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Lesezeit: 7 Minuten
Wiederholen bis es klappt…
Was ist eigentlich das Problem mit “einfach wiederholen”?
Wiederholen bis es klappt - so oder so ähnlich lautet wahrscheinlich das bekannteste Übe-Mantra. Und ja, genauso habe ich auch lange Zeit geübt. Klingt schließlich logisch, oder?
Das Problem dahinter
Das Üben in langen, homogenen Blöcken – in der Wissenschaft spricht man von Blocked Practice – fühlt sich gut an. Ernsthaft. Du spielst eine Tonleiter zwanzigmal. Beim zwanzigsten Mal läuft sie flüssig. Das Gehirn meldet: Erledigt.
Das Gegenteil davon heißt Interleaving – auf Deutsch etwa: verschachteltes oder gemischtes Üben. Statt alles von einer Kategorie zu üben, bevor du zur nächsten gehst (AAABBBCCC), mischst du die Inhalte durch (ABCACBCAB). Unbequemer. Langsamer. Aber langfristig erheblich wirksamer.
„Interleaving facilitates the differentiation and classification of novel exemplars – as opposed to blocking, which promotes the detection of similarities within a category."— Wong, Low, Kang & Lim (2020), Journal of Research in Music Education
Ein Experiment mit Klarinettist*innen– und was es für alle bedeutet
Die Studie aus dem Jahr 2020 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), über die ich gestolpert bin, ist eigentlich die bislang direkteste Untersuchung dieser Frage im musikalischen Bereich. 71 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bis zu vier Jahren Musikerfahrung hörten Klavierwerke von zwölf verschiedenen Komponisten – sechs davon im Block, sechs in gemischter Reihenfolge. Danach sollten sie neue Werke der gleichen Komponisten zuordnen.
89 % der Teilnehmenden glaubten, Blocked Practice sei gleich gut oder besser als Interleaving – obwohl 65 % von ihnen objektiv mehr durch das verschachtelte Lernen profitiert hatten. Diese Lücke zwischen Gefühl und Realität ist der vielleicht wichtigste Befund der ganzen Studie.