Mit sofort umsetzbaren Tipps, die nichts kosten und sogar Panikattacken auflösen! Ein Interview mit Feel good- Osteopathin Korinna Söhnholz

Korinna Söhnholz will Frauen aus dem Dauerstress rausholen. Und das macht sie so fröhlich, dass man sich einfach nur anstecken lassen kann. Dass sie ausgebildete medizinische Bademeisterin, Physiotherapeutin, Osteopatin, Heilpraktikerin ist und über unglaublich viel Wissen verfügt, ist das eine. Das andere, dass sie jemand ist, der sehr genau hinschaut, wenn der Körper flüstert.
Hinzu kommt der Alltag in ihrer Praxis. Viele Jahre hat sie Rücken behandelt, Kiefer gelockert, Becken ausgerichtet. Sie weiss, was Stress mit uns macht. Ein persönlicher Einschnitt – eine Operation an einer Eierstockzyste – richtete ihren Fokus nochmal neu aus, denn sie fragte sich: Was will mir mein Körper eigentlich sagen?
Seitdem denkt Korinna keinen Körper mehr ohne Lebensgeschichte. Sie begleitet Frauen online und verbindet Anatomie mit Achtsamkeit, Handwerk mit Haltung und einem Hauch Spiritualität. Mein Tipp: Gleich ein bisschen mitmachen beim Lesen, wenn´s knirscht, es tut so gut.
Korinna, viele Frauen fühlen sich dauerhaft erschöpft. Woran erkennst du, ob es „nur“ Stress ist oder ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel?
Ein deutliches Zeichen kann hartnäckiges Bauchfett sein. Auch wenn du nachts immer wieder aufwachst, oft gegen halb drei, kann das ein Hinweis auf einen erhöhten Cortisolspiegel sein. Auch Wassereinlagerungen und Akne können ein Hinweis sein.
Cortisol ist unser Stresshormon. Wenn es über längere Zeit erhöht ist, geraten wir irgendwann in Erschöpfung, denn die Nebennieren machen nicht mehr mit.
Die sitzen auf den eigentlichen Nieren und müssen die ganze Zeit quasi durchfeuern. Wenn sie dauerhaft unter Spannung stehen, fallen wir in eine Art Erschöpfungszustand. Meist sind wir zu diesem Zeitpunkt schon lange über unsere eigenen Grenzen gelatscht. Sprich: Wir haben unseren Körper nicht gehört, uns zu wenig Pausen zugestanden. Wir brauchen Anspannung und Entspannung. Nicht immer nur funktionieren und für alle da sein. Wenn unser Gefäß überläuft, können wir geben. Aber viele von uns haben gelernt, dass erst die anderen drankommen. Besonders mit Kindern steht man als Mutter oft an letzter Stelle. Das ist der Weg in die Erschöpfungsspirale.
Man kann ja Cortisol ganz klassisch messen lassen, aber ich erkenne Stress oft auch körperlich. Zum Beispiel am Hüftbeuger, dem Psoas, der in der Nähe der Nebennieren sitzt. Der ist bei vielen Menschen verspannt, viele klagen über Rückenschmerzen oder schaffen keine Ausfallschritte mehr. Und wenn der Psoas ständig angespannt ist, ist das, als würde man permanent auf die Nebennieren klopfen. Der Körper, in dem wir stecken, ist eigentlich vollkommen logisch, wenn man ihn versteht- er weiss alles.
Für mich ist die Ganzheitlichkeit entscheidend. Wir sind zu komplex, um nur einzelne Werte zu betrachten. Nach 26 Jahren Arbeit mit Patientinnen weiß ich: Was bei der einen wirkt, wirkt bei der anderen nicht. Deshalb gebe ich viele Tools an die Hand. Jede darf ausprobieren, was ihr Power gibt. Und eines der ersten Dinge, die wir wieder lernen müssen, ist Pausen machen.
Oh, das kommt mir bekannt vor. Was bedeutet Pause wirklich?
Pause heißt nicht, nichts zu tun. Pause heißt, aus der Optimierungsschleife auszusteigen. Nicht schon wieder planen, organisieren, denken, sondern ´reinspüren: Was tut mir gerade gut? Vielleicht ist es ein Tee. Oder ein Kaffee. Der knisternde Milchschaum auf dem Matcha. Es geht darum, die Sinne zu benutzen. Wie fühlen sich meine Füße an? Ist mir warm oder kalt? Präsenz entsteht nicht dadurch, dass man perfekt meditiert. Beim Meditieren kommen oft hundert Gedanken hoch. Wann muss ich das Kind irgendwie abholen? Fehlt noch etwas im Kühlschrank? Die Wäsche wartet aufs Zusammenlegen. Präsenz entsteht dadurch, dass ich wahrnehme, indem ich aus dem Gedankenkarussell aussteige.
Du empfiehlst kaltes Duschen. Warum?
Viele Frauen in meinem Kurs duschen morgens kalt. Zehn Sekunden reichen. Der Kältereiz aktiviert den Vagusnerv. Wenn der aktiviert ist, bist du im Körper. Das hilft sogar bei Panikattacken, bei diesem inneren Kribbeln oder Überaktiviertsein. Es sind oft kleine Veränderungen, die uns aus der Cortisolspirale holen.
Warum ist der Vagusnerv so ein wichtiger Verbündeter in Sachen Entspannung?
Der Vagusnerv verläuft vom Haaransatz am Hals entlang, am Kopfdrehmuskel vorbei, und verbindet Herz, Lunge, Darm und viele andere Organe. Wenn du weißt, wie er verläuft, verstehst du, wie einfach du ihn aktivieren kannst.
Mein Tipp: Durch Kopfdrehen. Durch tiefe Atmung über das Zwerchfell. Durch Bewegung. Jedes Mal, wenn du Sport machst, einem Kind hinterherläufst, eine Treppe hochläufst, Sport machst oder tanzt, aktivierst du ihn. Unter uns: Man kann ich auch super morgens auf der Toilette drehen: Links frische Energie einatmen, rechts aus, denn nach rechts geben wir alles ab. So simpel kann es sein.
Es gibt übrigens dazu eine spannende Studie mit Hotel-Putzfrauen: Einer Gruppe wurde gesagt, dass ihre tägliche Arbeit als Bewegung und Sport zählt, der anderen nicht. Drei Monate später hatten die Frauen in der “Sport-Gruppe” messbar bessere Vitalwerte und mehr Muskelaufbau – allein durch die veränderte Wahrnehmung. Wenn Du weißt um deinen Vagusnerv, aktivierst du ihn viel einfacher. Das wiederum verändert deine Biochemie und letztendlich dein Leben. Und das ist immer mein Ziel: Ich will dein Leben verändern. Im nächsten Schritt veränderst du dann auch deine Gedanken, aber greifen wir zu weit vor. Was auch immer geht, um den Vagusnerv anzuschmeissen ist singen und summen, Wangen aufblasen und die Luft auspusten. Mit den Kindern habe ich früher immer die Ampeln grün gepustet. Das entspannt den Kiefer, der mit den Faszien im Nacken verbunden ist, verringert die Säureproduktion und nimmt den Stress raus. Das darf sogar Spaß machen. Und so hat man viele kleine Dinge in seinem Alltag, die nichts kosten und überall umsetzbar sind.
Welche Rolle spielt denn der Darm?
Wenn wir im Stress sind, fährt der Körper zuerst die Verdauung herunter. Evolutionär war das ja auch sinnvoll – wenn wir vor einem Tiger weglaufen mussten, brauchten wir keine Verdauung.
Aber heute bleiben der ganze Kram im Darm liegen und wir vergiften von uns von innen. Das Mikrobiom leidet. Der Körper entgiftet dann unter Umständen über die Haut- deshalb kann Stress auch Hautprobleme verstärken.
Ich empfehle meinen Patienten morgens einen halben Liter warmes Wasser, so um die 50 Grad, zu trinken. Das regt Darm und Vagusnerv an, verbessert die Durchblutung und unterstützt die natürliche Regulation, regt die Hormondrüsen an und füllt auf, was wir in der Nacht übers Schwitzen verloren haben. Erst danach ist Matcha, Kaffee & Co erlaubt. Nahrungsergänzungsmittel bringen wenig, wenn der Darm nicht gut arbeitet. Stressreduktion ist tausend Mal besser als jede Detox-Kur. Den Schnickschnack kannst du dann on top machen, wenn du in der Entspannung bist, also Zucker ganz weglassen, Routinen entwickeln, Supplements, Hormone. Das kommt bei mir alles erst danach.
Kann man Gedanken und Gefühle wirklich verändern?
Zwischen null und sieben Jahren werden wir stark von unseren Eltern geprägt. Über unsere Spiegelneuronen übernehmen wir Muster und Gefühle unserer Eltern. So wie sie sich gefühlt haben, fühlen wir uns auch. Wir sind die Kopie unserer Eltern, nur eventuell falsch bespielt. Und einen Rest-Knopf gibt es leider nicht. Aber: Wir können unsere Gehirnwellen beeinflussen und in einen anderen Zustand bringen. Die Ursache sind immer unsere Gedanken- und die müssen wir ändern. Wir müssen uns fragen:
Was denke ich gerade?
Wie fühlt sich das an?
Wie möchte ich mich fühlen?
Wenn wir das regelmäßig üben – morgens und abends – verändert sich etwas. Natürlich gilt das nicht für das Leben selbst, sondern für die Lücke zwischen Reiz und Reaktion. Wenn du frisch verliebt bist, ärgerst du dich ja auch nicht über den Nachbarn oder das unaufgeräumte Kinderzimmer. Deine innere Haltung verändert deine Reaktion. Gelingt mir das jeden Tag? Leider auch nicht. Aber ich arbeite daran.
Was hilft bei Panikattacken oder innerer Unruhe?
Zuerst sollte man sich die Frage stellen: Ist mein Leben gerade wirklich in Gefahr? Wenn nicht, darf der Körper entspannen. Angst ist ja ein sinnvolles Gefühl, wenn du wirklich bedroht wirst, sie ist ein Schutz, der unser Leben rettet. Ansonsten muss man sie an die Kette legen: Kaltes Duschen kann helfen. Wahrnehmen, was du hörst, siehst, fühlst. Fünf Dinge aufzählen, die dir gerade ins Auge springen. Einen Tee machen und den Kopf nach oben nehmen und “in den Himmel schauen”.
Wir sind zyklische Wesen. Unsere Wahrnehmung verändert sich mit dem Alter, genauso wie unsere Hormone. Viele Frauen sagen ab 40: Jetzt werde ich mir wichtiger. Und das ist gut so.
Die to-Do-Liste haben wir oftmals von unsren Müttern übernommen. Wir dürfen sie aber immer hinterfragen. Wir sind nicht falsch oder kaputt. Vielleicht stelle ich auch fest, ich brauche nicht die perfekte Ordnung daheim. Oder: Ich brauche sie gerade, aber ich erlaube mir, Hilfe anzunehmen und dann ist mir die Bewertung durch die Haushaltshilfe bitte auch egal. Und ich räume nicht vorher auf, bevor sie kommt, weil es dann keine Hilfe mehr ist. Wenn du dir keiner eigenen Bewertungen bewußt wirst, kannst du sie auch ändern und somit inneren Stress abschalten. Und dann hören die Ängste auf!
Was wir auch nicht vergessen dürfen: Emotionen sind nichts Negatives. Auch Wut gibt Energie. Wer sich keine Wut erlaubt, setzt oft keine Grenzen. Wenn wir unsere Gefühle zulassen, geht es uns immer besser. Wenn wir unseren Körper wieder wahrnehmen, ist er ein wunderbares Biofeedback-System. Er zeigt uns, wenn wir uns verloren haben.
Und bitte keinen Druck machen: An manchen Tagen gelingt Regulation wunderbar.
An anderen nicht. Und auch das gehört dazu. Wer ist schon perfekt?
Wer Kontakt aufnehmen möchte, findet Korinna hier:
https://korinna-soehnholz.de/feeling-good (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Und wie immer gilt der Haftungsausschluss: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachkräfte. Für Schäden oder Folgen aus der Anwendung der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Bei gesundheitlichen Fragen wendet euch bitte an eine medizinische Fachperson. Für Inhalte externer Webseiten, auf die wir verlinken, übernehmen wir keine Haftung. Für diese Inhalte sind ausschließlich die jeweiligen Betreiber verantwortlich. Bei Kenntnis rechtswidriger Inhalte entfernen wir entsprechende Links nach Hinweis umgehend.