Berlin, Podiumsdiskussion, geschlechtliche Vielfalt am Arbeitsplatz – wenn mich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes einlädt, weiß ich: Es wird ein guter Tag. Diesmal durfte ich nicht nur die aktuelle Situation in meiner Community beleuchten, sondern auch ganz persönlich werden – mit einem Fall, der mich bis heute begleitet.

Solche Veranstaltungen haben etwas Vertrautes. Man betritt den Raum und erkennt Gesichter, die man aus anderen Kontexten kennt, aus anderen Gesprächen, anderen Bühnen. Die Moderatorin Magdalena Rogl (Si apre in una nuova finestra) kenne ich durch meinen Freund Pavlo Stroblja (Si apre in una nuova finestra) von Queermentor (Si apre in una nuova finestra) – und wer sie einmal erlebt hat, versteht sofort, warum sie so gefragt ist. Sie jongliert Aussagen, Stimmungen und Dynamiken mit einer Leichtigkeit, die täuscht: Dahinter steckt echtes Handwerk. Auch Steffi Grimm von den Wirtschaftsweibern (Si apre in una nuova finestra) war wieder dabei, ebenso der Veränderungsarchitekt Marcel Weber (Si apre in una nuova finestra), bei dem ich kürzlich zu Gast im Podcast war – die Folge erscheint voraussichtlich im Juni. Und natürlich: Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, gewissermaßen die gute Seele des Hauses. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihr begegne und ein paar Worte mit ihr wechseln kann – auch wenn ihre Terminkalender selten Luft lassen.

Um 10:00 Uhr eröffnete Ferda Ataman den Tag mit ihrer Rede. Ich hatte mich zu Marcel gesellt, der mir als erster vertrauter Mensch im Raum aufgefallen war, und wir verfolgten gemeinsam die folgenden Impulsvorträge. Einer blieb mir besonders im Gedächtnis: Jenny Zeller-Grothe von den Berliner Verkehrsbetrieben sprach über den Zusammenhang von Vielfalt und Mobilität – und schaffte es, ein Thema, das man auf den ersten Blick für selbstverständlich halten könnte, in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. „Wer nicht mobil ist, wird strukturell benachteiligt." Dieser eine Satz brachte mich zum Nachdenken. Viele Menschen sind auf den ÖPNV angewiesen, um überhaupt erst ihren Arbeitsplatz erreichen zu können – Mobilität ist also keine Randerscheinung, sondern eine Gerechtigkeitsfrage.
Um 11:30 Uhr war es dann so weit: Unser Panel nahm Platz. Neben mir saßen Albert Kehrer von der Prout at Work Stiftung (Si apre in una nuova finestra) und Leonie Thum (Si apre in una nuova finestra), Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht, moderiert von Dominic Frohn (Si apre in una nuova finestra) vom Institut für Diversity. Eine Runde, die etwas zu sagen hatte.
Leonie gab dem Publikum zunächst einen Einblick in ihren juristischen Alltag – und der hatte es in sich. Fälle von trans* und intergeschlechtlichen Menschen im Arbeitsrecht, die zeigen, wie viel rechtliche Grauzone noch existiert, wie viel Unsicherheit auf beiden Seiten. Dann kam ich an die Reihe, und ich erzählte von 2017.
Damals war ich frisch geoutet. Das private Umfeld war schwierig, die Anfeindungen zermürbend – ich wollte weg, neu anfangen, einen anderen Ort. Auf der Website des Bundeskriminalamts stieß ich auf Stellenangebote, die mich ansprachen. Das BKA warb ausdrücklich mit seiner Vielfaltsstrategie, Regenbogenfarben inklusive. Ein gutes Zeichen, dachte ich. Also bewarb ich mich – und erwähnte beiläufig meine Transgeschlechtlichkeit, ohne ins Detail zu gehen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Ohne jede Nachfrage, ohne zu wissen, ob Operationen stattgefunden hatten oder eine Hormontherapie lief, wurde ich als „polizeidienstuntauglich" eingestuft. Abgelehnt. Ein Stempel. Fertig. Der Fall landete bei der Antidiskriminierungsstelle – über den weiteren Verlauf berichtete ich dem Publikum.

Im Anschluss gab es ehrliche Gespräche und Rückfragen über die Realität von trans* Menschen in der Arbeitswelt. Aus meiner Beratungspraxis kenne ich es gut: Viele Unternehmen meinen es aufrichtig. Sie sagen, alle seien willkommen – und glauben das auch. Aber sie haben schlicht nicht auf dem Schirm, was das im Alltag bedeutet. Welche Toilette? Welcher Name im Arbeitszeugnis? Was passiert rechtlich, wenn jemand gegenüber der Kundschaft unter einem anderen Namen auftritt? Es sind oft keine bösen Absichten – es ist fehlende Vorbereitung. Und die kann teuer werden, für alle Seiten.
Umso wichtiger sind konkrete Werkzeuge. Ich durfte gemeinsam mit Albert Kehrer von Prout at Work einen Leitfaden entwickeln, auf den ich bis heute stolz bin: den „Transition Guide" (Si apre in una nuova finestra). Das Besondere daran ist sein Ansatz: Er richtet sich nicht nur an betroffene Arbeitnehmer*innen, sondern gleichermaßen an Kolleg*innen und an Führungskräfte. Es enthält Hinweise für die jeweils unterschiedlichen Perspektiven innerhalb eines Unternehmens. Nach meiner Einschätzung ist es der umfangreichste Leitfaden dieser Art, der derzeit existiert.
Das Publikum brachte sich mit Fragen ein, die Diskussion blieb lebendig. Und ich blieb – bis zum Ende, wie immer. Denn solche Tage sind zu wertvoll, um sie nach dem eigenen Auftritt zu verlassen. Man trifft Menschen, die man kennt und schätzt. Man trifft Menschen, die man noch nicht kannte und die einen überraschen. Und irgendwo dazwischen passiert das, wofür solche Veranstaltungen eigentlich da sind: echte Verbindung, echtes Gespräch – und vielleicht der Anfang von etwas Neuem. Und wie immer fand ich das networking sehr bereichernd.
Details zur Veranstaltung sind hier zu finden:
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