Ein Gott weidet sich selbst mit einem Rasiermesser aus und stirbt. Aus seinen Gedärmen erhebt sich "Mutter Erde", die den toten Gott wiedererweckt und sich mit seinem Samen selbst schwängert. Sie gebärt daraufhin den "Sohn der Erde". Mutter und Sohn wandern durch eine karge Wüstenlandschaft, wo sie auf ein gesichtsloses Nomadenvolk treffen. Sie foltern und zerteilen einen anderen Menschen, woraufhin sie von den Gesichtslosen bestraft werden. Mutter und Sohn liegen nun auf einer Wiese. Nachdem der Sohn unkontrolliert zu zucken beginnt, legt die Mutter ihm eine Schlinge um den Hals. Erneut gelangen die beiden in eine Wüste, wo sie von dem seltsamen Nomadenvolk getötet und begraben werden. Doch am nächsten Morgen sind Mutter und Sohn wieder lebendig und die beiden begeben sich in einen Wald, der ganz zu Beginn der Geschichte bereits zu sehen war.
Begotten aus dem Jahr 1989 ist ein US-amerikanischer, surrealistischer Experimentalfilm von E. Elias Merhige und wahrscheinlich einer der seltsamsten Filme aller Zeiten. Er gilt als beeinflusst von den Werken Sergei Michailowitsch Eisensteins und Luis Buñuels und erinnert stilistisch an Stummfilme wie Das Cabinet des Dr. Caligari (1920). Der grobkörnige Schwarzweißfilm kommt ganz ohne Dialoge aus, enthält aber Naturgeräusche und Ambient-Drones. Inspiriert soll der Film laut des Regisseurs von einer Nahtoderfahrung sein, die er mit Neunzehn hatte.
Aufgrund seiner Body-Horror-Elemente wurde Begotten kontrovers diskutiert, auch weil er sich vordergründig mit den Themen Religion und Kosmogonie beschäftigt und explizite Gewaltdarstellungen wie Selbstverstümmelung, Suizid und Vergewaltigung damit verknüpft. Susan Sontag, die Begotten als einen der zehn wichtigsten Filme, die je gemacht wurden, bezeichnete, war so begeistert von dem Werk, dass sie es seinerzeit bei der Berlinale vorstellte, woraufhin sich auch Werner Herzog lobend äußerte.
E. Elias Merhiges erster Langfilm ist ein verstörendes Werk, das Publikum wie Kritiker teils ratlos zurückließ. Später drehte der Regisseur noch Shadow of the Vampire (2000), eine Hommage an Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1922), und Suspect Zero - Im Auge des Mörders (2004), der leider nur enttäuschenden Genre-Standard zu bieten hatte. Darüber hinaus schuf er einige Kurzfilme sowie Musikvideos für Danzig und Marilyn Manson, der als erklärter Begotten-Fan den Stil des Films in seinen Musikvideos zu "Cryptorchid" und "Antichrist Superstar" zitiert haben wollte.
Gedeutet wurde Begotten als gnostische Schöpfungsgeschichte und als visuelles Ritual, was beim Zuschauer körperliche Reaktionen hervorruft. Der Film handele vom Tod der Religion und vom Missbrauch der Natur durch den Menschen. Er wurde als Kultfilm und als "abjektes Kino" bezeichnet. Ich habe in meinem Leben eine Menge transgressiver und verstörender Filme gesehen, keiner von ihnen war so schön wie Begotten. Seine obskure Industrial-Ästhetik fesselte mich ab der ersten Minute an. Das Werk ist ein nihilistischer Befreiungsschlag und eine spirituelle Erfahrung zugleich. Ich kann nicht empfehlen, diesen Film zu schauen, das muss jeder selbst auf eigene Gefahr hin entscheiden.
https://www.imdb.com/title/tt0101420/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)