Die Literaturstudentin Anastasia Steele ist ein klischeehaftes Mauerblümchenmodel. Das erkennen wir daran, dass sie brünett ist, tollpatschig, in den ersten Szenen des Films eine geblümte Bluse und Strickjacke trägt und, um den Kontrast zu verdeutlichen, eine blonde Cheerleader-Modelfreundin hat. Sie trifft nun auf den attraktiven Christian Grey, der natürlich ein steinreicher Model-Unternehmer ist. Seine dominante und überhebliche Art fasziniert die schüchterne Jungfrau Anastasia und treibt sie in seine starken Arme, wo sie nun die Freuden des BDSM kennenlernt. Doch in Christian schlummern dunkle Geheimnisse, die ihn zu seinen "absonderlichen" Taten treiben, und Anastasia entdeckt an sich ungeahnte Seiten der Lust.
Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen ist ein US-amerikanischer Erotikfilm aus dem Jahr 2015. Regie führte Sam Taylor-Johnson nach einem Drehbuch von Kelly Marcel. Der Spielfilm fußt auf dem Roman "Shades of Grey - Geheimes Verlangen" der britischen Autorin E. L. James. Die Hauptrollen spielen Dakota Johnson und Jamie Dornan. Untermalt ist das Ganze mit unerträglichem Pop-Geheul.
Im Zuge meines Vorhabens, möglichst viele BDSM-assoziierte Filme zu schauen, konnte ich dieses Werk nicht länger umschiffen. Vor Jahren versuchte ich bereits, den Roman zu lesen, brach jedoch aufgrund der plumpen Ausdrucksweise und des hanebüchenen Inhalts ab.
Der Film ist genauso schlecht wie das Buch. Hier ist alles, weißer Oberschichtstandard und Eifersucht, Besitzdenken sowie Machtgefälle, die drei Säulen der heteronormativen Beziehung, sind nicht nur Programm, sondern auch Message des Films. Nebenbei wird der neoliberale Erfolgsmythos zementiert, der die hirngewaschenen Normbürger dazu bringt, elitäres Getue und Sozialdarwinismus auch noch attraktiv zu finden.
Die Sexszenen mit Eiswürfel lutschen, Augenverbinden und Klapse auf den Po sind clean, steril und alles andere als erotisch. Mit BDSM hat das Ganze nur sehr wenig zu tun. Es wundert nicht, dass der Film in der BDSM-Szene als eher unrealistisch empfunden wird. So lässt sich Anastasia nur auf bestimmte Praktiken ein, weil Christian es von ihr verlangt. Er ignoriert ihre Grenzen und wendet psychische, teils physische Gewalt an. Mit dem in der BDSM-Szene so wichtigen Konsens hat das wenig zu tun. Das Machtgefälle zwischen Mann und Frau ist hier nicht rein sexuell vorhanden, sondern vor allem gesellschaftlich konstituiert. Das macht Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen zu einem der konservativsten Filme der jüngeren Vergangenheit.
Dieses Machwerk ist wahrhaft ein schlimmer Spießertraum, wie ihn sich nur die konformistischsten Biedermänner und -frauen wünschen können. Das erklärt wahrscheinlich auch den Erfolg von Buch und Film.
https://www.imdb.com/de/title/tt2322441/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)