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Februar // Eileen Gray

Im Laufe meines Lebens habe ich unzählige Male Häuser und Wohnungen gewechselt. Am meisten Bewegung brachten das Studium und dieses für die Phase des Suchens so typische Bedürfnis nach Erkundung, nach Leichtigkeit im Umgang mit Veränderung, nach Freiheit im Entscheiden. Am kürzesten blieb ich dort, wo man mich begrenzte, und am längsten an Orten, die ich mir - zumindest für eine gewisse Zeit - zu eigen machen konnte. Deshalb griff ich oft nach günstigen, beinahe verdächtig günstigen Angeboten, die zwar handwerkliches Geschick und Geduld verlangten, mir dafür aber ermöglichten, aus einer heruntergekommenen Krakauer Einzimmerwohnung eine warme Mikrowelt zu erschaffen: für mich selbst und für all jene, die zu meiner studentischen Landschaft gehörten.

Als ich das eine Zuhause verließ - das familiäre, geordnete, vertraute - versuchte ich mit beinahe manischer Konsequenz, mein eigenes zu erschaffen und mir jene grundlegende Frage zu beantworten: Was bedeutet Zuhause für mich? Was soll es sein? Wer bin ich in ihm, und wer bin ich ohne es? Deshalb erlaubte ich mir Bewegung, Wechsel, zahllose Versuche.

Ich lebte in Plattenbauten, lauschte abends unwillkürlich den Gesprächen hinter den Wänden, dem beruhigenden Rhythmus des Wassers in den Rohren, dem Bellen der Hunde im Treppenhaus und den Geräuschen fremder, intimer Welten. Ich lebte in kalten, seelenlosen Zimmern moderner Neubauapartments, gedacht als elterliches Geschenk für junge Jurist:innen - und verfluchte täglich die abgeschlossenen Wohnanlagen und die Aufzüge, in denen man im klinischen Licht wie eine blasse Erscheinung wirkte.

Ich lebte in einer chaotischen, fröhlichen WG mit Jazzmusikern und Schauspielstudierenden, mit ständig wechselnder Mitbewohnerschaft und dem ewigen Streit um die Ordnung im Kühlschrank. Ich lebte in weitläufigen Altbauwohnungen mit Kohleöfen, voller staubiger Geschichte und der Archäologie familiärer Gegenstände, die ihren eigenen Geruch trugen - damals verstand ich, dass auch dieser ein zentraler Bestandteil der Identität eines Hauses ist: sein Duft.

Ich lebte auf dem Dachboden eines Holzhauses am Stadtrand, müde von Tempo und Lärm, aber mit eigener Terrasse, Tomaten aus dem Garten, einem einzigartigen Licht auf der Holzdecke und einer Familie von Mardern, die meinen jungen Schlaf erschwerten. Und dann renovierte ich wieder irgendwo. Kurz gesagt: Bevor ich in Berlin sesshaft wurde, war ich eine Nomadin mit lebenslangem Rabatt im Baumarkt. Und überall, wo ich versuchte, Wurzeln zu schlagen, ging es um eines: um das Zuhause.

Die typisch berlinerische - vielleicht sogar hipsterhafte - Fantasie von der Altbauwohnung mit drei Zimmern, Balkon, Badewanne und Parkett lernte ich erst hier kennen. Ich entdeckte ein gesellschaftliches Symbol kollektiver Sehnsucht, konzentriert auf das Wohnen, auf Lebensraum, auf Status - ein Thema, das zum festen Bestandteil des Smalltalks auf unzähligen Partys gehört. Ich überprüfte auch dieses Begehren, doch es stellte sich heraus: Es ist nicht meines.

Oft verbindet sich mit dem Wunsch nach einem Ort auch das Verlangen nach einer bestimmten Ästhetik: nach Bauhaus-Referenzen, nach ikonischem Design, nach Objekten, die Identität versprechen. So geschieht es, dass man auf einer Party sein Weinglas auf eine Replik eines Entwurfs von Eileen Gray stellt - auf jenen runden Tisch aus Metall und Glas - und dabei kaum bemerkt, dass man ein Werk berührt, das zum Kanon des Designs des 20. Jahrhunderts gehört.

Die Idee des Hauses als Ort des Lebens, die Eileen Gray vertrat, stand in deutlicher Opposition zur männlich dominierten Perspektive ihrer Zeit und entlarvte die fatalen Disproportionen der damaligen Designwelt, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Und gerade dieser Aspekt faszinierte mich am meisten. Denn immer wieder zeigt die Geschichte: Die Flucht vor Diskriminierung, vor zugewiesenen Rollen und engen Grenzen ist der eigentliche Motor des Wandels. Ich meine damit jene traurige, jahrhundertealte Praxis, Frauen bestimmte Plätze vorzuschlagen, bevor sie sie selbst definieren dürfen. Selbst als wir das Recht auf Bildung und Studium erlangten, selbst in scheinbar so offenen, progressiven Umfeldern wie der Bauhaus-Schule, landeten Frauen in den Werkstätten der angewandten Kunst: Sie entwarfen Alltagsgegenstände, webten, nähten, töpferten. Die Männer hingegen schufen Volumen, Konstruktion, Struktur - sie setzten den Rahmen, den Frauen von innen auszufüllen hatten. Wie ist das zu lesen? Bestimmte der Mann Form und Funktion, während die Frau dekorierte? Schmückte sie das Häuschen, weil sie angeblich besser wusste, was es brauchte? Weil sie ihm zugeordnet war? Oder erhielten wir erneut nur die Illusion einer Wahl, die Fiktion bedingter Freiheit?

Eileen Gray war klug. Sie verband all diese Qualitäten auf einzigartige Weise und machte die aufgeblasenen wie realen sozialen und beruflichen Barrieren elastisch. Vielleicht ist ihre Geschichte deshalb so stärkend: weil sie nicht nur den Bruch mit Konventionen markiert, sondern den intelligenten, beharrlichen Weg zur eigenen Autonomie.

Auch Gray begann dort, wo sie konnte: mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen, mit Experimenten in alten handwerklichen Techniken, um später die organischen Formen zugunsten modernistischer Klarheit zu verlassen. Doch sie wusste, dass ein schönes und modernes Objekt nicht von den Bedürfnissen der Bewohner:innen getrennt werden darf - und dass ein Haus keine Maschine zum Leben ist.

Mit derselben Intuition, Präzision und Leidenschaft - vielleicht sogar mit noch größerer, verstärkt durch ihre Liebe zum rumänischen Architekten Jean Badovici - entwarf sie ihr opus magnum: das Haus E-1027 an der Côte d’Azur. Wie die Geschichte erzählt, wurde dieses Projekt zum Objekt männlicher Eifersucht und zur Quelle einer bitteren architektonischen Anekdote über Le Corbusier und seinen symbolischen Akt von Gewalt und Dominanz. Angeblich bemalte der mit der Familie befreundete Architekt eine der Wände dieses Hauses mit einem völlig ungebetenen eigenen Wandbild - angeblich als „Geschenk“ und „fehlendes Element“ der Komposition. Und als wäre diese Geste nicht schon übergriffig genug, tat er es nackt. Es gibt wohl kaum einen obszöneren Akt in dieser Geschichte, der deutlicher zeigen würde, wie zerstörerisch, maßlos und gewalttätig männliches Ego sein kann. Erschütternd bleibt die Vorstellung, dass Gray dieses Haus danach verließ und sich ein neues baute - als wäre Rückzug die einzig mögliche Antwort auf verletzte männliche Ambition. Doch es geht nicht darum, kranken Machtansprüchen auszuweichen, uns kleiner zu machen, still zu werden, um kein Problem zu sein.

Langsam, vielleicht wie euch allen, ermüdet mich der Refrain, dass „die Geschichte Frauen entdeckt“. In dieser Haltung liegt etwas zutiefst Passives, etwas, das ein mentales Umdenken und Mut auf beiden Seiten erfordert. Doch ich bin mir bewusst: Wir graben gerade den historischen Garten um - mit breiten Spaten.

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