Hallo und herzlich willkommen zur ersten Ausgabe von Eloquent und kredibel, dem Newsletter von mir, Hank Zerbolesch. Und lasst mich dieses Format hier zuallererst für das nutzen, wofür es steht, für Neuigkeiten. Ich freue mich nämlich sehr, euch mitteilen zu können, dass der Ausschuss für Kultur, Sport und Jugend der Stadt Otterndorf mich zum Stadtschreiber 2026 gewählt hat. Das bedeutet: Vom 1. Juni bis zum 31. Oktober 2026 werde ich in Otterndorf wohnen, in einem kleinen klassizistischen Gartenhaus direkt am Park und nur einen Steinwurf entfernt von der Nordsee. Ich werde mich unter die Leute mischen, sie beobachten, Notizen machen, Pläne schmieden. Ich werd alles ein bisschen durchmengen, ein paar Veranstaltungen schmeißen und hier und da für Unruhe sorgen. (Bei knapp 7.500 Einwohnern geht das ganz schnell, hab ich gehört.) Auf all das freu ich mich sehr.
Aber am meisten, und so viel Ehrlichkeit muss sein, freue ich mich darüber, konzentriert und beinahe alltagsfrei an meinem neuen Roman zu arbeiten. Denn als Wortwerker in Goslar hab ich gelernt, dass es einen Unterschied macht, ob ich in Ruhe und Abgeschiedenheit an etwas arbeite, oder im persönlichen Alltag, der vollgestellt ist mit Anforderungen und Zwischenmenschlichkeiten und Nebenkostenabrechnungen und Entscheidungen wie der, ob ich das 30 Jahre alte Auto noch mal für teuer Geld reparieren lasse oder nicht. In Otterndorf spielt all das keine Rolle, 7.500 Einwohner, da machste alles mit dem Fahrrad. Und die Nebenkosten für das Gartenhaus übernimmt die Stadt. Es ist ein gutes Leben.
Das Format Newsletter
So. Und jetzt kommen wir zur Frage, was es hier über neue Buchveröffentlichungen, Preise, Stipendien, Lesetermine und andere karriererelevante Neuigkeiten hinaus noch für Inhalte geben wird. Was genau passiert hier? Wie oft passiert es und warum dieser Name? Eloquent und kredibel?
Der stammt aus einem Song von Stephan Weidner aka. Der W. In Der W zwo drei (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) singt er: „Ich verführe mit Worten, mit blumigen Reden, ich seziere penibel die Wunden der Seelen.“ Das ist eine exakte Beschreibung dessen, was ich in meiner Arbeit als Schriftsteller versuche zu erreichen. Und immer, wenn er ein paar Zeilen weiter singt: „Hier kommt der W zwo drei, eloquent und kredibel“, sitz ich da, mit einem fetten Grinsen im Gesicht, und denke: Warum ist mir diese Formulierung nicht eingefallen? Aber einer der Vorteile als Künstler ist der, dass mir das nicht einfallen muss. Ich kann das einfach nehmen und es mir zu eigen machen. Etwas Neues daraus machen. In diesem Fall: einen Newsletter. Einen, in dem neben klassischen Neuigkeiten auch anderes seinen Platz hat. Unveröffentlichte Kurzgeschichten, zum Beispiel. Aus meiner Arbeit an Gorbach (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) gibt es noch so viele Kapitel, die es aus konzeptionellen Gründen nicht ins Buch geschafft haben. Hier wird Raum dafür sein.
Darüber hinaus wird es einige Mini-Formate geben, zum Beispiel den Satz des Monats. Auf meinem Instagram-Kanal (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) teile ich Sätze des Tages. Das sind Sätze, die etwas in mir zum Klingen bringen. Die mich bewegen. An mir rumrütteln. Aus diesen Sätzen werde ich den rausfischen, der am heftigsten gerüttelt hat, und ich werd euch erzählen, warum er das tat. Und was die anderen Formate angeht … lasst euch überraschen.
Die Taktung
Mein erster Gedanke zur Schlagzahl des Newsletters war: Es wird eine unregelmäßige Geschichte, so wie auch das Leben als Schriftsteller ist. Erst passiert jahrelang nix, weil man Tag ein Tag aus am Schreibtisch sitzt, und dann plötzlich geht’s Schlag auf Schlag. Buchveröffentlichung, Besprechungen, Buchpreis, Bundesverdienstkreuz … und dann wieder Schreibtisch. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es viel schöner ist, wenn etwas eine Regelmäßigkeit hat. Und damit eine verlässliche Instanz wird. Wie das Kurzgeschichtenmagazin Das Gramm (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), der Podcast Hotel Matze (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder die Blogs von Aramis Merlin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Auf all diese Dinge freue ich mich schon, bevor sie überhaupt da sind. Auch darum erscheint dieser Newsletter jeweils zum Ersten eines Monats. Immer. Egal was passiert. Ich mein’s ernst. Die Frau brennt mit einem Politiker durch? Dieser Newsletter erscheint. Das Bein zerquetscht und von einer mutierten Boa constrictor gefressen? Dieser Newsletter erscheint. Katze explodiert? Dieser Newsletter erscheint! Da bin ich wie Der Spiegel: konsequent. Und weil ich hier sowieso die ganze Zeit andere Leute zitiere (wie gerade Neil Gaiman aus seiner Rede Make Good Art (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)), schließe ich die erste Ausgabe von Eloquent und kredibel mit dem Namensgeber dieses Newsletters: „Ich will dahin, wo ich Fremder bin. Weit weg von Routinen, die Freiheit fühlen.“ Otterndorf: Ich komme. Und ihr: kommt gut durch den Februar. Wir sehen uns nächsten Monat. Und wer noch nicht hat: abonniert diesen Newsletter.
Mit freundlichen Grüßen
Hank