen. Während andere danebenstehen, grimmig auf die Uhr starren und denken: Warum kann ich das nicht? Die Antwort könnte sein: weil dein Gehirn anders tickt. Oder: weil du es nie richtig gelernt hast. Denn die Wissenschaft ist sich mittlerweile ziemlich einig: Mittagsschlaf ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine ziemlich clevere Art, das Gehirn neu zu kalibrieren. Und das gerade während des Arbeitstags.

Schon ein kurzes Nickerchen – sechs Minuten reichen laut einer Studie der Uni Düsseldorf – reicht aus, um Gedächtnisleistungen messbar zu verbessern. Wer länger schläft, profitiert noch mehr. Zumindest, wenn man nicht gleich in den Tiefschlaf abrutscht. Denn dann kommt die sogenannte Schlafträgheit: dieses wattige Gefühl, bei dem dein Kopf zwar wach ist, aber deine Reaktionszeit ungefähr der einer Zimmerpflanze entspricht. Dennoch: Für viele ist der kleine Schlaf am frühen Nachmittag ein kognitiver Turbo, der die Konzentration hebt, das Erinnern erleichtert und sogar langfristig das Demenzrisiko senken kann, so das Ergebnis einer Langzeitstudie aus Japan. Vorausgesetzt: Der Nap bleibt unter 30 Minuten, passiert nicht zu spät am Tag, und du schläfst nachts trotzdem noch gut. Dann ist er keine Flucht vor der Arbeit, sondern ein echter Beitrag dazu.

Erkenntnis 4: Der Raum um dich herum denkt mit

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