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Was ist eigentlich mitochondriale Medizin? Und wie kriegen wir durch sie wieder mehr Power?

Dr. Ulrike Hollneck in ihrem Element: Mitochondriale Medizin ist ihr Fachgebiet und man versteht sofort, was sie daran so fasziniert, wenn man mit ihr in die Zusammenhänge eintaucht.

 Dr. Ulrike Hollneck ist mit den Mitochondrien “per du”: Sie ist Fachärztin für Innere Medizin mit einer Schwäche für eben diese, ehrliche Klarheit und Menschen, die eigentlich „funktionieren“, sich aber innerlich leer fühlen. Sie verbindet funktionelle Medizin, Zellgesundheit und modernes Coaching zu klaren Programmen für alle, die wieder Energie, Fokus und Körpergefühl wollen – ohne Gesundheits-Bullshit, aber mit Tiefgang. Privat neugierig, direkt und überzeugt davon, dass echte Leistungsfähigkeit immer in der Zelle beginnt. Und genau da setzen wir jetzt an. 

Ulrike, was versteht man genau unter mitochondrialer Medizin? 

Mitochondriale Medizin setzt die Gesundheit unserer Zellen in den Fokus- genauer gesagt die der Mitochondrien, das sind die Kraftwerke unserer Zellen. Sie produzieren ATP, das ist quasi die Energiewährung des Körpers. ATP kann man sich wie das Aufladen einer Handy-Batterie vorstellen: Wenn die Zellkraftwerke nicht genug Strom liefern, reicht die Energie irgendwann nicht mehr und die brauchen wir ja für alles: Bewegung, Konzentration, Schlaf, emotionale Stabilität, Herzfunktion, Nervensystem. Wenn die Mitochondrien nicht gut arbeiten, fehlt Energie- egal, wie gesund man auf dem Papier aussieht.

Wie hilft uns das konkret? Woran merke ich, dass bei mir in dem Bereich etwas nicht stimmt?

Typisch ist eine Müdigkeit, die sich nicht durch Schlaf ausgleichen lässt: Man schläft sieben oder acht Stunden und fühlt sich trotzdem wie „leer“ und nicht erholt. Oft kommen weitere Signale dazu – etwa schnelle Erschöpfung beim Treppensteigen oder Sport, Muskelschmerzen oder Muskelbrennen, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Magen‑Darm‑Beschwerden oder das Gefühl, emotional dünnhäutiger und schneller überreizt zu sein. Viele Betroffene funktionieren nach außen noch gut, gehen arbeiten, kümmern sich um Familie und Alltag – innerlich fühlen sie sich aber dauerhaft erschöpft und wie von ihrer eigenen Energiequelle abgekoppelt.

Meist wird das mit äußeren Umständen erklärt: Stress, kleine Kinder, Schichtarbeit, „das Alter“. Ein Teil davon stimmt natürlich – aber manchmal reicht diese Erklärung nicht aus. Wenn der Körper über längere Zeit selbst in Ruhe nicht mehr genug Energie auf Zellebene produzieren kann, spürt man das, auch wenn das Blutbild unauffällig ist. Genau dann lohnt sich der Blick nach innen: Warum ist es gerade jetzt so ausgeprägt? Und warum kommen andere unter ähnlichen Bedingungen besser zurecht? An diesem Punkt setze ich an und suche nach Ursachen – unter anderem bei den Mitochondrien.  

Viele haben ja unauffällige Blutwerte. Wie passt das zusammen?

Das ist ein großes Thema. Klassische Blutbilder zeigen häufig nichts Auffälliges. Blutwerte sind oft im ‚Normbereich‘ – aber ‚normal‘ heißt nicht automatisch ‚optimal‘. Ein Klassiker ist zum Beispiel Eisen oder der Eisenspeicher: Werte, die auf dem Papier noch okay sind, können sich im Alltag schon als Energiebremse bemerkbar machen. Viele – vor allem Frauen – liegen knapp im Normbereich, etwa bei Ferritinwerten um 15 oder 18ng/ml. Formal okay. Für die Mitochondrien ist dieser Wert aber oft zu wenig, denn bestimmte Prozesse laufen erst ab Werten größer 30ng/ml zuverlässig. Ist man dauerhaft darunter, fehlt Energie – nicht plötzlich, sondern schleichend. Man hat sich auf ein niedriges Niveau eingependelt. Das ist nicht okay. Wenn man da mit Eiseninfusionen unterstützt, kann das sehr zum Wohlbefinden beitragen. 

Viele haben ja immer Angst, wenn es um Eiseninfusionen geht. Ist das berechtigt? Was ist mit Tabletten? 

Viele haben verständlicherweise Angst vor Eiseninfusionen, denn bis in die 1990er-Jahre enthielten die Präparate oft problematische Zusatzstoffe wie beispielsweise Dextran, die schwere allergische Reaktionen auslösen konnten. Deswegen wird es teilweise immer noch häufig in den Hausarztpraxen abgelehnt. Heute sind moderne Präparate wie Eisensucrose oder Eisencarboxymaltose deutlich sicherer, ohne diese riskanten Komplexbildner.

Häufiger sind leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, metallischer Geschmack oder ein vorübergehendes Grippegefühl – die klingen meist nach Stunden oder Tagen ab. Deshalb wird die Infusion immer unter ärztlicher Aufsicht gegeben. Tabletten hingegen werden oft nur zu 10–20% aufgenommen und brauchen Vitamin C zur Unterstützung. Bei der Infusion wirkt das Eisen direkt und zuverlässig im System.

Wenn die Zellbatterien schleichend leer laufen, ist eine Infusion oft der schnellste Weg, wieder Energie zu spüren, ohne monatelanges Warten auf Tablettenerfolg.

Eins ist sicher: Wenn uns die Batterien ausgehen, dann ist das nicht von jetzt auf gleich, sondern ein schleichender Prozess. Und da sollte man lieber rechtzeitig eingreifen. 

Welche Rolle spielt das Herz dabei?  

Das Herz ist ein echter Marathonläufer: es schlägt rund 100.000 Mal am Tag und braucht dafür ständig Energie in Form von ATP. Studien zeigen, dass eine unzureichende mitochondriale Funktion mit einer Herzschwäche verbunden sein kann.

Ein klassisches Beispiel macht das gut verständlich: Muskeln können sich nur entspannen, wenn genug ATP vorhanden ist – ohne Energie verhärten sie. Genau das passiert nach dem Tod bei der Leichenstarre. Beim lebenden Herzen bedeutet das: Bei Energieknappheit pumpt es nicht mehr so kraftvoll, was zu einer Pumpschwäche, einer sogenannten Herzinsuffizienz führen kann. Deshalb schaue ich bei entsprechenden Symptomen immer auch auf die Zellenergie.

Zusätzlich schaue ich mir an, ob der Körper unter oxidativem Stress leidet. Das sind freie Radikale, also aggressive Moleküle, die durch Stress, Umweltgifte oder chronische Entzündungen entstehen. Diese schädigen die Mitochondrien wie Rost ein Auto und erhöhen den Energiebedarf. Und je mehr freie Radikale vorhanden sind, desto höher ist der Stress im Körper – und desto stärker werden die Mitochondrien geschädigt.

Typische Hinweise sind unter anderem erhöhte Entzündungswerte oder ein Ungleichgewicht bei Mikronährstoffen wie Magnesium, B-Vitaminen und Coenzym Q10 – alles Bausteine für die ATP-Produktion.

Ein Magnesiummangel soll ja weit verbreitet sein? 

Ja, das sehe ich sehr häufig. Viele Menschen liegen hier nur im unteren Normbereich oder sogar knapp darunter. Magnesium ist ein echter Schlüsselplayer: es ist nämlich essenziell für den letzten Schritt der ATP-Bildung. Und unser stressiger Lebensstil verbraucht es enorm – das ist ein häufiger Engpass.

Ich gehe dabei immer sehr pragmatisch vor und arbeite gern mit Magnesiumkomplexen mit mehreren gut verträglichen Formen wie Citrat, Bisglycinat oder Taurat. So kann der Körper selbst wählen, was er braucht, ohne dass der Darm sofort rebelliert. Man steigert die Dosis langsam bis zur individuellen Verträglichkeit.

Das überlastete Nervensystem ist ja gerade in aller Munde. Welche Rolle spielt das? 

Auch das Gehirn leidet unter Energieknappheit, denn Nervenzellen feuern rund um die Uhr Signale und dafür brauchen sie die Natrium-Kalium-Pumpe, eine Art „Stromkreis", der mit ATP läuft. Fehlt diese Energie, kommt es zu Konzentrationslöchern, Reizbarkeit, dem Gefühl „unter Strom" zu stehen und unsere Erholung während des Schlafes kommt zu kurz.

Denn das Interessante am Schlaf ist: Tagsüber wird ATP zu Adenosin abgebaut – das erzeugt den Schlafdruck. Je länger wir also wach sind, desto höher der Adenosinspiegel. Nachts muss Adenosin wieder abgebaut werden, damit wir frisch und erholt aufwachen.  Sprich: Ohne ausreichende Energie gibt es keinen erholsamen Schlaf. Wichtig sind deshalb feste Schlaf-Wach-Rhythmen – möglichst gleichbleibend über die Woche, kein Blaulicht abends (Blaulicht- oder Handyfilter!), Koffein maximal bis 14 Uhr – wegen der langen Abbauzeit von 8–10 Stunden.


Okay, kommen wir zur mitochondrienfreundlichen Ernährung. Jetzt wollen wir es ja wissen! Was ist der Teller, der immer funktioniert? 

Man kann die Mitochondrien immer unterstützen. Nicht nur, indem man die richtigen Dinge isst, sondern auch einiges weglässt oder reduziert. Eine stabile Energieversorgung der Zellen braucht vor allem einen ruhigen Blutzucker. Zu viele leicht verdauliche Kohlenhydrate, wie Weißbrot, Süßigkeiten, Softdrinks lassen den Blutzucker rasch ansteigen und wieder abstürzen. Das überfordert die Mitochondrien und erzeugt freie Radikale. Besser sind komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchten oder ganz und gar fettbasierte Energie aus Nüssen, Avocado, Olivenöl, die Mitochondrien schonen. Ich orientiere mich gern daran, wie unsere Ur-Großeltern gegessen haben: regional, saisonal, unverarbeitet - frisches, selbst angebautes oder eingemachtes Gemüse, hochwertiges Fleisch/Fisch, natürliche Fette. Und vor allem keine ständige Nahrungszufuhr - da gab es lange Pausen, also genügend Zeit für die Autophagie, sprich für die Zellreinigung.

Aber auch Bausteine wie Aminosäuren aus Fleisch, Eiern, Fisch sind essenziell für die Enzymproduktion und Zellreparatur. Junge Frauen oder Vegetarierinnen brauchen hier oft gezielte Unterstützung.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind natürliche Antioxidanzien, wie grüner Tee, Beeren, Aronia-Saft, polyphenolreiches Olivenöl, Ingwer, Kurkuma. Generell gilt: Sekundäre Pflanzenstoffe wirken am besten in natürlicher Form. Also lieber selbstgemacht als hochdosiert aus der Kapsel.

Dann gibt es die Dinge, die man lieber weglässt: Alkohol ist ein Zellgift – immer. Wenn möglich, stark reduzieren. Auch Schwermetalle sind ein Thema, etwa bei bestimmten Fischarten. Süßwasserfische wie Forelle, Saibling oder Karpfen sind oft besser als ständig Meerwasserfisch. Kaffee ist nicht grundsätzlich schlecht – die Menge macht’s. Ein bis zwei Tassen am Vormittag sind meist unproblematisch, nachmittags stört die lange Abbauzeit (8–10 Stunden) aber Schlaf und Energie. Gluten stört bei täglichem Verzehr, also wenn wir Brot, Pasta & Co mehrmals täglich essen, oft die Darmbarriere – das kann stille Entzündungen im ganzen Körper auslösen. Ab und zu mal glutenhaltig essen ist meist kein Problem.

Am Ende geht es nicht um totale Verbote oder perfekte Konzepte, sondern darum, die größten Energieräuber zu minimieren und den Körper so zu versorgen, dass die Zellen wieder genug Energie haben, um ihre Arbeit zuverlässig zu machen.

Wer gerne mehr über Dr. Ulrike Hollneck erfahren oder Kontakt aufnehmen möchte, findet sie hier: 

https://dr-ulrike-hollneck.de/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Mein persönlicher Tipp für mehr Energie- dieses Q10-Spray, das die Mitochondrien stärkt. Habe ich immer in der Handtasche und schwäre drauf:

https://natugena.de/artikeldetails/Q10-Ubiquinol-20.aspx?r=15371 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Und wie immer gilt der Haftungsausschluss: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachkräfte. Für Schäden oder Folgen aus der Anwendung der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen Fragen wendet euch bitte an eine medizinische Fachperson. Für Inhalte externer Webseiten, auf die wir verlinken, übernehmen wir keine Haftung. Für diese Inhalte sind ausschließlich die jeweiligen Betreiber verantwortlich. Bei Kenntnis rechtswidriger Inhalte entfernen wir entsprechende Links nach Hinweis umgehend.  

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