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Der zweite Videospiel-Crash

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Eine kurze Geschichte des Goldrauschs

Amerika, wir schreiben das Jahr 1848: Ein Mann watet eines Januarmorgens durch das Wasser nahe der Sutter Mills und entdeckt dabei goldene Nuggets. Direkt vor seinen Füßen. Als wären sie einfach so aus einer Schatztruhe gefallen.

Dieser Fund spricht sich in Windeseile herum und so packen Hunderttausende über Nacht ihr Zeug zusammen, um nach Kalifornien zu reisen.

Doch der Traum vom Reichtum entpuppt sich als reine Lotterie: Viele sterben, viele bleiben arm, nur wenige werden fündig. Am besten verdienen noch die Händler am Wegesrand, die Schaufeln und Siebe an die Leute verkaufen, die bis zum Umkippen die Flüsse und Berge leer-looten.

Wieder Amerika, 1982, etwas mehr als 100 Jahre später: Activision macht einen auf Clever und produziert Videospiele für die Plattform seines Konkurrenten Atari. Das ist ungefähr so, als würde Sony Exklusiv-Spiele für die Xbox produzieren, ohne Microsoft um Erlaubnis zu fragen.

Um diesen Move zu unterbinden, zieht Atari vor Gericht, verliert aber. Was die Sache allerdings noch schlimmer macht: Dieser Präzedenzfall bringt Dutzende auf die Idee, Activision nachzueifern und schnelles Geld mit schnellen Games zu machen. Egal ob sie jetzt die nötige Technik oder das Know-How dafür haben.

In Folge dessen wird der Markt von so vielen billigen und kaputten Produktionen überschwemmt, dass niemand mehr Bock hat, auch nur irgendwas in seine Daddelmaschine zu schieben. Als alle Hoffnung verloren scheint, schlüpft Nintendo in die rüstige Rüstung des rettenden Retters und macht Games wieder geil again.

Wieder Amerika, aber eigentlich auch Europa, Asien, usw. – mit anderen Worten: Eigentlich überall. Wir befinden uns im Hier und Jetzt:

Müsste Galileo Big Pictures die gegenwärtige Stimmung in einem einzigen Bild zusammenfassen, wäre es ein Jokerface, dessen Grinsen so breit ist, dass sich die Mundwinkel am Hinterkopf berühren. Alles steht in Flammen, aber niemand will es sich anmerken lassen.

News und Trailer vermitteln komplett unterschiedliche Eindrücke über die Branche:

Verfolgt man die Nachrichten, kassieren die AAA-Unternehmen gerade die Quittung für ihre Mega-Investitionen während der Corona-Pandemie. Leute, die nicht mehr zuhause sind, spielen logischerweise nicht mehr so viel wie Leute, die permanent zuhause bleiben müssen. Schöne Scheiße.

Die Entwickelnden werden selbst zu Spielenden, nämlich in ihrem Meta-Spiel namens “Wer feuert heute mehr Leute?”. Gecancelte Spiele und geschlossene Studios bringen Extra-Punkte. Aktuell liegen Sony und Epic Games weit vorne.

Die Euphorie ist verflogen. Außer bei Rockstar – der schmückt schon mal den Festsaal für GTA 6.

In den Trailern und Werbe-Shows ist von dieser Endzeit-Stimmung nichts zu spüren. Die Bildexplosionen sind nach wie vor episch und eskalierend – aber gleichzeitig ist es auch so, als müsste man Weihnachten den Kindern andrehen, die schon lange nicht mehr an den roten Coca Cola-Mann glauben.

Es hat sich irgendwie ausgezaubert - ausgetrailert - ausgehypt.

Denn – auch wenn das etwas untergeht, zwischen all den Videos, die die True Cry-Fälle rund um irgendwelche Stühle werfenden und Katzen tretenden YouTube-Promis aufklären wollen, – berichten immer mehr Leute, dass sie an Gaming-Burnout leiden.

Ein absolutes First-World-Problem? Ja.
Ein ernstzunehmendes First-World-Problem? Auch ja.

Wir haben weniger Spaß am Zocken als früher. Es gibt zu viele Spiele, sie sind zu lang und sie sind auf niemanden mehr so richtig zugeschnitten. Der einfache Spaß von damals ist heutzutage an zu viele Kompromisse und Bedingungen geknüpft.

Oder anders:

AAA-Games entstehen heute nicht mehr nach Excel-Tabellen, es sind Excel-Tabellen. Und wir die Zahlen, die von einer Spalte zur nächsten hüpfen sollen.

Oder anders:

Spaß und Geld scheinen nicht mehr koexistieren zu können.

Oder anders:

  • Im Jahr 1848 findet ein Mann ein Körnchen Gold in einem Fluss.

  • Im Jahr 2026 ertrinke ich in einem Fluss aus Games.

Wer rettet uns dieses Mal?

Vielleicht ein Avengers-Team aus Double A-lern.
Vielleicht wir uns selbst. Das wäre doch was.
Aber ehrlich: Keine Ahnung. Es ist mir auch egal.

Ich habe zwar diese Geschichte rund um Gold und Games aufgemacht, weil sie die derzeitige Situation praktisch veranschaulicht, aber andererseits mag ich sie auch nicht, weil sie - aufgrund der Struktur dieser Geschichte - automatisch die Lücke eines Retters erzeugt.

Braucht es den wirklich? Nö.
Was es wirklich braucht, ist eine Lösung.

Fakt ist, wir stecken ähnlich wie die Studios in einem Meta-Game fest. Die wollen Geld verdienen, wir wollen Spaß haben. Vielleicht sollten wir – wenn wir schon so unterschiedliche Ziele verfolgen – getrennte Wege gehen.

Wie uns ein weiser Seestern in diesem Moment raten würde: Warum nehmen wir nicht einfach unser gutes Gaming und schieben es woanders hin?

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