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Shein & Temu: Sofort wegschmeißen, bitte!

In den letzten Jahren haben die chinesischen Unternehmen Temu und Shein – letzteres heute mit Sitz in Singapur – die europäischen Märkte erobert. Dass sie das Fast-Fashion-Rad mit bis zu 9.000 neuen Artikeln am Tag [1] nochmal weiter drehen und ihre Produkte unter miserablen Arbeitsbedingungen und katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt produziert werden [2,3], ist wohl jedem soweit bekannt.

Pinker, giftiger Fluss (Quelle: Greenpeace)
Bildquelle: Greenpeace

Heute aber möchte ich über einen viel egoistischeren Grund sprechen, da nichts zu kaufen.

Denn wer dort einkauft, spielt russisches Roulette mit der eigenen Gesundheit. Ich (Franzi) kriege immer wieder in meinem Umfeld mit, dass auch Kleidung und Spielzeug für Kinder dort bestellt wird und jedes Mal schnellt mein Puls in die Höhe und ich kann nicht anders als einen kleinen Vortrag zu halten.

Wenn Du dort schonmal etwas gekauft hast, klapp bitte jetzt deinen Laptop zu / leg dein Handy weg und schmeiß es bitte sofort weg.

Japp, ich rede von Wegschmeißen und das mache ich sonst nie.

Warum rege ich mich so auf?

Denn die Produkte von Shein und Temu sind voll mit giftigen Chemikalien.

Bei Öko-Test fielen zwei Drittel aller getesteten Artikel von Shein durch – insbesondere auch Kleidung für Kleinkinder und Babys. Zum Beispiel wurde in einem Baby-Kleidchen toxisches Antimon nachgewiesen, das mit dem Schweiß über die Haut aufgenommen werden kann. Es wirkt hochgiftig, wenn es ins Blut gelangt. [4] Bei Labor-Tests von Greenpeace überstiegen 15% der getesteten Kleidungsstücke die von der EU erlaubten Grenzwerte für Chemikalien – teilweise sogar bis zu 660-fach! [1,5] Und auch bei Temu sieht es nicht besser aus: 80 bis 95 Prozent der Waren entsprechen nicht den EU-Vorschriften. [6,7]

Was das für kurz- und langfristige gesundheitliche Folgen besonders auch auf Kinder hat, möchte man sich gar nicht vorstellen.

Laborantin schaut sich hochhackigen, roten Stiefel an
Quelle: Greenpeace

Aber ist das nicht bei Primark, H&M und allen anderen genau das Gleiche?

Nein. Denn die Besonderheit bei Shein und Temu ist, dass sie die Produkte direkt aus China einfliegen und ohne Zwischenstation an die Verbraucher liefern. Dadurch können sie anders als ihre Konkurrenten die EU-Vorgaben zu Grenzwerten etc. umgehen. [6,7]

Wir haben Euch nach Eurer Meinung dazu gefragt:

Dazu habt ihr zum Beispiel geschrieben:

„Ich werde nie wieder dort bestellen. Die Strickjacke konnte ich nach zwei Wochen wegschmeißen.“

„Ekelhaft! Der Preis lockt viel zu viele dazu dort einzukaufen. Unüberlegt! Niemals dort einkaufen!“

„Leider landen diese Teile über Altkleidercontainer in Drittländern, die damit zu kämpfen haben, obwohl sie diese Sachen nie gekauft hätten…“

Heidi merkt an, wie schwierig es ist, solche Kleidung zu erkennen:

„Ich sehe diese Sachen auch öfters in Second Hand Stores und kaufe sie nie! Schon aus Prinzip greife ich auch Second Hand möglichst zu nachhaltigen Marken. Shein steht ja auch im Label, wie ist das bei Temu?“

▶️ Da Temu nur ein Marktplatz ist, hat es keine eigenen Untermarken. Stattdessen verkauft es die Kleidung von zig verschiedenen Herstellern. Man kann sie also nur über den Umkehrschluss erkennen, dass man die auf dem Schildchen geschriebene Marke nicht kennt. Es ist leider sehr doof.😣

(Si apre in una nuova finestra)

Aber wir sollten nicht dabei bleiben, die Verantwortung vollends den Konsumenten zu überlassen – stattdessen brauchen wir auch Gesetze:

Shein und Temu sollten verboten werden. […] Da steckt Kinderarbeit dahinter! […] Und dann kommen natürlich noch die Produktionsbedingungen des jeweiligen Landes dazu - Umweltverschmutzung, Müllhalden fürs Wegwerfen, Raubbau an Ressourcen, Chemikalienbelastung für Mensch und Umwelt, auch die Menschen der Produktionskette sind hier betroffen, die eine entsprechende Lebenserwartung bzw. Krankheitsschäden haben, und und und. Wie geschrieben - wer sich nicht an EU-Normen hält, dürfte nichts in der EU verkaufen dürfen.“

„Hier sollte die Regierung eingreifen und ähnlich wie in Frankreich hohe Strafzölle einführen, sonst wird der Dumpingpreis immer wieder zum Kaufen animieren. Ebenso sollten Werbung und Hauls ähnlich wie Zigaretten deklariert werden.“

Einer anderen Person ist die Freiheit der eigenen Kaufentscheidung wichtiger:

„Ich fand das ertauschte Kleidungsstück sehr schön. Ich möchte selber entscheiden, was ich ertauschen möchte. Ich finde Aufklärung und Publik machen wichtiger als Verbote.“

Das sagt die Expertin

Wir wollten auch wissen, was dran ist am Argument, dass die Giftstoffe bei Second Hand Kleidung schon rausgewaschen sind. Gilt das auch für Shein und Temu? Wo die von der EU erlaubten Grenzwerte für Chemikalien teilweise bis zu 660-fach überschritten werden [1,5]?

Deshalb haben wir die Expertin Dr. Viola Wohlgemuth gefragt
, die Head of Policy & Campaigns bei Fashion Revolution Germany ist. Was sagt sie dazu?

„Ja, durchs Waschen geht vieles raus - damit ist Second Hand gesünder als Neuware. Aber: Nicht alles verschwindet! PFAS, Phthalate oder Farbstoffe bleiben oft erhalten. Darum brauchen wir strengere Gesetze und wirksame Kontrolle. Gerade SHEIN zeigt, dass Kleidung mit massiven Grenzwertüberschreitungen auch nach dem Waschen noch ein Gesundheitsrisiko sein kann.“

Dr. Viola Wohlgemuth

Und jetzt?

Die Frage bleibt: Sollten wir als Kleidertausch-Community Shein- und Temu-Kleidung von den Events verbannen oder darf jeder selbst entscheiden, was er mitnehmen möchte?

Nach unserem letzten Newsletter war eure Meinung da sehr klar:

Auch Anna und ich sind der Meinung: Diese Kleidung darf in Zukunft bei unseren eigenen Events nicht mehr getauscht werden. Das können wir recht einfach umsetzen, weil wir sowieso immer schon eine Annahme hatten. Andere Veranstaltende werden da wahrscheinlich deutlich mehr Probleme haben.

Was aber das Allerwichtigste ist:

Produkte, die für uns Endkonsumenten aber besonders auch für die Menschen, die sie herstellen, gefährlich sind, sollten schlicht und einfach verboten werden.

Bis dann!

Anna & Franzi

Quellen:

[1] Greenpeace: „Gefährliche Chemikalien in SHEIN-Produkten“ (23.11.2022) (Si apre in una nuova finestra)

[2] BBC: „The truth behind your $12 dress: Inside the Chinese factories fuelling Shein's success” (12.01.2025) (Si apre in una nuova finestra)

[3] Deutschlandfunk: „Billigware aus China. EU und USA verschärfen Kurs gegen Shein und Temu“ (22.05.2025) (Si apre in una nuova finestra)

[4] ZDFheute: „Mehr Shein als Sein. Öko-Test: Toxische Stoffe in Shein-Kleidung“ (27.07.2024) (Si apre in una nuova finestra)

[5] Greenpeace: „Mehr SHEIN als Sein. Gefährliche Chemikalien und Naturzerstörung als Geschäftsmodell“ (2022) (Si apre in una nuova finestra)

[6] Greenpeace/Handelsverband: „Temu, Shein & AliExpress gefährden Gesundheit, Umwelt und fairen Wettbewerb“ (30.04.2025) (Si apre in una nuova finestra)

[7] Tagesschau: „EU-Parlament zu Temu und Shein. Verlockende Angebote, zweifelhafte Produkte“ (22.10.2024) (Si apre in una nuova finestra)

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