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StreetLetter #23: K-special II Busan

Von den vollautomatischen Restaurant-Reservierungsautomaten und Gepäckaufbewahrungsautomaten habe ich in Teil 1 schon berichtet (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), in Busan erwartete uns ein vollautomatisches Hotel. Immerhin, es funktionierte alles, und es war zentral. Unser Zimmer war hoch oben, und wir hatten einen phantastischen Ausblick über den Talkessel. Busan ist aber nicht nur von Hügeln umgeben, sondern auf der anderen Seite auch von Meer. Und weil wir den halben Tag bis auf eine kurze Pipipause im Bus gesessen und nicht wenig Hunger hatten, fuhren wir zum Strand. Der ist in Busan zum Glück nie wirklich weit.

Am Gwangalli Beach (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) war ganz schön was los. Und alles leuchtete, immer noch wegen Buddhas Geburtstag. Meine Freunde überließen mich meiner Kamera und gingen spazieren. Ich hingegen hatte zu tun. Denn es gab im Vordergrund Kiefern, deren Äste gestützt wurden, es gab Schaukeln und Sonnenschirme und im Hintergrund eine Brücke, dazu gab es prächtigen Sonnenuntergang mit violettem Himmel und wie gesagt diverse Leuchtkörper. Dazu viele Menschen. Ach, und im Hintergrund links gab es Hochhäuser. Daraus sollte sich doch irgendwie das ein oder andere Bild zusammenbauen lassen. Ich also ans Werk.

Ich hatte wirklich richtig viel Spaß am Strand und hätte hier locker Tage verbringen können. Es war auch der schönste Strand mit der besten Stimmung. An anderen Stränden drängen sich die Malls oder sie sind einfach öde. Hier spielen abends Bands, zumindest so lange, bis sie wegen Ruhestörung verjagt werden, was ich etwas schade fand.

Am Hügel liegt auch das Gamchaeon Culture Village (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Im Koreakrieg hätte Nordkorea einmal fast das gesamte Land eingenommen, bis auf die Gegend ganz im Süden. Entsprechend floh halb Korea dorthin, und rund um Busan entstanden viele ärmliche Siedlungen, unter anderem in Gamchaeon. Bis 2009 war das so, dann beschloss das Ministerium für Kultur und Tourismus, die Sache anzugehen. Der einstige Slum wurde zu einem Künstlerdorf umgewandelt, heute ist er ein bißchen eine Tourifalle. Wenn man mit dem Bus ankommt, scheint alles fürchterlich voll. Aber abseits der drei Trampelpfade hat man das Dorf dann ja wieder mal für sich allein, wie es halt immer so ist.

Einen Tagesausflug wert ist die alte Königstadt Gyeongju (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Man kommt von Busan ratzfatz mit dem Zug hin, der schon wieder wahnsinnig günstig ist. Als Korea noch Silla hieß, hieß Gyeongju noch Seorabol und war die Hauptstadt, das war so etwa von 1. bis zum 9. Jahrhundert. Es gibt hier viele merkwürdige Hügel, auf denen man herumwandern kann und wo man orientalische Turteltauben trifft. Also die Vögel jetzt, ich interessiere mich ja für Vögel. Die Hügel sind aber eigentlich Grabhügel der gesamten Aristokratie des alten Silla.

Außerdem gibt es das älteste Observatorium Ostasiens, die Ausgrabung eines Palastes, die Rekonstruktion einer alten Brücke, diverse Tempelchen und Gärtchen und ein wirklich hübsches Dorf. Das ganze Ensemble ist natürlich auch Weltkulturerbe. Es ist ganz schön was los dort, weil Gyeongju auch ein beliebtes Ausflugsziel ist, dementsprechend sind alle Wiesen voller Familien. Heute ist es windig, deshalb lassen alle Drachen steigen. Als es zuzieht, packen alle hektisch ihre Picknickdecken zusammen, denn es soll noch regnen. Wir brechen auch auf, und kurz bevor das Unwetter losbricht, retten wir uns in ein Pony-Café (ja, da gibt es echte Ponys. Also draußen, vor dem Café).

Zurück nehmen wir aber wirklich den TRAIN TO BUSAN (Insiderwitz, bitte googeln) und weil wir naß und durchgefroren sind, ist es heute Zeit für eine weitere koreanische Spezialität: Ginsenghühnchen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Das ist eine sehr gesund schmeckende Hühnersuppe. Meine Freundin bekommt leider trotzdem einen Schnupfen.

Deshalb gibt es am nächsten Tag Schonprogramm. Wir fahren auf eine Insel im Süden, wo ein Touri-Bimmelbähnchen durch die Natur tuckert. Zurück geht es mit der Seilbahn.

Und das war auch schon mein letzter Tag. Am Morgen breche ich mit dem Bus auf nach Incheon, einer Vorstadt von Seoul, dort ist der Flughafen ganz in der Nähe. Incheon ist als alte Hafenstadt dann noch einmal erstaunlich interessant, denn hier befand sich die Kolonialverwaltung der Japaner, als sie die Insel annektiert hatten, auch eine chinesische Niederlassung gab es. Die Japaner haben lauter Banken gebaut, die alle aussehen, als stünden sie in Niedersachsen. Wer einen letzten Abend in Korea zu vertrödeln hat, kann das gut in Incheon tun.

Korea ist, so viel kann ich sagen, ein angenehmes Reiseland. Man kommt mit Englisch erstaunlich weit, wenn man sonst Japan gewohnt ist, wo man mit Englisch exakt nirgends hinkommt. Das Essen ist phantastisch, die Leute sind weitgehend entspannt, der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut, wenn man das System einmal raushat. So ziemlich überall findet man einen guten Kaffee. Aber das sind nur meine Prioritäten, ihr habt vielleicht andere.

10/10, would buy again.

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