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Doomsday

Als Neil Marshalls Film 2008 in die Kinos kam, waren wir noch weit entfernt von heutigen Verhältnissen. Weder die Pandemie noch die autoritären Verhältnisse in der Welt waren denkbar, jedenfalls nicht in der ach so zivisilierten westlichen Gesellschaft. 2019 hat uns eines besseren belehrt und irgendwie hat man das Gefühl, dass seitdem alles den Bach runtergeht.

Doomsday spielte damals mit den Ängsten vor dem Ausbruch eines tödlichen Virus und hing sich damit an den Erfolg von “28 days later” (2002) und seinem Nachfolger “28 weeks later” (2007). Nur dass Neil Marshall (The Descent) es mit seinem Werk auf die Spitze trieb. Im Grunde mischte er alle Zutaten einer apokalyptischen Filmvision zusammen, schüttete noch eine Ladung B-Movie-Unsinn dazu, rührte alles einmal um und präsentierte einen komplett an den Haaren herbei gezogenen Endzeittrash, der bis ins letzte Detail für ungläubiges Staunen sorgt. Anstatt sich auf das reine Endzeit-durch-Virus-Thema zu konzentrieren, bediente sich der Regisseur ungebremst bei diversen Klassikern wie Mad Max, Armee der Finsternis (Evil Dead - Army of Darkness), Aliens, Die Klapperschlange (Escape from New York), Lifeforce und sogar Highlander. Obenauf goss er ein paar grandios eingebaute 80er-Jahre-Songs und ließ dann ordentlich die Puppen tanzen.

Die Story ist dabei noch recht simpel: In Glasgow bricht das sogenannte Reaper-Virus aus, das sich rasend schnell verbreitet und nahezu alle Menschen in Schottland ausrottet. Um die Pandemie einzudämmen, beschließt die britische Regierung, Schottland vom Rest der Welt abzuschotten (kicher) und baut eine Mauer, an der auch der letzte Infizierte scheitern muss. Dazu noch eine Seeblockade und fertig ist die Quarantäne-Zone, aus der niemand mehr entkommen kann. Kurz vor Toreschluss gelingt es einer panischen Mutter, ihre kleine Tochter Eden in einen Militär-Hubschrauber zu hieven. Das Mädchen überlebt, muss aber den Verlust eines Auges verschmerzen.

27 Jahre später kehrt Eden als gestählte Elite-Soldatin mit coolem Hightech-Glasauge nach Schottland zurück, um das Gegenmittel zu finden. Denn das Reaper-Virus ist jetzt in London und oben in Schottland, das als ausgestorben galt, wurden Überlebende entdeckt. Die Reise ins Herz der Finsternis bringt Eden und ihren Trupp nach Glasgow, wo sie auf eine Horde wilder Menschenfresser-Punks treffen. Doch ihre Flucht führt sie noch weiter in die Dunkelheit, denn der vermutete Ursprung des Gegenmittels versteckt sich irgendwo in den Highlands…

Der Film ist eine brutale und extrem blutige Aneinanderreihung von Gewaltexzessen und bietet sehr viele Schauwerte für den geneigten Splatter- und Endzeitfan. Dabei eiert die Story reichlich nervös zwischen Apokalypse-Horror und Mittelalter-Murks hin und her. Die Frage nach einem Sinn sollte man sich nicht stellen, denn die wird in keiner Form beantwortet. In großen Bildern wird gehetzt, geballert, aufgeschlitzt und gegrillt, dass man kaum hinterher kommt. Das irre Genre-Durcheinander funktioniert soweit auch ganz gut, allerdings darf man keine Sekunde darüber nachdenken. Das alles fühlt sich wie eine völlig gestörte Folge von Dr. Who an, nur eben ohne Pointe.

Das Schauspieler-Ensemble, angefüht von der eher stoisch vor sich hinstarrenden aber durchaus reizvollen Rhona Mitra (Underworld - Aufstand der Lykaner), gibt sich alle Mühe, bei all dem Budenzauber ernst zu bleiben und haut und schießt sich quer durch eine sinnentleerte aber herrlich trashige Geschichte, in der kein Auge trocken bleibt. In Nebenrollen dürfen dann auch nochmal der Ex-Deep-Space-Nine Doktor Alexander Siddig (Dr. Bashir) und der grundsolide Bob Hoskins (Falsches Spiel mit Roger Rabbit) glänzen. Ganz groß ist allerdings der bizarre Auftritt von Malcolm McDowell (Clockwerk Orange) als wahnsinniger Wissenschafts-Diktator.

Der Rest ist ein an Irrsinn kaum zu überbietender Endzeit-Action-Reigen, der keinen Halt findet und an dem sich so mancher Kritiker die Zähne ausgebissen hat. Große Kunst ist das nicht, aber der Film macht Spaß, wenn man sich auf diesen grandios vergeigten und sehr schrulligen Endzeit-Trash einlassen möchte: Hirnrissige Dialoge, vollkommen überzogene Actionsequenzen, coole Einzeiler und Gekröse bis zur Kotzgrenze inklusive. In der ungekürzten Fassung gibt es wirklich viel zu sehen, von daher ist das Werk bei sensiblen Gemütern mit Vorsicht zu genießen.

Fazit: Endzeitgetöse für Trash- und Splatterfans, denen Logik vollkommen egal ist. Ein Riesenspaß.

3,5 von 5 Grillabenden mit Freunden