Passer au contenu principal

Schramm (1993)

Lothar Schramm ist ein unauffälliger Mann, der alleine in seiner Wohnung lebt, eine Hassliebe zu einem aufblasbaren Gummitorso pflegt und sich sein Geld als Taxifahrer verdient. Er hat eine rein freundschaftliche Beziehung zu seiner Nachbarin Marianne, einer Sexarbeiterin, die er insgeheim aber begehrt. Niemand weiß, dass Lothar Schramm der berüchtigte "Lippenstiftmörder" ist, der seine Opfer tötet, mit Lippenstift beschmiert und sich an ihnen vergeht. Mehr und mehr vermischen sich in der Wahrnehmung des psychotischen Serienkillers Realität, Halluzinationen und Wunschvorstellungen.

Schramm ist ein Low-Budget-Film von Jörg Buttgereit aus dem Jahre 1993 und nach Nekromantik (1988), Der Todesking (1990) und Nekromantik 2 (1991) der vierte Langspielfilm des Ausnahmeregisseurs. Wie schon bei den drei Vorgängerfilmen war erneut das bewährte Dreiergespann Jörg Buttgereit (Regie und Drehbuch), Franz Rodenkirchen (Drehbuch) und Manfred O. Jelinski (Produktion und Kamera, außer bei Nekromantik) am Werk. Die Hauptrollen wurden mit Florian Koerner von Gustorf, dem Schlagzeuger der Berliner Rock-Band "Mutter", und der wunderbaren Monika M., die bereits in Nekromantik 2 mitspielte, besetzt.

In seinem vierten großen Werk tritt wahrscheinlich am deutlichsten hervor, was Jörg Buttgereit mit seinen Filmen im Sinn hatte: Kunst. Schramm ist ein Kunstfilm, in dem sich der Regisseur, wie auch schon in den Vorgängerfilmen, wieder mit Sex und Tod beschäftigt. Diesmal tritt dieses Gegensatzpaar noch offensichtlicher psychoanalytisch hervor und zum ersten Mal wird dabei die Religion gestreift. Buttgereit stellt erneut existentielle Fragen ohne sie moralisch zu beantworten, das zeichnet die seine Arbeiten aus und macht auch dieses Werk gerade in der heutigen Zeit ungewöhnlich und wohltuend. Schramm ist ein typischer Buttgereit-Film mit surrealen Elementen, viel Melancholie und der berühmt-berüchtigten transgressiven Wucht, die auch seine anderen Filme bisher hatten. Die Szenen um den Zahnarztbesuch, das Einschlagen eines Nagels in eine Penisvorhaut und die Sequenzen rund um den Gummitorso bringen den Körper des Zuschauers zum Kribbeln. Schramm ist ein eindringlicher, seltsamer und großartiger Film.

https://www.imdb.com/de/title/tt0108053/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Film