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Der Navigator (1988)

Cumberland im Jahre 1348: Die Bewohner eines mittelalterlichen Bergwerkdorfs leben in ständiger Angst vor einer drohenden Pestepidemie. Da sieht der hellseherisch begabte Junge Griffin in seinen Träumen, wie einige mutige Männer auf einer weit entfernten Kathedrale ein Kreuz im Namen Gottes aufstellen, um die Menschen des Dorfes vor der Pest zu schützen. Dafür müssen sich die Bergleute jedoch durch die Erde graben. Unter der Führung von Griffin macht sich nun eine Gruppe von Männern auf, dieses heilige Vorhaben durchzuführen. Doch sie kommen nicht auf der anderen Seite des Erdballs heraus, sondern in der neuseeländischen Großstadt Auckland des Jahres 1989.

Der neuseeländische Regisseur Vincent Ward erzählt hier die dramatische Odyssee einer kleinen Pilgergruppe in düsteren und atmosphärisch sehr dichten Bildern. Der mehrfach ausgezeichnete Fantasy-Film aus dem Jahr 1988 kommt ganz ohne Genre-Klischees aus und überzeugt optisch wie storymäßig auf ganzer Linie. Ward zelebriert das Zusammenprallen mittelalterlicher Religiosität und moderner Kultur in hypnotischen Bildern voller Symbole. Die Szenen, die im Mittelalter spielen, sind in expressionistischem Schwarz/Weiß gedreht. Die moderne Welt wird dagegen als gefährliche Albtraumlandschaft für die Mittelaltermenschen dargestellt. Die mitreißenden Bilder sind mal surrealistisch, mal epiphanisch anmutend und mit passender Musik unterlegt. Der Skelettengel mit der Posaune erfreute mich ganz besonders. Man merkt sofort, dass Vincent Ward auch Fotograf und Maler ist. Der Navigator ist ein kompositorisches Meisterwerk des ästhetischen Kinos.

https://www.imdb.com/de/title/tt0095709/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Sujet Film