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Wenn im Februar Sonntags die Sonne scheint …

… dann muss man diese Gelegenheit nutzen.

Ich muss ehrlicherweise behaupten, dass ich in den letzten Jahren sehr viel hier drinnen im Atelier hocke und arbeite. Umso wichtiger sind für mich Ausflüge in die Natur, auch wenn es nur ein bis zwei Stunden sind. Ich brauche Weite, moosbedeckte Baumstämme und Sträucher und zugewucherte Ecken, in die ich hineinkriechen kann, um Fotos zu machen und Natur zu entdecken.

Dieser Bereich in „Frau Sommers Atelierpost“ ist eine Naturkolumne, in der ich euch von meinen Ausflügen rund um Berlin und in Brandenburg erzählen möchte. Ich mache jedes Mal unzählige Fotos, um Ausgangs- und Anschauungsmaterial für meine Zeichnungen zu bekommen. Oft inspiriert mich ein Anblick so sehr, dass ich beschließe, daraus eine freie Arbeit entstehen zu lassen. 99 % meiner Arbeiten entstehen nach Fotos von mir.

Nur ein Beispiel: Meine Tochter fragte mich gestern, ob ich ihr ein Foto von einem knorrigen Baum schicken kann, weil sie diesen als Zeichenvorlage benötigt. Sie studiert Illustration im dritten Semester. Ein Blick in die Suche meines Telefons nach dem Wort „Baumstamm“ zeigte auf die Schnelle mal 250 Bilder an. ;) Ich habe ihr dann 30 Anschauungsfotos geschickt.

Ich fotografiere so gut wie jeden Baum, wenn mir seine Form gefällt. Bäume sind einzigartige Bauwerke der Natur und Lebensräume zugleich. Jede Wuchsform ist anders und für mich immer wieder faszinierend.

Dieses Baumfoto ist in Lübars entstanden. Das ist ein Teil von Berlin und gehört zum Bezirk Reinickendorf. Der Ort war für DDR Bürger früher nicht zugänglich und liegt direkt an der Grenze zu Brandenburg. Von der Mitte der Stadt ist er mit dem Auto trotzdem nur 40 Minuten entfernt. Wir haben ihn vor Jahren von Pankow aus entdeckt.

Ich fahre gern dort hin um den Kopf frei zu bekommen. Gestern war ich mit meiner besten Freundin, einer Thermoskanne Tee und frischen Blaubeerpancakes dort zum Sonne tanken.

In der Regel läuft das so: Gerade eben unterhält man sich noch mit mir und dann … renne ich nach Links und rechts ins Gebüsch und fotografiere Flechten und Moose. Für mich sind solche Details faszinierend. Warum ist das so? Weil ich durch meine Arbeit viel mehr darüber weiß als andere Spaziergänger.

Hier ein Beispiel: Flechten sind sowas wie kleine Umwelt Detektive. Wenn sie an einem Baum wachsen, verraten sie ziemlich viel über die Luft und das Klima hier. Gibt es viele verschiedene Arten, vielleicht sogar diese leicht zotteligen oder bartartigen Flechten wie Usnea, dann ist das ein richtig gutes Zeichen. Die Luft ist sauber. Flechten reagieren nämlich total empfindlich auf Schadstoffe. Wenn irgendwo fast keine wachsen, ist die Luft oft stark belastet.

Bestimmte gelbe Flechten zeigen übrigens an, dass mehr Stickstoff in der Luft ist. Und das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Zum Beispiel ist die Luft an und über Pferdeweiden (hier sind Pferdekoppeln und Höfe) oft stickstoffreicher als in unbelasteten Gebieten. Das liegt vor allem am Ammoniak, das aus Mist und Urin freigesetzt wird. Auch das hinterlässt Spuren, die man an den Flechten ablesen kann.

Sie lieben Feuchtigkeit und fühlen sich besonders wohl an schattigen Stellen oder auf älteren Baumrinden mit einem leicht feuchten Kleinklima. Milde Temperaturen mögen sie auch. Wie sich Flechten verbreiten, kann sogar Hinweise auf Veränderungen im Klima geben.

Und ganz wichtig: Flechten sind keine Parasiten. Sie schaden dem Baum nicht und nehmen ihm nichts weg. Sie bestehen aus einer Lebensgemeinschaft von Alge und Pilz und holen sich ihre Nährstoffe direkt aus der Luft.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel so ein Baumstamm erzählen kann.

Es lag sogar noch Schnee, obwohl er in der Stadt schon völlig weggeschmolzen war. Schnee ist übrigens viel mehr als nur hübsch anzusehen. Für die Natur ist er ein echter Lebensretter.

Er wirkt wie eine dicke, weiche Decke über dem Boden. Unter dieser Schneeschicht ist es oft gar nicht so eisig, wie man denkt. Der Schnee schützt Pflanzen, Wurzeln und Samen davor, dass der Frost tief in den Boden eindringt. So überstehen sie Minusgrade deutlich besser. Außerdem bewahrt eine geschlossene Schneedecke den Boden davor, auszutrocknen. Ohne Schnee würde die Feuchtigkeit viel schneller in die kalte Winterluft verschwinden. Und wenn im Frühjahr alles taut, passiert etwas Wunderbares: Das Schmelzwasser sickert langsam und gleichmäßig in die Erde. Wie ein natürlicher Wasserspeicher, der die Pflanzen genau dann versorgt, wenn sie wieder loslegen wollen.

Auch für die Bodenstruktur ist Frost mit Schnee wichtig. Wenn feuchte Erde gefriert, dehnt sich das Wasser aus und sprengt feste Bodenklumpen auseinander. Dadurch wird der Boden ganz natürlich gelockert. Man nennt das Frostgare. Für das Frühjahr ist das ideal. Und selbst gegen Wind hilft Schnee. Er deckt den Boden ab und verhindert, dass fruchtbare Erde einfach weggeweht wird.

Gerade für überwinternde Pflanzen wie Wintergetreide ist Schnee deshalb überlebenswichtig. Ohne diese schützende Decke könnten starke Fröste ihnen ernsthaft schaden.

Ich finde überall ein schönes Detail und sehe im Geiste schon das fertig gezeichnete Motiv dazu.

Die Eichwerder Moorwiesen bei Alt Lübars sind so ein Stück Berlin, bei dem man plötzlich vergisst, dass man noch in der Stadt ist. Weite Feuchtwiesen, Schilf, kleine Wasserläufe, der Holzsteg durchs Moor. Zu dem Steg sind wir gar nicht erst gekommen, denn dass sie gerade überflutet sind, ist ganz normal. Im Winter steigt der Grundwasserspiegel, dazu kommt Regen, und das Wasser aus dem Tegeler Fließ breitet sich in den Niederungen aus. Moorwiesen sind wie natürliche Auffangbecken. Sie speichern Wasser, genau dafür sind sie da.

Wenn es dann friert, legt sich eine dünne Eisschicht darüber. Unten bleibt es oft matschig und lebendig, oben wirkt alles wie eine gefrorene Landschaft. Dieses Zusammenspiel aus Wasser und Frost gehört hier einfach dazu. Eigentlich ist das kein Ausnahmezustand, sondern Natur im Wintermodus. Da wir hatten keine Gummistiefel anhatten, war hier der Weg für uns zu Ende.

Ich hab noch ein wenig Moos für ein zukünftiges Zeichenprojekt fotografiert.

Und dann ging es über die verschneiten Felder wieder zurück an den Schreibtisch.

Ich saß pünktlich um 14 Uhr wieder an meiner aktuelle freien Arbeit. Ich zeichne gerade ein neues Fuchsmotiv.

Im nächsten Newsletter für Atelier- und Premium-Hörnchen erkläre ich euch Schritt für Schritt anhand von Fotos, wie dieses neue Motiv entstanden ist. Ich zeige alle Arbeitsschritte und verrate ganz genau, welche Farben, welches Papier und welche Pinsel ich verwendet habe.

Bei der Größe und dem Detailgrad brauche ich zwar noch ein paar Tage, aber es lohnt sich.

Früher habe ich viel Wissen einfach so auf Instagram geteilt. Das möchte ich nicht mehr. Reels und Zeitraffer kosten mich sehr viel Zeit, und ich finde: Wenn man von meinem Wissen profitieren möchte, darf man auch etwas zurückgeben.

Zum Beispiel habe ich über die Jahre vier verschiedene Maskierflüssigkeiten und unterschiedliche Werkzeuge ausprobiert. Da kann man einiges falsch machen. Papier und Maskierflüssigkeit müssen zusammenpassen, sie dürfen nicht kleben, müssen sich rückstandslos entfernen lassen und lange genug flüssig bleiben.

Auch welches Aquarellpapier eine so detaillierte Arbeit erlaubt und trotzdem saugfähig bleibt, spielt eine große Rolle. Und natürlich, wie und womit man es sauber abklebt.

All das erfahrt ihr im nächsten Mitgliedernewsletter.

Und die Premiumhörnchen bekommen zusätzlich eine kleine signierte Printversion des fertigen Motivs per Post. 🧡🧡🧡

Eine Mitgiedschaft kann sich also richtig lohnen.
🌿 Wenn dir meine Arbeit etwas bedeutet und du Lust hast, noch tiefer mit mir in Wald, Atelier und all die kleinen Naturdetails einzutauchen, dann werde Teil meiner Mitgliedschaft. Dort wartet noch mehr Wissen, Einblicke und das ein oder andere besondere Extra auf dich. 💛

Perfekte Fuchsfarben. 🧡🧡🧡

Vielen Dank fürs Lesen bis hierher und danke für eure Aufmerksamkeit. Habt eine schöne Woche!

Eure Frau Sommer

Sujet Naturkolumne

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