Hello, ooh-oh
Vienna calling
(Falco)
181/∞
Good evening, Europe!
Ich bin gerade dienstlich in Wien beim Eurovision Song Contest und habe deshalb keine Zeit, einen Newsletter zu schreiben.
Heute Abend um 21 Uhr läuft das erste Halbfinale (zu sehen bei One und in der ARD Mediathek (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)), am Donnerstag das zweite (ebenfalls bei One und in der Mediathek (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)) und am Samstag ist dann der große ESC-Abend im Ersten mit Countdown, dem Grand Final und Aftershow.
Wie in den vergangenen Jahren auch, sitze ich wieder neben Thorsten Schorn in der deutschen Kommentatorenkiste.
Bei der Vorbereitung unserer Faktensammlung habe ich (wie jedes Jahr) festgestellt, das ungefähr jedes Land in Europa eine größere musikalische Tradition hat als Deutschland: Auf dem Balkan, in Skandinavien, auf der iberischen Halbinsel — überall gibt es die kleinteiligsten Genres, die - und ich übertreibe nur leicht - teilweise nur in einem einzigen entlegenen Bergdorf praktiziert werden und im nächsten schon wieder unbekannt sind.
Ich habe sicher nicht zum ersten Mal gegoogelt, was traditionelle deutsche Musik ist, und bin immer noch genauso ratlos wie vorher: Klar, mag sein, dass man in Bayern zum Hackbrett greift und Polka spielt, aber - das wird Markus Söder und viele amerikanische Tourist*innen überraschen - Bayern ist ja nicht gleich Deutschland. Aber falls der Vielvölkerstaat Deutschland mal echte Musiktraditionen hatte, sind sie irgendwann verschütt gegangen. Was gibt es sonst noch aus der Zeit vor (Volkstümlichem) Schlager?1
Immerhin haben wir eine musikalische Gegenwart, denn Sarah Engels, die heute Abend außer Konkurrenz den deutschen Wettbewerbsbeitrag „Fire“ vorstellt, wird dem Publikum ordentlich - Verzeihung! - einheizen:
https://www.youtube.com/shorts/lL_3aplqbpQ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Im Januar habe ich in Berlin in einem sehr großen Sessel gesessen und in eine Kamera Sachen über den ESC erzählt. Ein paar Ausschnitte daraus haben es in die Doku „70 Jahre ESC - More than Music“ geschafft, die gestern Abend um 20.15 Uhr im Ersten von 2,1 Millionen Menschen geschaut wurde — und jederzeit in der ARD Mediathek (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) verfügbar ist.

Es ist ein bisschen absurd, in einer Sendung mit Hape Kerkeling, Jean-Paul Gaultier, Conchita Wurst, Ralph Siegel, Johnny Logan, Nana Mouskouri, Jamala, Peter Urban und anderen aufzutauchen, zumal ich an einer Stelle das Idiotenwort „ikonisch” verwende, das weder davor noch danach Bewohner meines aktiven Wortschatzes war. Die Doku ist trotzdem sehr schön geworden.
Für die nächste Woche wünsche ich mir eine offizielle GfK-Auswertung, wer mehr Medienzeit hatte: Benjamin von Stuckrad-Barre, der zu „80 Jahre Udo Lindenberg“ spricht, oder ich zu „70 Jahre ESC“. Stucki hat einen gewissen Vorsprung, aber ich habe das Gefühl, aufzuholen.
Ich drohe langsam selbst den Überblick zu verlieren, aber ich glaube, ich war in den letzten Wochen in folgenden Medien zu Gast:
Bei den Bloggern von „ESC kompakt“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), um eine Stunde live über mein Buch und meine ganz persönliche ESC-Historie zu sprechen.
In der Sendung „Hier und heute“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) im Nachmittagsprogramm des WDR Fernsehens (bzw. in einem Rapsfeld).
Im „Künstlertreff“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) des belgischen Rundfunks, deren Moderator Horst Senker mir erst nach der Aufzeichnung erzählt hat, dass er vor über 30 Jahren genau meinen Job gemacht hat und Assistent des jeweiligen deutschen Kommentators war — wie cool ist das denn?!
Im Podcast „Sprenger spricht“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wo ich mit den Autorinnen Elke Becker und Ella Marcs über unsere neuen Bücher gesprochen habe — es ist eine zweistündige Mäander über den ESC, Krimis, Familie, Trauer und Damenunterbekleidung geworden.
Bei Radioeins (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), wo ich Marco Seiffert und Tom Böttcher noch mal die Geschichte von meinen privaten Playmobil-ESCs erzählt habe und verrate, warum „Ein Lied kann eine Brücke sein“ (Deutschland, 1975) den Wettbewerb so schön zusammenfasst.
Und jetzt entschuldigt mich bitte: Wir haben in knapp neun Stunden eine Liveshow!
https://www.youtube.com/watch?v=dBE1Dl2OLUw (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Habt eine schöne Restwoche!
Always love, Luki
Und jetzt sagt nicht „Die Mundorgel“ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)! Ich suche irgendwas, was ein paar Hundert Jahre alt ist. ↩