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DIE MÄRZ-MAGIE

Geht´s dir wie mir? Der Frühling kommt immer genau dann, wenn wir ihn am dringendsten brauchen. Wenn lange Winter, Kälte und Dunkelheit hinter uns liegen, dann ist er nicht weit.

Der März. Ein Monat mit besonderer Magie. Eben weil er im genau richtigen Moment das Parkett des Jahreskreises betritt und mit ihm die ersten Frühblüher. Mit der Blüte der Hasel im Februar (die sicherlich nicht nur mich zum Niesen bringt), beginnt der phänologische Vorfrühling. Dann geht alles ganz schnell. Binnen weniger Tage öffnen sich die Blüten der Kornelkirsche und Wildkräuter wie Bärlauch, Ehrenpreis, Scharbockskraut oder Brennnessel recken ihre Hälse aus der Erde empor.

Das Naturjahr beginnt. Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen und die ersten Frühblüher zeigen sich. Doch Obacht, die Ruhe und die Kälte des Winters stecken noch tief in der Erde. Noch ist der Frühling fragil und es scheint, als könnte der Winter jederzeit noch einmal Einzug halten. Tiere befinden sich teils noch in ihrer Winterruhe und so dürfen auch wir uns daran erinnern, dass es im Vorfrühling vor allem eines braucht: Geduld.

Da erinnere ich mich an ein Gedicht von Josef Guggenmoos, das ich in der Grundschule lernte:

Die Tulpe

Dunkel war alles und Nacht.

In der Erde tief,

die Zwiebel schlief,

die braune.

Was ist das für ein Gemunkel,

Was ist das für ein Geraune,

dachte die Zwiebel,

plötzlich erwacht.

Was singen die Vögel da droben und jauchzen und toben?

Von Neugier gepackt,

hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht

und um sich geblickt

mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.

Ich erinnere mich noch gut, worüber ich beim Lernen dieses Gedichts nachgedacht habe. Der Gedanke, diese Tulpe könnte Neugier empfinden faszinierte mich. Auch heute - 20 Jahre später - ergeht es mir noch so. Denn auch wenn wir wissen, dass Pflanzen nicht in dem Maße Emotionen oder Schmerz empfinden wie wir (da ihnen Gehirn und Nervensystem fehlen), so wissen wir doch, dass sie hochsensible Organismen sind.

Pflanzen haben eine ausgeprägte Wahrnehmung. Sie nehmen Berührungen wahr, spüren sich verändernde Temperaturen, kommunizieren untereinander und reagieren auf Stress und Verletzungen.

Vielleicht spürt die Tulpe sie ja doch: die Neugier.

Stell´dir vor du bist diese Tulpe, die sich aus ihrer Zwiebel schält, ihr Köpfchen durch die Erde gräbt und zum ersten Mal dem Frühling begegnet. Mit all seiner fragilen Schönheit.

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