Passer au contenu principal

Der letzte Tribut

Triggerwarnung: Dieser Text thematisiert düstere Inhalte (psychische und physische Gewalt - auch gegen sich selbst, traumatische Erinnerungen), die für manche verstörend oder unangenehm sein könnten.

Bitte lies dir diesen Text nur durch, wenn du dich dazu bereit fühlst und achte auf dein Wohlbefinden. Du bist herzlich eingeladen, zum Seitenende runterzuscrollen, um Daniels und Tonis Kunst zu bewundern!

Sie sticht zu. Das Firmament hängt über ihr, erstickt von dunklen Wolken, wie ein blinder, stummer Zeuge ihrer Hoffnungslosigkeit. Sie kniet atemlos im feuchten Laub des Waldes, der Körper entehrt, das Kleid zerfetzt, als hätte die nächtliche Kälte jede Bedeutung verloren.

Sie sticht zu. Ihre Tränen fallen lautlos auf ihren malträtierten Körper, mischen sich mit ihrem Blut und versinken in den eingeritzten Runen auf ihren Unterarmen. Jeder Stich flutet ihren Körper mit einer Welle des Schmerzes, die das letzte bisschen Menschlichkeit aus ihr spült.

Sie sticht zu. Der Hass, der sich tief in ihr eingenistet hat und keinen Platz mehr findet, lässt sie das Messer immer wieder auf sich runterschnellen. Sie haben sie ihrer Menschlichkeit beraubt. Sie sticht zu.

Trotz des Schmerzes spürt sie immer noch ihre lüsternen Hände aus der Dunkelheit, hört ihre eigenen erstickten Schreie in sich widerhallen, spürt das Gewicht dieser widerwärtigen Bastarde auf ihrem Körper, an ihren Beinen, aber mit jedem qualvollen Stich verbannt sie die Machtlosigkeit der letzten Stunden aus ihrem Fleisch. Sie sticht zu.

Sie haben ihr Herz vergiftet. Sie haben sie geschunden, geschlagen, entehrt…

Ein Wimmern fährt über ihre bebenden Lippen. Sie sticht zu. Der Tod wäre eine Erlösung gewesen. Aber nicht einmal dieses “Geschenk” haben sie ihr gewährt. Sie sticht zu. Sie haben sie halb zugrunde gerichtet, blutüberströmt im nassen Schlamm zurückgelassen, nachdem sie mit ihr fertig waren.

Sie sticht zu. Sie hat nach Hilfe geschrien, geklagt, geweint. Aber die Schatten, die an ihr vorbeizogen, schenkten ihr keine Aufmerksamkeit. Sie sticht zu. Dort lag sie…von genug Hass zerfressen, um die Götter selbst anzuklagen.

Sie sticht zu. In ihrem Wimmern flüstert ein Gebet, das keines ist. Sie sticht zu. Sie sticht zu. Sie sticht zu. Ein Schwur, gesprochen an ihre Peiniger und eine Welt, die weggesehen hat.

Während sie weiterhin unaufhörlich auf sich einsticht, beobachten sie rabenschwarze Augen aus dem kahlen Geäst um sie herum. Dutzende, vielleicht mehr, schwarz gefederte Richter, die dort erscheinen, wo die Hoffnung stirbt.

Ein letztes Mal hebt sie die bereits stumpfe Klinge an…Schmerz und Blut im Austausch für Gerechtigkeit…und vergräbt sie in den Tiefen ihrer Eingeweide.

Sie sackt in sich zusammen und fühlt, wie das Erdreich sich gierig an ihrem tiefroten Lebenssaft nährt. Der aufkommende Wind riecht nach Eisen und Verfall, die Krähen neigen gleichzeitig ihre Köpfe und im Unterholz regt sich etwas, das älter ist als jede Schuld.

Auf ihrem entstellten Gesicht zeichnet sich ein letztes Lächeln ab…

Sujet Die Welt von Vytra

2 commentaires

Souhaitez-vous voir les commentaires ?
Devenez membre de Tales off the Script pour rejoindre la conversation.
Adhérer