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Storytelling - eine Frage des Mindsets

Hier gibt es immer wieder Tools, Tipps und Tricks, um bessere Texte, Beiträge und Geschichten zu schreiben. Und trotzdem tun sich viele schwer mit Storytelling. Der Grund dafür liegt tiefer: Sie haben den falschen Ansatz. Wir packen heute das Problem bei der Wurzel!

Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung!


Als ich einer Gruppe von Studis, die Radio ausprobieren wollen, beim Campusradio das Aufnahmegerät erkläre, merke ich es: Einige driften gedanklich weg. Es ist Freitagmorgen, ich bin im Master und habe gerade meinen Medientrainerschein in der Tasche.

Ich schalte einen Gang höher in den Alleinunterhalter-Modus. Das Gerät hat ein paar Fallstricke. Wenn sie jetzt nicht aufpassen, werden sie nachher nichts aufnehmen. Ich unterstreiche die Punkte zweimal mit roter Farbe am Whiteboard. Sie sind not impressed.

Jeder bekommt ein Aufnahmegerät und ich schicke sie mit einer Aufgabe raus. Eine halbe Stunde später trudeln sie wieder rein. Lachend, redend, gestikulierend. Völlig andere Energie.

Einer hat versehentlich nichts aufgenommen.

Quizfrage:

Was hätte ich anders machen sollen als ich das Aufnahmegerät erklärt habe?

Schreib’s in die Kommentare! Es gibt eine einfache Antwort.

Für die richtige Lösung schenke ich dir mein Feedback oder Tipps zu einem Projekt, an der du arbeitest: Webseiten-Text, Pitch, Skript, Social Media Post etc.. Max. Länge: 15 Word-Seiten bei gängiger Schriftgröße.

Der restliche Workshoptag ging mir leicht von der Hand. Alle hatten Bock, ich musste nicht mehr Animateurin spielen. Seitdem weiß ich:

📌 Nichts hat so einen großen Effekt beim Lernen wie die Erfahrung.

Erfahrung ist die schönste, erhellendste Art, Dinge zu lernen. Erfahrung ist auch die schmerzhafteste Art, zu lernen. Erfahrung birgt Risiken. Und da kommt Storytelling ins Spiel:

📌 Storytelling ist Erfahrung (quasi) ohne Risiken.

Storytelling im Gehirn 🧠

Wenn wir einem informativen Vortrag zuhören, werden Gehirnregionen aktiv, die Sprache verarbeiten. Im funktionellen MRT leuchten die Areale auf. Wenn wir eine Geschichte hören, leuchtet unser gesamtes Gehirn auf wie ein 🎄. Es werden Hormone ausgeschüttet, Bereiche für Sensorik oder Bewegung aktiviert.

Das, was in der Geschichte passiert, aktiviert die Gehirnregionen, die auch aktiv wären, wenn wir das Erzählte tatsächlich erleben würden. Wenn jemand in einer Geschichte springt, wird die Gehirnregion aktiv, die wir beim Springen benutzen.

Dieser Zustand, wenn wir eine Geschichte so aktiv miterleben, nennt sich (auf Englisch) Transportation.

📌 Geschichten simulieren Erfahrung physiologisch.

https://youtu.be/vyZMSZG2Dmk?si=5nOhH9g7iy4g6jGh&t=106 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Erfahrung durch Geschichten ersetzen ist schlau

Wenn wir wissen wollen, was Krieg mit Menschen macht, können wir

a) an die ostukrainische Front fahren, oder

b) wenige Personen fahren stellvertretend für uns hin und erzählen davon.

Am Ende ist allen hoffentlich bewusst, dass, Krieg am Handy erleben, nicht das gleiche ist, wie im Kriegsgebiet zu leben. Aber es reicht, um für Frieden einzustehen.

So kommst du zum Storytelling-Mindset

Halten wir fest:

1️⃣ Dein Publikum soll nicht einfach passiv zuhören und “nur” deine Inhalte verstehen. Du möchtest dein Publikum in die Story hinein “transportieren”. Es soll die Geschichte mit Haut und Haaren miterleben. Egal, was du vermittelst, sollte deine Leitfragen sein:

⭐ Wie mache ich meine Inhalte erlebbar?

⭐ Gibt es einen Konflikt? Was muss ich tun, damit mein Publikum sich davon maximal betroffen fühlt?

2️⃣ Zum anderen, wenn du schon davon ausgehst, dass dein Publikum aktiv ist, dann darfst du es auch fordern. Die Leute haben Freude daran, die Geschichte selbst zu interpretieren und aufzulösen. Schaffe die Gelegenheiten dafür, so gut es geht.

⭐ Gib deinem Publikum nicht die 4, gib ihm die Rechenaufgabe 2 + 2.

“Good storytelling never gives you four, it gives you two plus two … Don’t give the audience the answer; give the audience the pieces and compel them to conclude the answer.”

- Andrew Stanton, Drehbuchautor bei Pixar

Bis zum nächsten Mal!
Teodora

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