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Streaming goes to Hollywood
 đŸ“œïž [Slides und Talk von der re:publica]

Willkommen beim streamletter. Hier gibt es regelmĂ€ĂŸig die wichtigsten News aus der Streamingwelt. Egal ob Video, Audio oder Social Media. Wenn Du diese Mail weitergeleitet bekommen hast, kannst Du den streamletter hier kostenlos abonnieren. (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Diesmal eine etwas andere Ausgabe, ich prĂ€sentiere Dir die Newsletterfassung meines Vortrags „Streaming goes to Hollywood – und wir schauen aufs Handy“ auf der re:publica 2026. Erstellt auf Basis eines Transkripts, es gilt das gesprochene Wort.

Matt Damon, Joe Rogan und der Satz, der alles erklÀrt

Im Januar war Matt Damon zusammen mit Ben Affleck bei Joe Rogan im Podcast (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Gemeinsam wollten sie Werbung fĂŒr ihren neuen Netflix-Film The Rip machen – zweieinhalb Stunden Podcast als Promomaßnahme. Und irgendwann sagt Matt Damon einen Satz, der bestĂ€tigt, was wir schon lange angenommen haben: Netflix habe ihm geraten, den Plot, die Handlung des Films, im Dialog irgendwie drei- bis viermal zu wiederholen (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Damit auch wirklich der letzte sie versteht. Weil sie davon ausgehen, dass wir als Zuschauer nebenher sowieso am Handy hĂ€ngen und gar nicht richtig zuschauen.

Aus Netflix, also dem Vorreiter der komplexen Serie, mit Dramas wie House of Cards – mit mehreren HandlungsstrĂ€ngen, vor denen wir gebannt saßen, kaum die nĂ€chste Folge abwarten konnten – ist ein Hintergrundmedium geworden.

Wohin der Streaming-Markt sich entwickelt

Ich will heute aber genau hingucken, wohin sich der Streaming-Markt entwickelt. Ich bin Jannis Schakarian, beschĂ€ftige mich schon lange mit dem Medienwandel und schreibe seit mittlerweile zehn Jahren den Streamletter (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre), in dem ich immer wieder auf aktuelle Entwicklungen im Streaming eingehe.

Heute habe ich acht HandlungsstrĂ€nge mitgebracht, die ich gerade in der Streaming-Welt verfolge. Wir werden zwischendurch nach China schauen, wo Milliarden mit Mikrodramen umgesetzt werden. Wir schauen nach England zu BBC. Und wir schauen natĂŒrlich auch auf uns selbst.

Vor zwei Jahren (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) stand ich auf der re:publica BĂŒhne und habe ein bisschen ĂŒber das Ende von Prestige-TV gesprochen – und dass das Golden Age des Television vorbei sei. Jetzt setzen die Streamer mehr und mehr auf Werbetarife. Ganz vorne mit dabei natĂŒrlich Netflix, die lange gesagt haben: Nein, Werbung wird’s bei uns nicht geben.

1. Netflix und der Werbe-Boom

Netflix Werbeboom
(S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Inzwischen ist Werbung bei Netflix der massive Wachstumstreiber. Die monatlich aktiven Nutzer sind stark gewachsen – inzwischen sind es ĂŒber 190 Millionen (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Also mehr als das Zweieinhalbfache in den letzten zwölf Monaten (Deadline (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)).

Das heißt: Netflix erreicht mit seinem Werbetarif inzwischen mehr als jeder andere US-Broadcaster oder jedes andere Netzwerk. Und das hat natĂŒrlich Auswirkungen auf die Inhalte. Deswegen sehen wir jetzt auch, dass Netflix plötzlich Podcasts bei sich auf der Plattform anbieten will – Video-Podcasts. Viel Material, viele Stunden, in die sich mehr Werbeunterbrechungen einfĂŒgen lassen.

Netflix wird Hintergrundunterhaltung
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2. Looks like Netflix, smells like Netflix, it’s sh*t.

Das geht so weit, dass Netflix inzwischen sein Label Netflix Original beerdigt hat (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Wer erinnert sich noch, dass Netflix Original frĂŒher eine absolute Auszeichnung fĂŒr ein Premium-Produkt war? Lange galt: Netflix Original – das ist richtig gut, das lohnt sich auf jeden Fall anzuschauen. Ich weiß noch, als das erste Netflix Original kam, von dem man sagte: Naja, das war jetzt nicht so perfekt.

Inzwischen hat Netflix so viel von – sagen wir – gemischter QualitĂ€t, dass dieses Label nicht mehr taugt. Und genauso galt es lange als Auszeichnung, wenn man sagte: Das sieht ja aus wie bei Netflix. Der Netflix Look – Wahnsinn. Auch das gilt eigentlich nicht mehr. Inzwischen ist „Netflix Look“ unter Filmemacher:innen fast so etwas wie ein Schimpfwort geworden – zumal es in der ganzen Branche um sich greift.

Wo wir frĂŒher im Kino sehr dynamische Belichtung hatten, harte Schatten, auch harte Kanten, dunkle HintergrĂŒnde und VordergrĂŒnde, ist dem inzwischen eine sehr flache Belichtung gewichen: sehr hell, sehr kontrastarm. Warum? Naja, weil wir Netflix zum Beispiel auch auf dem Handy gucken. Netflix will, dass ich – egal auf welchem Bildschirm – möglichst alles erkenne. Vom Fernseher ĂŒber den Laptop bis aufs Handy. Deswegen eher kontrastarm, Mobile First, HDR soll mit drin sein, ich soll es möglichst immer erkennen können.

Der Netflix-Look
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Und das hat massive Auswirkungen. Wir sehen es am Beispiel zwischen Der Teufel trĂ€gt Prada 1 und Der Teufel trĂ€gt Prada 2. Klar, 20 Jahre spĂ€ter hat das Licht auch den Vorteil, vielleicht nicht jede Falte sehen zu mĂŒssen. Aber es sorgt inzwischen fĂŒr ein eigentlich langweiligeres Bild. Und das verbinden wir inzwischen mit dem Netflix Look.

3. Kino zwischen Marketinginstrument und KI-Showcase

Netflix hat das Kino als Marketinginstrument entdeckt.

Netflix hat das Kino inzwischen fĂŒr sich als Marketinginstrument entdeckt. Lange hat Netflix gesagt: Kino interessiert uns ĂŒberhaupt nicht. Wir haben die eigene Plattform, wir brauchen kein Kino. Dann hat sich Netflix gerade in diesem Bieterwettbewerb um Warner Brothers (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) mehr und mehr geöffnet. Wir sehen jetzt auch, dass das Greta-Gerwig-Remake von Narnia in die Kinos kommen soll (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) – vor allem auch, um mehr Buzz fĂŒr den Film an sich zu erzeugen.

Dass das erste Mal richtig gut funktioniert hat, war bei K-Pop Demon Hunters – bis heute der, glaube ich, erfolgreichste Film auf Netflix von Netflix. Den haben sie tatsĂ€chlich zwei Monate nach der Premiere auf dem Streamingdienst noch mal ins Kino gebracht und damit noch mal fast 25 Millionen Dollar eingenommen (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) (Box Office Mojo (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). Vor allem aber haben sie dafĂŒr gesorgt, dass noch mehr ĂŒber den Film geredet wurde.

Kino und Ki
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Paramount, David Ellison und die KI-First-Vision

111 Milliarden Dollar (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) zahlt Paramount am Ende fĂŒpr die Warner Bros. ĂŒbernahme, nachdem sich Netflix aus dem Bieterwettbewerb (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)zurĂŒckgezogen hat. Und dann die Frage: Was will Paramount damit? Wie wollen sie dieses Geld jemals wieder reinspielen?

Wenn man David Ellison zuhört, dann denkt er wohl an KI. Er will Paramount als AI First Company (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) aufstellen und sagt SĂ€tze wie: Naja, mit KI kann ich sehr schnell in Iteration kommen. Einen Film 15- bis 20-mal ĂŒberarbeiten, um ihn perfekt fĂŒrs Publikum zu machen.

Was das fĂŒrs KĂŒnstlerische bedeutet, stelle ich mal kurz hinten an – das wĂ€re noch mal ein Vortrag fĂŒr sich. Mir geht es in diesem Schritt darum, zu ĂŒberlegen: Stimmt es ĂŒberhaupt in der wirtschaftlichen Komponente, die er hier annimmt?

Reality-Check: Der Coca-Cola-KI-Werbespot

Ihr erinnert euch vielleicht an den Coca-Cola-KI-Weihnachtswerbespot (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) mit dem EisbĂ€ren, der so ein bisschen seltsam aussah, wo man dachte: Was stimmt mit ihm nicht? Der war mit KI – und danach wurde ganz viel darĂŒber geredet: Wie viel billiger war das jetzt? Hat sich das wirklich gelohnt oder nicht?

Herausgekommen ist, dass man 70.000 Clips (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) brauchte, um nachher eine Minute fertigen Werbespot zu haben (TheWrap (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). Das heißt: Von jedem einzelnen Shot, der es in den Spot geschafft hat, waren 2.000 da, die nicht gut genug waren.

Nun könnt ihr sagen: Naja gut, das war Weihnachten, seitdem hat sich KI schon dreimal weitergedreht. Aber es macht ein massives Fragezeichen an diese wirtschaftliche Überlegung von „KI wird uns ganz viel einsparen“.

Vor allem wissen wir ja: Diese KI-Companies verdienen alle noch kein Geld. Die geben uns gerade Tokens fĂŒr 20 Dollar im Monat, sammeln aber massiv Geld ein, um ĂŒberhaupt ĂŒberleben zu können, verbrennen eigentlich wahnsinnig viel Geld.

Das heißt, wenn die irgendwann den Switch machen und sagen „So, jetzt wird es leider deutlich teurer“ – ist da noch mehr Einsparpotenzial?

KI eröffnet kreative Möglichkeiten fĂŒr Filmemacher

Ich will hier nicht nur pessimistisch ĂŒber KI sprechen. Ich glaube schon, dass es auch neue kreative Möglichkeiten eröffnet. Deswegen habe ich euch ein Zitat von Jon Favreau (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) mitgebracht, dem Mann hinter Star Wars und The Mandalorian (The Town (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)):

Jon Favreau zu KI
(S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Filme waren schon immer ein Dialog zwischen dem, was ich erzĂ€hlen wollte – im Storytelling – und dem, was technisch eigentlich möglich war.

Ich glaube, dass wir da natĂŒrlich AnwendungsfĂ€lle sehen werden von Dingen, die vorher nicht möglich waren.

4. Fiktion erobert Hochkant

Wer kennt die beiden aus seinem Newsfeed? Jahrelang gab es immer wieder Pitches und Überlegungen: Wie kann man denn Fiction auf TikTok erzĂ€hlen? Und man hat gesagt: Das ist eigentlich nicht möglich, weil man weiß nicht, wie es ausgespielt wird.

Mit Brooklyn Coffee Shop (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) haben es die zwei eigentlich geschafft. Sie haben zwei sehr klar wiedererkennbare Charaktere geschaffen, ein wiedererkennbares Setting – sie spielen zwei sehr herablassende Baristas, wie man sie in Berlin wahrscheinlich auch finden wĂŒrde. Die bedienen immer wieder prominente GĂ€ste und sagen ihnen, dass es heute leider nur Wassermelonen-Samenmilch im Angebot gibt.

Und das ist nur ein Beispiel dafĂŒr, dass Fiktionales jetzt auch den hochkant Bildschirm erobern wird. Einmal haben wir etwas so Hochwertiges wie den Brooklyn Coffee Shop, der gerade mit dem Webby Award (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) ausgezeichnet wurde – aber auch hier den Einfluss von KI.

Zum Beispiel Fruit Love Island (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre), das innerhalb von wenigen Tagen die TikTok-Feeds geflutet bzw. im Sturm erobert hat: 10 Millionen Views pro Folge, 3 Millionen Follower in nur neun Tagen (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Quasi ein pures AI-Play auf die erfolgreiche Serie Love Island – auch wenn massiv fragwĂŒrdig und frauenfeindlich erzĂ€hlt, muss man dazu sagen.

Fiktion in Hochkant
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Microdramas: Der Milliardenmarkt aus China drÀngt nach Westen

Ähnlich wie beim nĂ€chsten Trend, den sogenannten Microdramas. Es gab einen einzigen Artikel (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre), der die ganze Branche in Aufruhr versetzte, weil es da hieß: Es werden ĂŒbrigens MilliardenumsĂ€tze mit Microdramas erwirtschaftet. Und alle dachten sich: Was? Wie funktioniert das?

Mikrodrama Markt in China (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

TatsĂ€chlich ist dieser Markt in China inzwischen auf 9,4 Milliarden Dollar Umsatz (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) angewachsen – das ist mehr, als dort an den Kinokassen verdient wird. UngefĂ€hr 2 Milliarden mehr. Die HandlungsstrĂ€nge dahinter sind eher fragwĂŒrdig. Das sind dann Titel wie:

  • „Lassen Sie sich niemals von einer heimlichen MilliardĂ€rsehefrau scheiden“

  • „Großer böser Ehemann, bitte wach auf 2″

  • Oder mein Lieblingstitel: „Pling, Mama, dein Schnuckiputz ist da“ – empfehle ich unbedingt in der deutschen Synchronisation (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)zu gucken, weil sonst einfach sehr viel Emotion verloren geht.

Das ist aber nicht nur ein PhĂ€nomen fĂŒr sich. Inzwischen haben auch alle anderen, auch die großen Streaming-Dienste, Hochkant-Videos angekĂŒndigt. Netflix fĂŒhrt sie ein, Amazon Prime auch. Die Frage ist: Werden sie es nur fĂŒr Discovery nutzen? Also: Ich scrolle am Handy durch, bis mich irgendetwas catcht, und steige dann immer noch in das breitformatige Langformat ein. Oder produzieren sie extra Microdramas?

Was spannend ist an diesen MilliardenumsĂ€tzen in China: Die Apps dahinter haben ein eigenes Vermarktungs-Ökosystem geschaffen (LA Times (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). Da wird man von einer Folge in die nĂ€chste geleitet, natĂŒrlich immer Mega-Cliffhanger nach dem anderen. Jede Daily Soap ist nichts dagegen, wie viele StiefmĂŒtter da auftauchen, wie dringend irgendwie ein Erbe fĂŒr den MilliardĂ€rs- oder Werwolfklan gesucht wird. Und plötzlich poppt auf: „Sag mal, willst du jetzt nicht mal zahlen, um weiter zu gucken?“ Entweder kann ich Coins kaufen oder ein Abo abschließen – fĂŒr 14,99 nicht im Monat, sondern in der Woche. Das erklĂ€rt auch, wie wir auf diese sehr hohen Umsatzzahlen kommen.

5. YouTube ist das neue Fernsehen

Dann schauen wir doch mal, wer eigentlich gerade den Fernsehbildschirm erobert. Und das ist YouTube (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). YouTube fĂŒhrt seit Monaten den US-TV-Markt an. 12,5 % Marktanteil (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) auf dem Fernsehbildschirm – damit vor allen anderen Sendern, vor allen anderen Streamern (Nielsen Gauge (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). YouTube wird auf dem TV an erster Stelle geguckt. Damit sind sie quasi die Nummer eins im US-Fernsehen, ganz ohne eigene Inhalte anzubieten.

YouTube dominiert US Fernsehmarkt (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Das konnte man gerade letzte Woche noch mal erleben bei den Upfronts – das ist das jĂ€hrliche Schaulaufen der Sender vor der Werbeindustrie. YouTube hat lauter neue Creator-Shows vorgestellt; sie produzieren die ĂŒberhaupt nicht selber. Es ist auch nicht wie frĂŒher, wo YouTube Produktionsfirmen aufgekauft und gesagt hat: „Hier ist schon mal ein Vorschuss.“ Nein, das sind Creator, die produzieren Shows, und YouTube sagt jetzt nur: „Okay, Werbekunden können hier auch direkt reinbuchen, quasi WerbeplĂ€tze“ – und versucht es noch ein bisschen mehr Premium zu machen. Aber die Creator behalten quasi die Hoheit.

(S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Und auch die BBC (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) hat darauf reagiert: Sie wollen jetzt exklusive Inhalte fĂŒr YouTube produzieren (Guardian (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). Lange hat man sich auf die eigene Plattform, den iPlayer, fokussiert. Aber es gibt eine ganze Generation an Menschen, die ihren kompletten Medienkonsum an YouTube ausgelagert haben – von Nachrichten ĂŒber Unterhaltung, Musik hören bis Podcasts. Alles findet ĂŒber YouTube statt. 13 % der US-Teenager sagen, sie sind eigentlich „constantly“ auf der Plattform YouTube.

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6. 7 vs. Wild: Eine Show kann man kaufen, eine Community nicht

7 vs. Wild lĂ€uft inzwischen ohne den Erfinder und Creator dahinter, Fritz Meinecke (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) – sondern wurde an eine Produktionsfirma verkauft. Und die letzte Staffel lĂ€uft lĂ€ngst nicht mehr so erfolgreich (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) wie die vorherige.

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Das Interessante ist: 7 vs. Wild lebte eben nicht nur von diesen sieben, acht Folgen Show an sich, sondern vor allem vom Ökosystem drumherum. Das fing schon Monate vorher an, wenn es darum ging, die Kandidaten auszuwĂ€hlen, den Ort zu bestimmen, die Regeln ganz genau zu besprechen, wer welchen Gegenstand nimmt, das Vorbereitungstraining und und und. All das hat schon einen Riesenbass erzeugt, bevor die Sendung ĂŒberhaupt losging. Und dann gab es zur Sendung selber auch lauter Reactions und eine Community drumherum, die bei allem mitdiskutieren wollte.

Das ist etwas, was man als Produzent in der Produktionslogik – oder als Sender – ĂŒberhaupt nicht beauftragen kann. So viele Stunden Inhalt können nur organisch aus der Community heraus entstehen und nicht geplant. Deswegen ist es so schwierig, wenn plötzlich das zentrale Gesicht weggefallen ist und man versucht hat, 7 vs. Wild von der Community weg grĂ¶ĂŸer zu machen, indem man bekannte Fernsehgesichter dazugenommen hat.

7. StÀrkeres Vertrauen in Personen als Marken

Vertrauen folgt inzwischen immer stĂ€rker einzelnen Personen und immer weniger Marken (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Creator brauchen nutzen und bauen zunehmen Infrastruktur dazwischen – zwischen sich und den Plattformen.

Wir haben so etwas wie Substack erlebt, wo viele einzelne Journalist:innen hingegangen sind, sich selbststĂ€ndig gemacht haben, um viel viel viel mehr Geld zu verdienen. Aber die dann sagen: Ja, aber so etwas wie jemand, der noch mal drĂŒberliest, wĂ€re doch ganz schön. Oder Rechtsschutz oder so. Und hier sehen wir gerade wieder eine Art von Firmen, die entstehen, die sich dazwischenstellen.

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Beispiel 1: New Things von Joanna Stern

Ein spannendes Modell als Beispiel finde ich New Things von Joanna Stern (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Sie war jahrelang beim Wall Street Journal, da die profilierteste Tech-Kolumnistin, und hat jetzt gesagt: Nein, ich baue meinen eigenen YouTube-Kanal auf – aber ich mache noch einen Distributionsdeal mit NBC (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre), um weiter deren Publikum zu erreichen.

Beispiel 2: Newpress von Johnny Harris

Ein anderes Beispiel ist Newpress (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) vom Youtuber Johnny Harris, der quasi den modernen Vox-ErklĂ€rer erfunden hat. Er hat sich ganz viel mit internationalen Konflikten und Grenzen auseinandergesetzt und sagt jetzt: Ich habe so viel Know-how ĂŒber Business und darĂŒber, wie ich einen YouTube-Kanal mit journalistischen Standards aufbaue. Damit will ich andere unterstĂŒtzen, die dann auch ihre eigenen KanĂ€le nach und nach hochziehen (Tara Palmeri (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)).

Wir können uns gerne im Anschluss, wer möchte, noch ĂŒber Ass-Turn der YouTube-Netzwerke unterhalten – aber das fĂŒhrt zu weit.

Beispiel 3: Vox Media und James Murdoch

Ein drittes Beispiel habe ich noch mitgebracht, weil es so spannend ist: Gerade wird berichtet, dass Teile von Vox Media an James Murdoch (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)– das ist vielleicht der am wenigsten rechts außen der Murdoch-Kinder – verkauft werden (Variety (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre), Vox Media Pressemitteilung (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)).

Es geht interessanterweise am wenigsten um die Websites dahinter, sondern am stĂ€rksten um das Podcast-Netzwerk, wo so große Namen dabei sind wie Kara Swisher und Scott Galloway – die aber ehrlicherweise auch jederzeit da weggehen können. Vox Media bietet ihnen nur die Infrastruktur fĂŒr die Werbevermarktung. Und daran ist James Murdoch trotzdem interessiert.

8. Was ich trotzdem sehr gerne gucke

Ich gucke trotzdem sehr gerne zu – einmal bei Apple TV (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Bei Apple TV hat man das GefĂŒhl, sie machen noch Dinge, die ihnen Spaß machen: hochkarĂ€tig besetzte, aufwĂ€ndige Sci-Fi-Serien oder Agentenserien. Über mehrere Staffel. Das wurde auch mal als „Prestige Dad TV“ bezeichnet (CQ (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). Damit bin ich wahrscheinlich ziemlich genau die Zielgruppe.

(S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)

Und ein zweites Beispiel: Dropout (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) hat inzwischen 1 Million zahlende Abonnent:innen. Und ich bin inzwischen einer davon. Sie sind hervorgegangen aus dem YouTube-Kanal College Humor (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre). Die Impro-Comedians dahinter haben sich zusammengetan – passend zu Corona – und den eigenen Streamingdienst gelauncht (LA Times (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)). Da steckt so viel KreativitĂ€t drin und so viel Herzblut, so viel tatsĂ€chlich menschenfreundliche Comedy, die Oliver Pocher wahrscheinlich nicht mal im Ansatz verstehen wĂŒrde, dass es eine wahre Freude ist, zuzuschauen.

Man merkt einerseits, dass die Abonnentengelder darin fließen, die Shows besser zu machen. Game Changer (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) ist eine Game-Show, die jedes Mal anders ist und jedes Mal ein anderes Spiel gespielt wird. Und gleichzeitig hat man immer noch das GefĂŒhl, man guckt einfach einer Gruppe Freunde dabei zu, wie sie unendlich viel Spaß haben.

Ausblick: Drei große Linien

Was sind die drei großen Linien, die wir hier gezeichnet haben – an denen sich dieses und das nĂ€chste Jahr entscheiden wird?

1. KI ist ĂŒberall

KI bewegt sich irgendwo zwischen Kostenargument, um Dinge einzusparen, und dem Potenzial, neue KreativitĂ€t freizuschalten. Ob es wirklich Einsparungen gibt – das wird sich frĂŒhestens, glaube ich, nĂ€chstes Jahr zeigen. Und auch nur dann, wenn die KI-Companies sich weiter gĂŒnstig im Wettrennen die Preise möglichst niedrig halten. Wir werden aber auch in Zukunft mehr und mehr gelungene Beispiele von KI sehen – auch von kleineren Creators, die damit neue Möglichkeiten bekommen.

2. Microdramas bleiben uns nicht erspart

Etliche Filmproduzenten suchen Menschen, die am Besten jahrzehntelange Microdrama-Erfahrung haben. Und hier ist die Frage: Wer knackt den Plattform-Mix? Wer schafft es, da etwas aufzubauen? Wenn das gelingt, könnte ein neuer Markt entstehen.

3. Creator-Community und Creator-Fixierung wachsen weiter

Wir werden noch stÀrkere Creator-Community und Creator-Fixierung sehen, an vielen Stellen. Und Vertrauen ist gleichzeitig eine WÀhrung, die nicht skaliert. Vertrauen muss aber unbedingt bewahrt und behalten werden, um die Community nicht zu verschrecken. Wer es schafft Creator und Community zu beteiligen, wird dauerhaft Audience gewinnen.

Danke fĂŒrs Mitlesen. Wenn Dir jetzt noch jemand einfĂ€llt, fĂŒr den oder die, der streamletter auch interessant sein könnte, leite diese Mail gerne weiter. Das hilft dabei, diesen Newsletter (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre) weiterzubetreiben.

Bleib gesund.

Jannis

@netzfeuilleton (S'ouvre dans une nouvelle fenĂȘtre)