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Die nächste Lesung findet am 26.11. im Café Wanda statt.

Neugierig geworden, was euch erwartet?

Zum Beispiel eine Geschichte von David zu seinem Leib- und Magenthema, dem Sport:

Der Sport hat mein Leben verändert. Ich weiß nicht, wie ich so lange ohne ihn habe leben können. Keine Ahnung, wie viele Jahre meines Lebens mich meine jahrelange Sportverweigerung gekostet haben wird, wenn ich irgendwann mal den Löffel abgebe. Aber ich weiß genau, wie viele Jahre ich nutzlos verstreichen ließ, bevor ich das Ruder mit 57 endlich herumriss. 57 Jahre, in denen ich geglaubt hatte, Fußball sei nur etwas für Männer mit einem fortgeschrittenen Testosteronproblem, Skispringen ein Sport für verkappte Selbstmörder und Boxen eine Beschäftigung für Leute, die sich prügeln müssen, weil sie sich nichts zu sagen haben.
Ich bin ein Spätberufener, denn ich habe die Schönheit des Sports in meinem früheren Leben nicht zu sehen vermocht und erst als ich wie Saulus vor Damaskus vom Unglauben abfiel und endlich zu der Gewissheit durchdrang, dass ein Leben ohne Sport zwar möglich, aber für jemanden wie mich im Grunde verfehlt sei, erst seitdem hat sich mein Herz für die Ästhetik der Bewegung, die Eleganz der Zielstrebigkeit geöffnet.
Das geschmeidige Gleiten beim Eislaufen etwa, oder diese Explosion aller verfügbaren Kräfte beim Gewichtheben. Nie werde ich das donnernde Krachen vergessen, wenn die Langhantel mit all ihren Gewichtsscheiben nach erfolgtem Ausstoßen auf dem Boden einschlägt.
Nicht auszudenken, wenn ich heute von einem Tag auf den anderen auf Sport verzichten müsste. Mein Leben erschiene mir sinnlos.
Ich bin nicht stolz auf meine Umkehr. Schließlich war ich dringendem ärztlichem Rat gefolgt. Wenn auch vielleicht ein bisschen anders, als mein Hausarzt sich das für mich vorgestellt hatte. Schließlich muss jeder seinen eigenen Weg finden, wenn es um Leibesertüchtigung geht.
Dr. Jahnchen empfahl mir jedenfalls eine dieser Apps, auf denen sich eine Unzahl von Übungsanleitungen finden. Eine endlose Perlenkette kurzer Filmchen, bei denen durchtrainierte Schönheiten, ohne im Geringsten aus der Puste zu kommen, vor umwerfender Kulisse die aberwitzigsten Verrenkungen darboten und selbst bei den kompliziertesten Schrittfolgen nie aus dem Tritt kamen. Mir wurde allein schon beim Zusehen schwindlig. Für lediglich 5 € im Monat konnte man eine nie enden wollende Flut an Sportanleitungen streamen, deren Anforderungen sich zudem von Mal zu Mal steigerten.
Ich begann mit einfachen Workouts, steigerte mich dann bald zu Hard Core Challenges, bei denen selbst den hübschesten Animateuren der Schweiß auf der Stirn stand, wenn die letzten Beats verklangen und die nächste Einheit von der immer bestens gelaunten Moderatorin angekündigt wurde.
Nachdem mir diese Turnereien nichts mehr geben konnten, wandte ich mich der Leichtathletik zu. Ich beschäftigte mich intensiv mit Stabhochsprung und Zehnkampf. Später interessierte ich mich für Taekwondo, Ballett und Riesenslalom.

Ich habe mir jetzt einen dritten Fernseher installiert, damit ich bei der Fülle an Sportarten mithalten kann. Es ist alles eine Frage der Übung. Auf dem kleineren Bildschirm lasse ich für mein Ausdauertraining Workouts in Dauerschleife laufen. Auf dem zweiten Bildschirm schaue ich mir die Trainingsfilme von neuen Sportarten an, die mein Interesse geweckt haben. Der größte Fernseher ist für Großereignisse wie Olympia oder den New Yorck Marathon. Alle zwei Stunden mache ich eine Pause, damit die Augen nicht so ermüden und mache mir einen Eiweißshake oder einen Beerensmoothie. An guten Tagen schaffe ich 12 Stunden Fitnessfilme. Heute nicht. Ich muss noch Bier und Chips bestellen, denn um 7 kommen meine Freunde zum Champions League gucken.