Liebe Leserinnen und Leser,
heute geht es am Tag 10 um die eigenen Stärken und Ressourcen, die wir haben, um Krisen besser bewältigen zu können.
In schwierigen Zeiten neigen wir manchmal dazu zu vergessen, welche positiven Eigenschaften uns ausmachen und welche Stärken uns auszeichnen. In Anbetracht all der Krisen kann es manchmal sein, dass wir glauben, dass uns die Fähigkeit zur Bewältigung fehlt.
Mach dir deine Stärken bewusst
Resilienz ist etwas sehr Individuelles und Kontextspezifisches. Es kommt darauf an, welchem Stress Sie ausgesetzt sind und welche Ressourcen Sie dafür haben. Deswegen kann zum Beispiel ein bestimmter Stressor bei einer Person, die nicht die richtigen Ressourcen für den Umgang damit hat, extrem belastend für diese Person sein. Deswegen ist es hilfreich, ein breites Repertoire an Stressbewältigungsstrategien zu besitzen.
Ich bin überzeugt davon, dass wir alle deutlich mehr Ressourcen zur Bewältigung von herausfordernden Zeiten in uns tragen als uns oft bewusst ist. In vergangenen Krisen mussten wir bereits lernen, wie wir wieder auf die Beine kommen.
Der Blick auf die eigene Vergangenheit kann in solchen Zeiten hilfreich sein, um aktuelle Herausforderungen in der Gegenwart besser zu meistern. Indem wir uns bewusst machen, welche Schwierigkeiten wir bereits bewältigt haben, erkennen wir unsere eigenen Stärken und Fähigkeiten.
Deswegen lohnt es sich, sich zu fragen: Welche Herausforderungen habe ich in der Vergangenheit gemeistert? Was hat mir damals geholfen, diese Situationen zu überstehen? Um Krisen besser zu überstehen ist es wichtig, eigene Stärken zu kennen, um sie in belastenden Zeiten abrufen zu können.
Menschen haben dennoch unterschiedliche Startbedingungen. Wer finanziell gut abgesichert ist, kommt besser durch Krisen als die Person, die kaum finanzielle Ressourcen hat. Wer chronisch krank ist, hat weniger Kapazität im Alltag.
Dennoch glaube ich, dass es wichtig ist, dass wir unsere eigene Krisen-Liste machen. Wenn wir sie einmal brauchen, fällt uns oft nicht ein, was gerade gut tun würde.
🦖 Deine Übung für Heute
Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und mache folgende Übung:
Schaffe Dir einen ruhigen Moment. Denk an eine Situation, die du schon einmal gemeistert hast — eine Trennung, ein Konflikt, ein überfordernder Moment. Frage dich: Was genau hat mir damals gut getan? Was habe ich getan, um diese Situation zu bewältigen?
🖊️ Schreib 2–3 Stärken auf, die du damals genutzt hast (z. B. soziale Unterstützung suchen, Sport).
Diese Stärken kannst du auch in anderen turbulenten Zeiten nutzen, wenn du sie bewusst aktivierst.
Auch gesellschaftlich (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist es wichtig, vorhandene Ressourcen zu kennen und politisch zu fördern. Wie sieht eine Gesellschaft aus, die auf die Herausforderungen der Gegenwart resilient reagieren kann? Wer verfügt über welchen Zugang zu Ressourcen und wie lässt sich das so gestalten, dass es gesellschaftlich gerecht ist?
Ich wünsche weiterhin viel Spaß mit dem Kalender,
Deine
Pia Lamberty
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?
Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.
Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.
Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?
Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.
Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.
Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.
Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.
Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?
Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.
Falls Du mich noch nicht kennst:
Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) vorbei schauen.
Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.
Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)weiterbilden lassen.
Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.