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StreetLetter #24: Struktur im Gewimmel – ich schiebe mich über den Hessentag

Unsere Kollektiv-Ausstellung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ging nun zu Ende. Das ist ein bißchen bittersweet, weil man sich schon daran gewöhnen kann, daß es in der Innenstadt einen Raum gibt, in dem man Leuten seine Bilder zeigen kann. Und auch noch in einer Lage mit viel gutem Kaffee und gutem Eis drumherum, und sehr guter Pizza, die wir uns nach dem Abhängen (der Bilder! wir haben schon auch dort abgehangen, aber nicht beim Abbau) noch gönnten.

Andererseits ist es auch gut, endlich wieder mehr Zeit zu haben, um Fotos zu machen. Zu Fronleichnam habe ich den freien Tag genutzt und bin zum jährlichen Hessentag gefahren, der in diesem Jahr in Bad Vilbel stattfand. Von Frankfurt aus ist das nur ein Katzensprung mit der S-Bahn. Ich war noch nie beim Hessentag (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), aber ich habe schon geahnt, daß einiges los sein könnte, zumal an einem Feiertag. Ich überspringe mal den Teil, wo ich einem Freund in die Arme lief und wir sehr sehr lang für Bier und Bratwurst anstanden, und den Teil, wo ich vor lauter Stau leider nicht zu den Bundeswehrpanzern vorgedrungen bin, weil das sicher auch äh interessante Bilder geworden wären. Ich habe dann mit dem Minigolfplatz des Hessischen Rundfunks Vorlieb genommen.

Es ist bei so richtig großem Gewimmel gar nicht einfach, halbwegs übersichtliche Bilder zu machen, die aus mehr als aus Chaos bestehen. Was hilft, ist ein halbwegs strukturierter Hintergrund mit Formen oder auch Farben, die das Chaos ein bißchen vorsortieren. Ich gehöre ja eher zu den Anglern als zu den Jägern, also zu denen, die sich irgendwo positionieren und dann abwarten. Es ist aber bei so einem Platz schon nicht ganz einfach, die richtige Ecke zu finden, wo man fruchtbar lauern kann, und dann müssen ja auch noch die richtigen Personen vorbeikommen. So ganz zufrieden war ich am Ende mit nichts, aber so ist das eben manchmal. Dann kann man da ewig stehen und die hundertprozentig passende Konstellation aus Leuten stellt sich nicht ein. Man müßte halt wiederkommen, aber Hessentag ist nur einmal im Jahr und die ganze Minigolf-Pracht ist schon wieder abgebaut.

Ich bin dann zu einer Skatebahn weitergezogen. Die war geschwungen und aus Beton und bot einen sehr guten Hintergrund mit ordentlich Struktur.

Was an der Skatebahn super war: Man schaut von oben hinein. Ein Blick von oben ist immer gut, man hat große Personen im Vordergrund und sehr kleine im Hintergrund und sie überschneiden sich nicht allzusehr. Damit läßt sich schön was zusammenlayern. Im Vordergrund macht jemand das Bild gesund, nach hinten stuft es weg. Ich stand da ziemlich lange und habe eine Menge Fotos gemacht. Meist sehe ich beim Bearbeiten dann auf den ersten Blick, ob die Anordnung gelungen ist oder nicht. Entweder verteilt sich alles hübsch ohne Überschneidungen, oder es ist einfach Salat.

Eine andere, ähnlich gute Stelle war das Kneipp-Becken. Auch hier: Blick von oben, geschwungene Grundlinien durch Wasserbecken und Geländer, dazu eine Menge Leute. Man macht dann halt fuffzig Bilder, auf denen nur Mist ist, und eins paßt dann und zwei weitere so beinah. Solche Strukturen im Hintergrund sind immer Gold wert, und Stufen im Vordergrund auch, weil sie dafür sorgen, daß jemand einem richtig nahe kommt und fast ins Bild kriecht, und andere hinten weit weg sind und klein. Das bildet per se schon einmal einen interessanteren Kontrast, als wenn alle auf einer Linie stehen und gleich groß sind.

Ja gut, man kann natürlich auch auf einer Linie stehen, wie dieser Herr, der gerade mit der Betrunkenheits-Simulationsbrille Geschicklichkeitsaufgaben löst. Der Parcours war in so schön knalligen Farben gehalten, daß ich sofott getriggert war. Zum Glück war dort ordentlich Andrang, und ich konnte bei mehreren Leuten üben, wo die langlaufen, wann die sich bücken, wo die vermutlich dabei hocken werden. Ich hab mich also schön hinter das Schild mit dem dynamischen Läufer positioniert und hab die Leute auf mich zutorkeln lassen.

Bei allen Stationen hab ich mich nicht gar sonderlich weit bewegt. Ich bin ein, zweimal um die Sache herum, habe die beste Position gesucht – und dann kam es nur noch auf die Leute an und ihre ihre gleichmäßige Verteilung im Bild bzw. ihre Körperhaltung.

Eigentlich wollte ich ja Trachtengruppen fotografieren, aber denen war zu heiß, die saßen nur lethargisch im Schatten herum. Aber andere Tanzgruppen gab es.

Fazit: Hessentag ist top, 10/10, nächstes Jahr Fulda, count me in.

In eigener Sache:

Für meinen Museumsuferfest-Workshop am 30./31. August ist ein Platz freigeworden. Hier steht mehr dazu. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) Wer mag, schreibt mich gern an (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)!

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