
Liebe Leser*innen,
Sie sind gerade orientierungslos aufgewacht, Ihre Habseligkeiten liegen in einer Lache Erbrochenem (hoffentlich Ihr eigenes) und Ihr Schritt ist seltsam feucht? Aus der Ferne hören Sie Blasmusik und die Rufe und das Würgen von Menschen, die während des Schreiens aus Fahrgeschäften reihern? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben überlebt! Das war nicht allen vergönnt:

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Dass ganz Europa am Mittwoch wegen der Schließung des Oktoberfests in heller Aufregung war, nutzte Schlitzohr Putin für sich aus, indem er unbemerkt über den Luftweg Estland - Lettland - Litauen - Polen - Tschechien - Deutschland einige Drohnen nach Dänemark flog. Doch was möchte er damit eigentlich bezwecken?

Putin hat seit über 20 Jahren einen Ohrwurm von »Barbie Girl« der dänischen Band Aqua und will sich am gesamten Land dafür rächen
Putin will dänische Designstudios ausspionieren, um mit dem gewonnenen Wissen den Kreml hyggeliger zu machen
Weil die USA Grönland beanspruchen, will Putin seinerseits Teile Dänemarks annektieren, darunter die Halbinsel Jütland, Bornholm und alle Gebiete Legolands östlich der Drachenbahn. Außerdem beansprucht er Grönland
Mit seiner Lage stört Dänemark den russischen Zugang zur Nordsee und soll mittelfristig gesprengt werden
Wie Putin bis zur Sprengung des Landes den Pflegenotstand lösen will, ist bis jetzt völlig offen. In dieser Frage ist Deutschland schon einen Schritt weiter.

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Nina Warken wird von den anderen Bundeskabinettsmitgliedern sehr geschätzt: Fast nie rotzt ihr eine*r der anderen Minister*innen in der Bundestagskantine ins Essen. Aber wie sieht es mit Ihnen aus? Haben Sie ein gutes Verhältnis zu Ihren Kolleg*innen?

Die Kolleg*innen schicken dir Artikel mit Titeln wie »10 Anzeichen, dass dich deine Kollegen nicht mögen«
Sie unterstreichen die Anzeichen, die sie selbst im Büroalltag zeigen
Sie fügen noch zehn weitere Anzeichen hinzu
Sie schicken dir den Artikel zehnmal am Tag
Und zwar per Mail, Post, Fax und Einschreiben
Sie lesen dir den Artikel vor, während sie um dich herumtanzen und mit den Fingern auf dich zeigen
Immer, wenn du dich hinsetzen willst, ziehen sie dir die Klobrille weg
Du erhältst eine Einladung zur Weihnachtsfeier eines Konkurrenzunternehmens
Deine Spitznamen im Büro lauten »Arschloch«, »Dr. Dummbirne« und »Wenn du mich noch einmal so dumm anschaust, messere ich dich ab!«
Die Kolleg*innen, die deine Arbeit kontrollieren sollen, bauen extra Feler ein
Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Kolleg*innen Sie sehr gern mögen, ist, dass sie in der Mittagspause immer Striptischfußball mit Ihnen spielen wollen. Doch das schmeckt nicht nur HR nicht:

Ob sich Jane Goodall und Helmut Kohl je zum Strippoker getroffen haben, ist nicht bekannt. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie kommen beide in Torsten Gaitzschs neuer Kolumne vor.

Heute: Gedämpfte Erwartungen
Diese Woche gehörte zwei Frauen mit dem Namen Goodall.
Alexa Goodall findet Beachtung als Hauptdarstellerin in der soeben angelaufenen »Momo«-Neuverfilmung, und am Mittwoch starb die Primatenforscherin Jane Goodall 91jährig. Um sich zu merken, dass Jane Goodall die mit den Schimpansen und Dian Fossey die mit den Gorillas war, gibt es folgende von mir erdachte Eselsbrücke: Goodall ist ein Anagramm von Godolla, und weil diese Buchstabenfolge dem Wort Gorilla zwar ähnelt, ihm aber nicht entspricht, ist Goodall eben nicht die mit den Gorillas.
Egal, welche Spezies – »Momo« wäre ein guter Name für einen Menschenaffen. Bei »Menschenaffen« muss ich übrigens immer an Helmut Kohl denken … Hear me out! Es gibt ein Video, das ich bedauerlicherweise nicht mehr auf Youtube finden kann, in dem der Einheitskanzler in einem seltenen Moment der Nahbarkeit offenbart, dass er gerne den Zoo besuche und sich dort am liebsten über die »Mnschnaffn« amüsiere. Den faulen, Bananen fressenden Herdentiere konnte Dr. Kohl schon immer etwas abgewinnen – und neben Ostdeutschen hatte er auch Gorillas ins Herz geschlossen.
Wer von Momo spricht, soll von Dim Sum nicht schweigen, und an dieser Stelle ist es Zeit für weitere Eselsbrücken. Hier ist, in Reimform: der Dumpling-Nationen-Unterscheidungs-Service!
Momos schmecken nicht nur Zwergen / in Tibet und in Nepals Bergen.
Schon aus dem Dönerladen kannt’ i’ / die Köstlichkeit der Türken: Mantı.
Liest man in Japan wohl Spinoza? / Egal. Verspeisen tut man Gyōza.
Man füllt’s mit Hackfleisch (auch vom Nandu?) / und nennt’s auf koreanisch Mandu.
In Polen gilt es fast als Drogi: / Teigtaschen-Methadon Pierogi.
In ganz Georgien, nicht in Mali, / kennt man den Snack namens Khinkali.
Im Gegensatz zu den – zugegeben: nicht durchweg üblen – Versen, die mir ChatGPT ausgespuckt hat, haben meine den Vorteil, dass die zu memorierenden Gerichte jeweils die Reimgrundlage darstellen. »Momos dampfen hoch im Tal / Nepal liebt sie überall.» – Hier könnte man »Momos« genauso gut durch »Mandus« ersetzen! Der Zweizeiler »Koreaner voller Schwung / essen Mandu, alt und jung« ist nicht nur semantisch zweideutig (sind die Mandus alt und jung?), sondern würde mit »Mantı« oder »Momos« ebenso funktionieren. Nimm das, KI!
Von einer Vorliebe Helmut Kohls für Maultaschen scheint übrigens nichts bekannt zu sein.
Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:
Ihre TITANIC-Redaktion
Veranstaltungstipp: Die endgültige Satirelesung über Friedrich Merz

7. Oktober, 20:00 Uhr, Club Voltaire, Kleine Hochstraße 5, Frankfurt
Saß Friedrich Merz im Aufsichtsrat der Sauerland-Gruppe? Mampft er gerne Möpkenbrot? Nennt seine Frau ihn »Kahler Asten«? War seine charakteristische Haarinsel ursprünglich als »Merz-Raute« konzipiert? Und was zur Hölle ist Möpkenbrot?
Ein Leseabend voller vergnüglicher Fragen und verstörender Antworten mit der TITANIC-Redaktion und den Merz-Biografen Sebastian Maschuw und Leo Riegel. Inklusive der Buchvorstellung »Endlich Kanzler!« sowie einer Neuabstimmung über die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe.
Anschließend: Signierstunde mit Friedrich Merz (angefragt).
Mit Laura Brinkmann, Torsten Gaitzsch, Sebastian Maschuw, Leo Riegel und Daniel Sibbe.
Eintritt:
10 € // Ermäßigt: 7 € // Mit Kulturpass Frankfurt: 1 €
Karten gibt es hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Bevor Sie Tickets für irgendwelche dubiosen Lesungen kaufen, möchten Sie wissen, was es mit dem Buch überhaupt auf sich hat?
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