Hallo,
auf Instagram habe ich euch einen Newsletter über den Begriff des Familienvaters versprochen - aber der kommt nächsten Freitag, mir ist etwas dazwischen gekommen. Drei Tage Migräne nämlich, weswegen ich den Großteil dieser Woche mal wieder im Bett lag, auf keine Weihnachtsfeier ging, keine Akquisegespräche führte und weder bezahlt noch unbezahlt arbeitete (Grüße an den ungeputzten Kühlschrank, die Staubmäuse unterm Bett und die ungeschriebenen Texte auf meiner To-Do-Liste).
Als es mir wieder besser ging, habe ich eine Sache glücklicherweise noch geschafft. Und zwar bin ich nach Berlin gefahren, weil mich die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zu ihrem Kongress eingeladen hat.

Ich freue mich sehr darüber, dass ich zum zweiten Mal den DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus gewonnen habe. Noch viel mehr freue ich mich darüber, welches Thema damit Aufmerksamkeit bekam. In dem ausgezeichneten Text mit dem Titel “Ich konnte meiner Tochter nicht mehr helfen” ging es um das Recht auf Selbstbestimmung, in der Psychiatrie - und die Frage, wo es aufhört.
In meiner Reportage schreibe ich über Lisa, die an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt ist, das aber selbst nicht einsehen will. Und über den Kampf ihrer Mutter und ihrer Schwester dafür, dass Lisa auch gegen ihren Willen behandelt wird - und um Psychiatriegesetze, die die Autonomie der Patienten mittlerweile recht hoch halten.
Im Text schreibe ich :
Betroffene von paranoider Schizophrenie ruinieren in der Akutphase oft ihr ganzes Leben, und Angehörige müssen dabei untätig zusehen.
In einer freien Gesellschaft wie der deutschen ist es allerdings erlaubt, das eigene Leben zu ruinieren, und es ist nicht Aufgabe von Psychiatern, Polizei und Richtern, Menschen daran zu hindern. Zumindest nicht, solange diese wissen, was sie tun.
Wie genau also kann Selbstbestimmung für psychisch schwer kranke Menschen aussehen? Wie kann man Menschen vor sich selbst schützen, ohne sie in ihrer Autonomie zu sehr einzuschränken?
Hier könnt ihr den gesamten Text lesen. (Si apre in una nuova finestra)
Meine Laudatorin, Professorin Sabine Herpertz begrüßte mich mit den Worten “Barbara Vorsamer kennen wir hier ja schon” und verabschiedete mich mit dem Satz “hoffentlich sehen wir uns wieder”. Damit spielte sie darauf an, dass ich den Medienpreis der DGPPN vor sechs Jahren schon einmal für diesen Text bekommen habe: “Liebe Magdalena, ich habe Depressionen”. Wer Lust hat, kann ihn hier nachlesen (Si apre in una nuova finestra).
Lisas Geschichte endet nicht gut. Den letzten Satz in meinem Text spricht ihre Schwester und sie sagt:
“Nachdem sie die letzten Jahre so hart gekämpft und so vorsichtig abgesetzt hat, ging jetzt trotzdem alles wieder von vorn los. Ich glaube, diesen ganzen Weg, den wollte sie nicht noch einmal gehen.“
Ich denke seitdem darüber nach, ob es Lisas Recht war, diesen Weg nicht gehen zu wollen. Oder ob man sie hätte zwingen, ihr mehr (medikamentöse) Hilfe hätte aufdrängen müssen? Was denkst du? Schreib mir gerne. (Si apre in una nuova finestra)
Ein schönes Wochenende wünscht dir
Barbara
PS: Du magst diesen Newsletter? Dann erzähle anderen davon und leite ihn weiter. Danke.
Ist es feministisch, zu fragen, was feministisch ist? Meistens nicht.
Mit diesem Text (Si apre in una nuova finestra)beginnt meine neue Kolumne bei Übermedien, wo ich von nun an genau darauf schauen werden, ob überall ordentlich über “Das ganze Gedöns” berichtet wird.
Wer seine Bildschirmzeit nicht unter Kontrolle hat, braucht diesen Klotz
Für den Spiegel habe ich den Brick getestet - und ich mag ihn (Si apre in una nuova finestra).
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Alle weiteren Rubriken - Gehört, Gelesen, Gelitten, Geärgert, Gelacht, Gestickt - müssen an dieser Stelle entfallen, das DB-Wlan unterstützt die Produktion dieses Newsletters leider nicht. Nächste Woche dann wieder.