von Bernd Schwickerath und Christoph Fetzer
In den „Best-of-seven“ blicken wir auf die Highlights der Eishockey-Woche.
Thema der Woche: WM-Zwischenfazit

Gut die Hälfte der WM-Gruppenphase ist gespielt. Zeit für ein Zwischenfazit.
Alles zur WM gibt es auch bei uns im Podcast, in Exklusiv-Episoden und den „Drei Gedanken” zu den Deutschland-Spielen. Hier könnt Ihr das Projekt unterstützen (Si apre in una nuova finestra).
Deutschland nimmt nur langsam Schwung auf
Gegen Finnland kann man verlieren, gegen die Schweiz und die USA auch. Aber die Niederlage gegen Lettland war nicht eingeplant. Nach nur einem Punkt aus den ersten vier Spielen war klar: Deutschland muss – wie 2023 beim Gewinn der Silbermedaille – die restlichen Gruppenspiele gewinnen, um ins Viertelfinale einzuziehen.
Am Samstag gegen Österreich hat Deutschland jetzt richtig Druck. Es droht die nächste Turnier-Enttäuschung nach der verpassten K.o.-Runde bei der WM vor einem Jahr und dem Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei bei Olympia.
Zwar gab es beim 6:2 gegen Ungarn den ersten Sieg, aber 100 Prozent überzeugend war auch der nicht. Deutschland weicht zu oft von der von Bundestrainer Harold Kreis propagierten geradlinigen Spielweise (Scheibe tief und hinterher) ab. Immer wenn die Mannschaft es mit Einzelaktionen übertreibt und zu verschnörkelt spielt, bekommt sie Probleme.
Dazu kommen die schwachen Special Teams. Leon Gawankes Powerplay-Tor gegen Ungarn war das erste im zwölften Anlauf. Die Überzahl-Quote ist mit 8,33 Prozent verdammt schwach. Nur die Italiener liegen hinter Deutschland, weil sie noch kein einziges Powerplay-Tor geschossen haben. Dazu kommt, dass Deutschland gegen die Schweiz einen Shorthander kassierte.
Damit steht die Special-Teams-Tordifferenz aktuell bei minus 5. Denn in Unterzahl ist Deutschland sogar noch schlechter als in Überzahl. In zehn Situationen gab es fünf Gegentore. 50 Prozent Unterzahl-Quote, 58,33 kumulierte Prozent Special-Teams-Quote: Das muss gegen Österreich besser werden, wenn es mit dem Viertelfinale klappen soll.
Die größten Medaillen-Kandidaten: Kanada, Schweiz und Finnland
Wir wissen aus vergangenen Weltmeisterschaften, dass eine gute Gruppenphase nicht unbedingt eine Medaille bedeuten muss. 2o25 gewannen die Kanadier alle Gruppenspiele, um dann im Viertelfinale völlig überraschend an Dänemark zu scheitern. Auch die Schweizer spielten jahrelang überragende Gruppenphasen, die Hürde Viertelfinale nahmen sie dann aber erst 2024 – um sich anschließend genauso wie 2025 die Silbermedaille zu holen.
In einem „Single Elimination”-Turnier kann viel passieren. Trotzdem machen den besten Eindruck bis jetzt die Schweiz, Kanada und Finnland.
Die Schweizer zählen auf Eingespieltheit, läuferische und technische Klasse und natürlich den Heimvorteil. Mit Sven Andrighetto und Timo Meier haben sie die zwei besten Scorer des Turniers in ihren Reihen, mit Nico Hischier (4.) und Denis Malgin (7.) ingesamt vier unter den besten Sieben. Aber die große Stärke der Schweiz ist ihre Tiefe. Nach fünf Spielen haben sie 14 unterschiedliche Torschützen, nur drei der eingesetzten Feldspieler sind noch ohne Scorerpunkt. Und dann gibt es ja noch einen gewissen Leonardo Genoni zwischen den Pfosten. Mehr zu ihm in unseren „3 Stars”.
Kanada hat sich nach dem Viertelfinal-Aus vor einem Jahr viel vorgenommen, ist mit einem reinen NHL-Kader gekommen, mit Sidney Crosby, Macklin Celebrini, John Tavares oder Evan Bouchard sind einige NHL-Topspieler dabei. Beim 6:5 nach Verlängerung gegen Norwegen leistete sich Team Canada zwar einen kleinen Ausrutscher, aber die Mannschaft ist natürlich ein ganz heißer Gold-Anwärter. Einzige Fragen aktuell: Finden die Kanadier im Laufe des Turniers den Stürmer, der am besten in die Reihe mit Crosby und Celebrini passt? Und reicht die Qualität auf der Torwart-Position in den K.o.-Runden aus?
Dass die Schweiz und Kanada sich die Goldmedaille zum Ziel gesetzt haben, war vor dem Turnier schon klar. Da konnte man fast vergessen, dass auch die Finnen mit einem richtig starken Kader nach Zürich gekommen sind. Mehr als die Hälfte der Spieler kommt aus NHL-Klubs, besonders im Fokus steht Aleksander Barkov, der sein Comeback nach Kreuzbandriss gibt. Während des Turniers stießen mit Mikael Granlund und Konsta Helenius zwei weitere NHLer dazu. Finnland zeigt wieder, dass es eine Turniermannschaft ist und hat bis jetzt alles gewonnen. Am letzten Spieltag der Gruppenphase wird es wohl ein Endspiel um Platz eins gegen die Schweiz geben.