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“Mein kind hat Angst, dass ich verschwinden/sterben könnte”

Bild: Chiara Doveri

Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

[TRIGGERWARNUNG TOD]

Hallo Anna,

Aktuell weiß ich mit meinem Sohn nicht weiter. Ich wollte uns eigentlich schon Hilfe von einem Kinderpsychologen holen aber hier gibt es aktuell Wartelisten, die sich gewaschen haben.

Mein Sohn ist 6 Jahre alt. Er ist immer ein besonders aufgeweckter, extrovertierter und selbstbewusster Junge gewesen, der aber tief drinnen höchst sensibel ist und eine extrem starke Bindung zu mir als Mama hat.

Letztes Jahr ist meine Mutter, seine Lieblingsoma, zwar mit zweijähriger Krebserkrankung, aber trotzdem überraschend im Krankenhaus gestorben. Wir waren weder vorbereitet, noch konnten wir uns von ihr verabschieden wegen Corona. Darunter leide ich noch sehr, ich weine häufig.

Ich rede jedoch mit meinem Sohn sehr viel über seine Großmutter, wir haben Kinderbücher gelesen, die sich mit dem Tod beschäftigen etc... Ich war eigentlich der Überzeugung das Thema, so gut es geht, mit ihm aufgearbeitet zu haben.

Im Januar 2020 ist unser zweites Kind auf die Welt gekommen. Mein Sohn vergöttert ihn und er hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt entwickelt. Parallel hat er jedoch auch eine starke Verlustangst mir gegenüber entwickelt, was - soweit ich weiß - auch normal sein kann, wenn ein Geschwisterchen dazu kommt. Ich versuche meine Zeit wirklich zwischen beiden aufzuteilen, lese beim Stillen des Babys mit dem Großen Bücher/ spiele Ruhiges o.ä.

Bis zur Geburt meines zweiten Kindes habe ich meinen Sohn regelmäßig ins Bett gebracht (ca. 5 Mal/Woche) an den anderen Tagen mein Mann - ohne Probleme. Seitdem unser Baby auch auf der Welt ist schaffe ich es nicht mehr so regelmäßig, wir versuchen es genau abwechselnd zu machen damit keiner zu kurz kommt. Mein Sohn lässt sich aber von seinem Vater kaum mehr ins Bett bringen, er weint herzzerreißend, sagt er vermisst mich zu sehr und will nur bei mir sein. Wir versuchen beide standhaft zu bleiben, umarmen ihn aber ganz viel und sagen wie lieb wir ihn haben, und dass ich ja nur eine Wand weiter bin etc...

Vor 2 Wochen hat mein Baby sich so erbrochen, dass er nicht mehr geatmet hat und wir den Notruf wählen mussten. Ich war dann zwei Tage mit dem Baby im Krankenhaus - das war für meinen Älteren extrem traumatisch, er hat dabei immer nur fast hysterisch geweint, ob das Baby jetzt stirbt so wie Oma.

Ich habe ihn bereits seit Weihnachten nicht mehr im Kindergarten, weil er nicht mehr hingehen will, mich und dann später seinen kleinen Bruder so sehr vermisst und wirklich unter der Trennung leidet. Jedoch geht ab September die Schule für ihn los und da kann ich ihn ja nicht einfach rausnehmen, wenn er traurig ist und mich vermisst...

Ich bin langsam echt mit meinen Ideen am Ende... Ich versuche immer schon über alles mit meinem Sohn zu reden, ihm alles zu erklären und war der Meinung, dass solche Probleme nur mit ganz viel Liebe und Aufmerksamkeit gelöst werden können, aber langsam zehrt es an unserem Energievorrat und ich weiß nicht mehr weiter.

- Kindergarten trotz Trennungsangst?

- Standhaft bleiben und ihn weiter regelmäßig von seinem Vater ins Bett bringen trotz oder weil er so viel weint oder "nachgeben"?

- wie baue ich sein Vertrauen in mich wieder auf, dass ich nicht verschwinden werde?

Ich danke Dir im Voraus für diese Möglichkeit, dich anschreiben zu dürfen, liebe Anna!

Die allerliebsten Grüße

Franziska*

Argomento Starke Gefühle

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