Passa al contenuto principale

Prokrastination : Gibt es gutes und schlechtes Aufschieben?

In einer aktuellen Untersuchung zur Prokrastination wurde ich auf die Unterscheidung von "maladaptivem" = eher schlechtem und "adaptivem" Prokrastinieren aufmerksam. 

Prokrastination wurde als eine der funktionellen Störungen eingestuft, die mit dem Symptomcluster Unaufmerksamkeit der ADHS verbunden sind (Young und Bramham, 2007).
Nach den DSM-5-Kriterien werden unaufmerksame Symptome von ADHS / ADS mit Prokrastination in Verbindung gebracht:

"Häufig werden Anweisungen nicht befolgt, und es gelingt nicht, Schularbeiten, Hausarbeiten oder Aufgaben am Arbeitsplatz zu erledigen
(z. B. Konzentrationsschwäche, Ablenkung)"; "Es fällt häufig schwer, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren"; und "Aufgaben, die über einen längeren Zeitraum hinweg geistige Anstrengung erfordern (wie Schularbeiten oder Hausaufgaben), werden häufig vermieden, nicht gemocht oder nur widerwillig erledigt".


In einer Querschnittsstudie mit College-Studenten ohne ADHS-Diagnose wurden nur unaufmerksame Symptome positiv mit Prokrastination in Verbindung gebracht, während die Merkmale der Prokrastination bei überwiegend hyperaktiv-impulsiven Subtyp weniger ins Gewicht fielen. 

Ausserdem geht man davon aus, dass eben diese Probleme wiederum mehr mit sog. Internalisierungsstörungen wie Depression und Angststörungen im Zusammenhang stehen. 

Maladaptive Prokrastination


Für mich neu ist die Unterteilung der Aufschieberitis / Prokrastination in adaptiv und maladaptiv.

Prokrastination hat zwei Aspekte: maladaptiv und adaptiv. Maladaptive Prokrastination wird definiert als "freiwilliges Aufschieben einer beabsichtigten Handlung, obwohl man erwartet, dass die Verzögerung eine Verschlechterung zur Folge hat" (Steel, 2007).

Was immer in diesem Zusammenhang nun "freiwillig" heisst...
Auf jeden Fall gibt es dann auch entsprechend negative Konsequenzen. Dieses fehlangepasste = maladaptive Verhalten führt auch zu geringer Arbeitseffizienz, finanziellen Schwierigkeiten und schlechten schulischen Leistungen (Stead et al., 2010).
Und natürlich zu einem entsprechend schlechtem Gewissen, negativem Selbstwert und fehlender Überzeugung das irgendwie wieder gut regeln zu können bis hin zu Ängsten, Vermeidungsverhalten und eben sozialer Isolation.

Adaptive Prokrastination


Prokrastination hat nicht nur maladaptive Verhaltensweisen, sondern auch adaptive Aspekte. Wenn man also bewusst Aufgaben verschiebt und neue Prioritäten setzt, dennoch aber effektiv in der Erledigung der Aufgaben bleibt oder wird. 

Die positiven Formen des Aufschiebens (z. B. aktive Prokrastination) beziehen sich auf selbstgesteuerte Zeitmanagementstrategien, um unter Druck zu arbeiten und Termine erfolgreich einzuhalten. Das gemeinsame Element für beide Aspekte der Prokrastination ist die absichtliche Verzögerung, die eine persönlich wichtige Handlung darstellt . Der Unterschied zwischen den beiden Konzepten besteht jedoch darin, dass die maladaptive Prokrastination eine unnötige und unangemessene Verzögerung beinhaltet. Beispielsweise hatten College-Studenten, die mehr adaptive Prokrastination zeigten, bessere Noten , und adaptive Prokrastination war positiv mit intrinsischer Motivation, Wohlbefinden , Selbstwirksamkeit und Selbstregulation korreliert . Im Gegensatz zur maladaptiven Prokrastination hat die adaptive Prokrastination aufgrund der Verzögerung positive psychosoziale Folgen.

Für diese "aktive" Form der Prokrastination wird man also extrem gute Exekutivfunktionen benötigen (was eben bei ADHS nicht zu erwarten ist)

Man könnte auch von einer Art vorausschauenden / proaktiven Form der Aufschiebertitis sprechen, wenn man eben seine Arbeit bzw. Aufgabeneinteilung so gestaltet, dass man hinsichtlich der verfügbaren Zeit und Energie die besten Gesamtresultate erreicht.

Studie untersuchte nun einen Zusammenhang zwischen ADHS / Prokrastination und Internalisierungssymptomen

In der aktuellen Studie wurde nun versucht, einen Zusammenhang zwischen Schwere der ADHS-Symptome / Prokrastination und Internalisierungssymptome zu bestätigen.

Teilnehmer mit ausgeprägteren ADHS-Symptomen zeigten mehr Prokrastination und internalisierende Symptome als Teilnehmer mit weniger ausgeprägten ADHS-Symptomen. Daher stellt Prokrastination das Behandlungsziel für diejenigen dar, die unter ADHS und komorbiden internalisierenden Symptomen leiden. 

Entgegen der Hypothese hatte der ADHS-Symptomstatus keinen moderierenden Effekt, d. h. der Zusammenhang zwischen Prokrastination und internalisierenden Symptomen hing nicht von der Schwere der ADHS-Symptome ab.

Das mag nun auch daran liegen, dass eben nicht allein die Anzahl von Symptomen eine Rolle spielt, sondern vor allem die funktionellen Auswirkungen oder auch Anpassungen im Alltag. Und die ADHS-Schwere wird ja meist eher in der Anzahl von abgehakten Kriterien in den 18 Fragen zu ADHS  gemessen.

Aus meiner Sicht eine ziemlich untaubliche Methode um den Schweregrad zu bestätigen oder zu widerlegen.

Daher sollte man sich in Zukunft nochmal Gedanken machen, wie man die negativen Auswirkungen von Prokrastination auf Stimmung bzw. psychiatrische Begleit- und Folgestörungen beschreibt und im Verlauf verfolgt.

Quelle : Oguchi M, Takahashi T, Nitta Y and Kumano H (2021) The Moderating Effect of Attention-Deficit Hyperactivity Disorder Symptoms on the Relationship Between Procrastination and Internalizing Symptoms in the General Adult Population. Front. Psychol. 12:708579. doi: 10.3389/fpsyg.2021.708579 (Si apre in una nuova finestra)

2 commenti

Vorresti vedere i commenti?
Abbonati a ADHS Blog und Community ADHSSpektrum e partecipa alla conversazione.
Sostieni