
Havanna, 26. Oktober 2025
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kuba-Interessierte,
es sieht gar nicht gut aus, was da auf Kuba zukommt. Nach einer entgegen aller Prognosen sehr ruhigen Hurrikansaison braut sich auf den letzten Metern – die Hurrikanzeit endet am 30. November – im Karibischen Meer seit Tagen nun doch noch ein gewaltiger Wirbelsturm zusammen. Hurrikan „Melissa“ erreichte am Sonntag Kategorie 4 (von 5) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 km/h. In Dominikanischer Republik und Haiti, wo Hurrikan Melissa mit Hunderten Kilometern Entfernung vorbeigezogen ist, gab es wohl bereits erste Todesfälle aufgrund des Extremwetters mit sintflutartigem Regen.
Melissa dürfte in den nächsten Stunden noch an Stärke zunehmen, während er auf Jamaika und den Osten Kubas zusteuert. Am Montagabend oder Dienstagmorgen wird Melissa voraussichtlich auf Land treffen. Am Sonntagabend erließ Jamaikas Premierminister Andrew Holness obligatorische Evakuierungsbefehle für Teile der Hauptstadt Kingston und andere Gebiete. Am späten Dienstag dürfte der Hurrikan dann den Südosten Kubas erreichen. Für die betroffenen Regionen verheißt er katastrophale Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturmfluten und ein gewaltiges Ausmaß an Zerstörung.

Angesichts der drohenden Gefahr plant die kubanische Regierung die Evakuierung oder den Schutz von 650.000 Menschen in den fünf Provinzen im Osten der Insel, wie sie heute mitteilte. Der Schutz der Bevölkerung habe „oberste Priorität“, sagte Präsident Miguel Díaz-Canel. Auch wenn Kubas Zivilschutz in der Regel gut funktioniert, trifft die Naturgewalt das Land in einem sehr vulnerablen Moment. Und der Osten Kubas ist von den Versorgungsengpässen, immer länger andauernden Stromausfällen und Problemen mit der Wasserversorgung besonders betroffen. Davon war an dieser Stelle ja bereits häufiger zu lesen. Hinzu kommen eine immer weiter erodierende Infrastruktur und aktuell eine Gesundheitskrise, in der Tausende an Dengue, Oropouche oder Chikungunya erkrankt sind (dazu mehr in diesem Kuba-Brief). Angesichts dieser Gemengelage lässt die heranziehende Naturgewalt das Schlimmste befürchten …
Abschließend noch ein Hinweis in eigener Sache. Zwei ebenfalls Kubaerfahrene Freunde und ich organisieren im Februar 2026 eine zweiwöchige Bildungsreise nach Kuba mit anschließender mehrtägiger Fahrradtour außerhalb Havannas. Unser Programm wurde vom Berliner Senat bereits als Bildungsurlaub anerkannt; ein erstes Vorbereitungstreffen ist für Mitte November geplant. Interessierte finden mehr Infos unter diesem Link (Si apre in una nuova finestra).
Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre dieser neuen Ausgabe des Kuba-Briefs. Wie gehabt, freue ich mich über Rückmeldungen, Anregungen und Kritik. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!
PS. Leiten Sie gern den Link zur Registrierung (Si apre in una nuova finestra) an Interessierte weiter.

1. Riff-raff zwischen Havanna und Washington vor UN-Abstimmung. Wenn am Mittwoch in der UN-Generalversammlung die jährliche Abstimmung über eine Aufhebung der jahrzehntelangen US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade gegen Kuba stattfindet, hofft die US-Regierung dieses Mal mehr Staaten auf ihre Seite zu ziehen. Kuba rechnete in seinem kürzlich in Havanna vorgestellten Blockadebericht (PDF (Si apre in una nuova finestra)) vor, dass die Blockade zwischen März 2024 und Februar 2025 Schäden in Höhe von schätzungsweise 7,556 Milliarden US-Dollar verursacht habe. Laut dem von Außenminister Bruno Rodríguez vorgelegten Bericht entsprechen 60 Tage Blockade (1,6 Milliarden US-Dollar) den Kosten für den Brennstoff, der zur Deckung des Strombedarfs des Landes im Jahr benötigt wird.
Derweil mobilisiert die Regierung von Präsident Donald Trump ihre Diplomaten, um gegen die kubanische UN-Resolution zu lobbyieren. Dazu werden laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters (Si apre in una nuova finestra) unter anderem Details über Kubas angebliche Unterstützung für Russlands Krieg in der Ukraine weitergegeben. Kuba soll nach Angaben Washingtons die Invasion Russlands in der Ukraine aktiv unterstützen; bis zu 5.000 Kubaner kämpfen demnach an der Seite der russischen Streitkräfte. Die kubanische Regierung weist dies in einer Erklärung (Si apre in una nuova finestra) kategorisch zurück.
Die von Kuba eingebrachte Anti-Blockade-Resolution wird seit 1992 Jahr für Jahr mit großer Mehrheit in der UN verabschiedet. Im vergangenen Jahr nahm die Generalversammlung die Resolution mit 187 Ja-Stimmen an. Die Vereinigten Staaten und Israel waren die einzigen Länder, die dagegen stimmten, während Moldawien sich der Stimme enthielt. (26.10.2025)
Zum Weiterlesen:
Kuba wehrt sich gegen die USA (nd) (Si apre in una nuova finestra)
Vor der Abstimmung über die Aufhebung der jahrzehntelangen US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade gegen Kuba hat sich in diesem Jahr ein besonders hitziger Schlagabtausch zwischen Washington und Havanna entwickelt.

2. Gesundheitskrise in Kuba. Inmitten der anhaltenden und sich verschärfenden Versorgungs- und Energiekrise erlebt Kuba in diesen Tagen eine kombinierte epidemiologische Krise, in der gleichzeitig Dengue, Oropouche und Chikungunya auftreten. Hunderte, wenn nicht Tausende, im ganzen Land haben sich infiziert. Die Symptome: Schmerzen und Entzündungen im Körper, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen. Besonders betroffen ist die Provinz Matanzas. Drei Menschen sind an den schweren Komplikationen des Dengue-Fiebers gestorben, gab die Regierung bekannt.
Alle Krisen haben miteinander zu tun. Aufgrund des Treibstoffmangels sei die Situation im Land „sehr komplex”, so die Regierung, um die notwendigen Sprühkampagnen gegen Mücken, die Überträger der Krankheiten, durchzuführen. Klimatische Faktoren wie Hitze und Regen sowie Probleme bei der Müllabfuhr und der Wasserversorgung erhöhen das Risiko einer Verbreitung zusätzlich; in vielen Krankenhäusern fehlt es an wirksamen Tests und Diagnosen oder Medikamenten zur Bewältigung der Gesundheitskrise; aufgrund der schwierigen Versorgungslage sind viele Kubaner ohnehin körperlich angegriffen. (19.10.2025)
Zum Weiterlesen:
Dengue, Oropouche und Chikungunya machen Kuba zu schaffen (nd) (Si apre in una nuova finestra)
Inmitten der anhaltenden Versorgungs- und Energiekrise erlebt Kuba in diesen Tagen eine epidemiologische Krise, in der gleichzeitig Dengue, Oropouche und eben Chikungunya zirkulieren.
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Kuba verpachtet Hotels an internationale Ketten. In einem weiteren Öffnungsschritt gegenüber ausländischen Investoren wird Kuba ab kommendem Jahr Hotels an internationale Hotelkonzerne verpachten, die diese bisher nur verwaltet haben. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Paradigmenwechsel in einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes. Das erste Hotel der Insel, das das neue Verwaltungsmodell anwenden wird, ist das Iberostar Origin Laguna Azul in Varadero. Die Pachtvereinbarung zwischen Kubas staatlicher Tourismusgruppe Gaviota und Iberostar Cuba Hotels & Resorts tritt zum 1. Januar 2026 in Kraft (Si apre in una nuova finestra).
Kubas Premierminister Manuel Marrero hatte auf der Tourismusmesse FITCuba Anfang Mai Maßnahmen zur Belebung des derzeit schwächelnden Sektors angedeutet, darunter die Verpachtung touristischer Einrichtungen. Ende April berichtete die Parteizeitung Granma von zwei Absichtserklärungen, die mit chinesischen Partnern „zur Aushandlung eines Mietvertrags für das Hotel Copacabana“ in Havanna unterzeichnet wurden. Laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE stellen die nun verkündeten Vereinbarungen noch mal „einen qualitativen Sprung“ gegenüber dieser ersten konkreten Ankündigung dar.
Für die kubanische Regierung bedeutet die Verpachtung von Hotelanlagen dringend benötigte Deviseneinnahmen. Die auf Kuba tätigen Hotelketten wiederum erhalten zum ersten Mal „größere operative Autonomie“. Bislang mussten sie, obwohl sie die im Staatsbesitz befindlichen Hotels verwalteten, für viele Fragen – von Investitionen bis zu Gehältern – staatliche Genehmigungen einholen. Künftig wird den Hotelketten mehr Flexibilität gewährt, einschließlich der Möglichkeit, die Gehälter ihrer Mitarbeiter selbst festzulegen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Das Pachtmodell dürfte es ihnen zudem ermöglichen, die Qualität der Dienstleistungen und des Managements zu optimieren.
Das neue System soll, so EFE, zunächst in Pilotprojekten in Anlagen verschiedener großer internationaler Hotelketten getestet und später auf weitere Hotels ausgeweitet werden. Fristen wurden dafür noch keine festgelegt. Die Bedingungen der Vereinbarungen verhandeln die kubanischen Behörden demnach mit jeder Kette separat.
Das russische Unternehmen Cosmos wird ein Fünf-Sterne-Hotel in Holguín betreiben. Die russische Cosmos Hotel Group, eine Tochtergesellschaft der Investmentgruppe Sistema, und das kubanische Tourismusunternehmen Gaviota haben Mitte Oktober im Rahmen eines Tourismusforums in Moskau eine Vereinbarung über den Betrieb des Hotels Sierra Cristal, einer Fünf-Sterne-Anlage in der Provinz Holguín, unterzeichnet. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Tass (Si apre in una nuova finestra). Das Sierra Cristal ist ein Hotelkomplex mit 640 Zimmern. Dieser wurde im Jahr 2024 auf der Halbinsel El Ramón in der Gemeinde Antilla in der Provinz Holguín im Osten Kubas erbaut. Es sei das erste internationale Hotelresort, das das Unternehmen verwalten wird, sagte Alexander Biba, Präsident der Cosmos-Gruppe.
Russland ist einer der wichtigsten Tourismusmärkte Kubas, auch wenn die Besucherzahlen russischer Touristen in diesem Jahr stark eingebrochen sind. Wie die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina berichtet (Si apre in una nuova finestra), wird die russische Fluggesellschaft Nordwind Airlines in Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter Pegas Touristik ab dem 29. Oktober den Flugbetrieb zwischen Moskau und Holguín wieder aufnehmen. Die Direktverbindung war im Jahr 2017 eröffnet worden, wurde Anfang 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie aber ausgesetzt.
Russland ratifiziert Militärabkommen mit Kuba. Der Kreml hat das Gesetz zur Ratifizierung des Abkommens über militärische Zusammenarbeit zwischen den Regierungen Russlands und Kubas unterzeichnet. Das berichteten russische Nachrichtenagenturen Mitte Oktober. Laut der regierungsnahen Tageszeitung Rossiskaya Gazeta wurde das Abkommen bereits Mitte März von beiden Seiten unterzeichnet, was jedoch nicht öffentlich bekannt gegeben wurde. Das lässt darauf schließen, dass die Verhandlungen unter völliger Geheimhaltung stattfanden. Die russische Regierung erklärt in dem Memorandum, das sie den Abgeordneten der Duma vorgelegt hat, die das Ratifizierungsgesetz am 7. Oktober verabschiedet haben, dass das Abkommen darauf abzielt, „die Entwicklung und Stärkung der militärischen Zusammenarbeit“ zwischen beiden Ländern zu erleichtern.
Inhaftierter kubanischer Dissident geht in die USA. Einer der bekanntesten Systemoppositionellen Kubas ist Anfang Oktober aus dem Gefängnis ins Exil in die Vereinigten Staaten gegangen, wie das kubanische Außenministerium mitteilte. José Daniel Ferrer García habe zusammen mit Mitgliedern seiner Familie am 13. Oktober 2025 Kuba verlassen, heißt es in einer kurzen Erklärung (Si apre in una nuova finestra). „Die Ausreise in die Vereinigten Staaten erfolgte nach einem formellen Antrag der Regierung dieses Landes und der ausdrücklichen Zustimmung von Ferrer García im Rahmen der zwischen beiden Ländern geltenden Formvorschriften und Rechtsvorschriften.“
Ferrer gründete im Jahr 2011 eine oppositionelle Gruppierung namens Nationale Patriotische Union (Unpacu), die eng mit exilkubanischen Kreisen in Miami verbunden ist. In Kuba war Ferrer immer wieder im Gefängnis. Zuletzt wurde er im April wegen Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen verhaftet, nur drei Monate nach seiner Haftentlassung im Rahmen einer vom Vatikan vermittelten Vereinbarung zwischen Washington und Havanna.
Landflucht beeinträchtigt die Kaffeeernte. Die Provinz Santiago de Cuba, das wichtigste Kaffeeanbaugebiet Kuba, plant eine Ernte von mehr als 1,1 Millionen Dosen Kaffee, darunter Arabica- und Robusta-Sorten. Das meldete die kubanische Tageszeitung Granma (Si apre in una nuova finestra). Bislang aber wurden „in einem komplexen Umfeld“ nur 43 Prozent des Ziels erreicht, so der Bericht vom 18. Oktober. „Bis heute haben wir 43 Prozent erreicht, mit einem Durchschnitt von 157.400 Dosen der Sorte Arabica, in einem Kontext, der durch die massive Abwanderung aus den Bergregionen gekennzeichnet ist, was sich auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ausgewirkt hat“, erklärte Frank Ernesto Pérez Caballero, Leiter der Kaffeeabteilung der Provinzdelegation des Landwirtschaftsministeriums (MINAG). Die Behörden versichern, trotz dieser demografischen Herausforderung, Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Produktion ergriffen zu haben. Pérez Caballero betonte, dass „die für die Ernte notwendigen Ressourcen und Grundstoffe garantiert sind“, darunter Säcke, Schneidwerkzeuge, Beschläge für Maultiere und Industrieteile. Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, wurden Mobilisierungsmaßnahmen organisiert, an denen verschiedene Bereiche der Gesellschaft beteiligt waren, heißt es in dem Bericht.
Dagegen übertrifft die Kaffee-Ernte in der Provinz Guantánamo in ihrer Anfangsphase die ursprünglichen Erwartungen, schreiben staatliche Medien (Si apre in una nuova finestra). Bis zum 9. Oktober wurden demnach in der Provinz 89,9 Tonnen Rohkaffee geerntet und damit die für diesen Zeitpunkt geplanten 82,4 Tonnen übertroffen. Allerdings hätten die Auswirkungen veränderter Wetterbedingungen die positive Entwicklung getrübt, hieß es. Laut der Lokalzeitung Venceremos haben die Regenfälle Ende September und Anfang Oktober in Verbindung mit den hohen Temperaturen die Reifung der Bohnen in praktisch allen Kaffeeanbaugemeinden beschleunigt, was in einigen Fällen, wie in Maisí und Yateras, die Mobilisierung von zusätzlichen Kräften der Behörden sowie von Studenten und Professoren der Universitäten von Guantánamo erforderlich machte, um größere Ernteverluste zu vermeiden.
Oscar Pérez-Oliva Fraga zum stellvertretenden Ministerpräsidenten Kubas ernannt. Kubas Staatsrat hat auf Vorschlag von Präsident Miguel Díaz-Canel und nach vorheriger Zustimmung des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas beschlossen, Außenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva Fraga zum stellvertretenden Ministerpräsidenten zu befördern. Der 54-Jährige hatte im Mai letzten Jahres das Ministeramt für Außenhandel und Auslandsinvestitionen übernommen, das er weiterhin bekleiden wird. Zuvor war er u. a. Generaldirektor der Firma Maquimport und Direktor für Geschäftsbewertung in der Sonderentwicklungszone Mariel (ZEDM). Mit seiner Ernennung vervollständigt Pérez-Oliva die Riege der stellvertretenden Ministerpräsidenten im Ministerrat, zu denen auch Ramiro Valdés Menéndez, Eduardo Martínez Díaz, Inés María Chapman Waugh und Jorge Luis Tapia Fonseca gehören.
Als Enkel von Angelita, einer der Schwestern von Fidel und Raúl Castro, ist Pérez-Oliva ein Großneffe der beiden Revolutionsführer. Zudem ist er der Neffe von José Antonio Fraga Castro, der bis 2014 Vorsitzender des mächtigen Staatsunternehmens Labiofam war, das sich der Forschung und Herstellung von Arzneimitteln widmet. Einige Beobachter sehen daher hinter der Ernennung von Pérez-Oliva zum stellvertretenden Ministerpräsidenten eine Strategie, um den Kurs des Landes mit Personen „abzusichern“, die den derzeitigen Spitzenpolitikern des Landes nahestehen und ihr Vertrauen genießen.
Kubas Exporte und Produktion bleiben hinter den Erwartungen zurück. Die kubanische Wirtschaft ist nach Angaben der Regierung im ersten Halbjahr dieses Jahres weiter geschrumpft. Das erneute Minus ist auf einen Rückgang der Exporte und die Nichterfüllung der Planziele der nationalen Produktion zurückzuführen, hieß es auf der jüngsten Sitzung des Ministerrats Anfang Oktober, in der die „komplexe wirtschaftliche Lage“ des Landes erörtert wurde. Zahlen zum wirtschaftlichen Wachstum oder zur Leistung der verschiedenen Sektoren wurden jedoch nicht öffentlich bekannt.
Kuba schloss das vergangene Jahr mit einem Rückgang seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,1 Prozent ab, nach einem Minus von 1,9 Prozent im Jahr zuvor. Seit der COVID-19-Pandemie ist Kubas Wirtschaft um elf Prozent eingebrochen. Für das laufende Jahr hat die Regierung ein Wachstum von einem Prozent prognostiziert; internationale Organisationen wie die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Comisión Económica para América Latina y el Caribe, CEPAL) erwarten dagegen einen erneuten Rückgang von 1,5 Prozent.
Der Rückgang der Exporte im ersten Halbjahr gegenüber den ursprünglichen Planungen war einer der Punkte, die während der Sitzung des Ministerrats angesprochen wurden. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel verwies in diesem Zusammenhang auf die Auswirkungen der US-Blockade, aber auch auf interne Mängel und anhaltende Hindernisse. Er betonte die Notwendigkeit, im gesamten Prozess effizienter zu sein, schreibt die kubanische Tageszeitung Granma (Si apre in una nuova finestra). Die Exporte seien für die Deviseneinnahmen, die das Land benötigt, von entscheidender Bedeutung. Deshalb müssten die Faktoren, die zu ihrer Nichterfüllung beitragen, eingehend analysiert werden, so Díaz-Canel. Er forderte eine Stärkung des Exports von Dienstleistungen, darunter im Tourismusbereich, der einen erheblichen Rückgang der Besucherzahlen verzeichnet, sowie von IT- und anderen Dienstleistungen. Ebenso forderte er ein Wachstum in der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion.
Positive Nachrichten konnte Finanzminister Vladimir Regueiro mit der erneuten Verringerung des Haushaltsdefizits zu Ende August verkünden. Konkrete Zahlen nannte er nicht, sondern erklärte lediglich, dass eine erhebliche Reduzierung erreicht worden sei, gekennzeichnet vor allem durch die Übererfüllung der Einnahmen. Gleichzeitig verwies Regueiro auf „erhebliche Minderausgaben sowohl bei den laufenden Ausgaben als auch bei den Investitionsausgaben“. Als positiv bewertete der Finanzminister den Überschuss, der sich in der Leistungsbilanz bestätigt. „Dadurch können wir den Finanzierungsbedarf auf die Kapitalausgaben konzentrieren, da wir die Konsumausgaben, die aus dem Staatshaushalt finanziert werden, mit den laufenden Einnahmen decken können“, erklärte er.
Spanien und Kuba vereinbaren neue Umschuldung in Millionenhöhe. Die spanische Regierung hat einen in diesem Jahr ausgehandelten Nachtrag zu einem bilateralen Abkommen mit Kuba über die Behandlung von kubanischen Schulden gegenüber Spanien genehmigt. Einer Mitteilung der spanischen Regierung (Si apre in una nuova finestra) zufolge geht es dabei um eine Umstrukturierung von Schulden in Höhe von 193.425.824,70 Euro, 141.388.939,73 kanadischen Dollar und 811.634,01 US-Dollar. Diese stammen aus Krediten des Fonds für die Internationalisierung spanischer Unternehmen (FIEM).
Das ursprünglich 2016 unterzeichnete und nun modifizierte Schuldenabkommen ist Teil der Bemühungen Madrids, die finanzielle Tragfähigkeit der kubanischen Verbindlichkeiten aufrechtzuerhalten und ihre Rückzahlung zu flexibleren Bedingungen zu ermöglichen. Im vergangenen Jahr startete die spanische Regierung bereits ein Schuldenumwandlungsprogramm mit Kuba in Höhe von bis zu 375 Millionen Euro. Das Programm dient der Finanzierung von Projekten zur nachhaltigen Entwicklung in Bereichen wie Energie, Wasser und Ernährungssicherheit. Kubas seit den 1980er Jahren aufgelaufene Schulden gegenüber Spanien werden auf fast zwei Milliarden Euro geschätzt.
Preisobergrenzen für Agrarprodukte in Havanna. Die Gouverneurin der Provinz Havanna, Yanet Hernández Pérez, hat Ende September eine Verordnung erlassen, die Höchstpreise für den Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten in der gesamten Provinz festlegt. Die Maßnahme soll mehr Gerechtigkeit gewährleisten und den Verbrauchern den Zugang zu diesen Produkten sichern, berichteten staatliche Medien (Si apre in una nuova finestra).
Die Verordnung vereinheitlicht die Preise in der gesamten Hauptstadt. Sie legt drei Hauptstufen von Höchstpreisen fest: für den Kauf beim Erzeuger und den Verkauf in staatlichen Einrichtungen, für den Einzelhandel auf privaten Märkten und für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse, die auf Landwirtschaftsmessen verkauft werden. Zu den Produkten, für die Preisobergrenzen gelten, gehören Nahrungsmittel wie Süßkartoffeln, Maniok, Taro und Bananen, Gemüse wie Gurken und Kürbisse sowie Reis und Bohnen.
Im Sommer vergangenen Jahres hatte die kubanische Regierung angesichts der anhaltenden Wirtschafts- und Versorgungskrise des Landes bereits Preisobergrenzen für sechs Waren des täglichen Bedarfs (Hühnerfleisch, Speiseöl, Milchpulver, Wurstwaren, Nudeln und Waschmittel) verfügt. Zahlreiche Ökonomen befürchten, dass „gedeckelte Preise“ sich negativ auf Produktion und Warenangebot auswirken – und damit das Gegenteil von dem bewirken, was sie bezwecken.
Venezuelas Rohöllieferungen nach Kuba erreichen Jahreshöchstwert. Die Ölexporte Venezuelas nach Kuba erreichten im September mit 52.000 Barrel pro Tag (bpd), den höchsten Wert seit Beginn des Jahres 2025. Das geht aus Dokumenten des staatlichen venezolanischen Erdölkonzerns PDVSA hervor. Die Lieferungen nach Kuba nähern sich damit dem Niveau, das beide Regierungen im Jahr 2000 vereinbart hatten. Gemäß Zahlen der Nachrichtenagentur Reuters schloss PDVSA das Jahr 2024 mit Exporten nach Kuba von 24.000 bdp ab, während der Durchschnitt im Jahr 2023 bei 56.000 bdp gelegen hatte. Im Juni dieses Jahres beliefen sich die Lieferungen von venezolanischem Rohöl auf die Insel auf gerade einmal 8.000 bdp.
Die Steigerung der Liefermengen nach Kuba fällt mit dem allgemeinen Anstieg der Rohölexporte Venezuelas zusammen. Diese übertrafen zum ersten Mal seit Februar 2020 eine Million Barrel pro Tag. Laut einem Reuters-Bericht (Si apre in una nuova finestra) lag der monatliche Durchschnitt der Erdölexporte bei 1,09 Millionen bpd – 13 Prozent mehr als im August und 39 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Der Anstieg ist demnach auf die Nutzung der angesammelten Reserven und den Import von Verdünnungsmitteln – hauptsächlich aus Russland und China – zurückzuführen, die für die Verarbeitung des extra schweren venezolanischen Rohöls erforderlich sind. Hauptabnehmer für venezolanisches Öl ist weiterhin China, wohin im September rund 84 Prozent der Exporte gingen.
Neuer Frachtdienst per Schiene. Das kubanische Verkehrsministerium (Mitrans) hat Ende September die Einführung eines neuen Dienstes für den Transport von Frachtgütern in nationalen Personenzügen auf den wichtigsten Strecken des Landes angekündigt. Der neue Service soll das logistische Angebot erweitern und den Binnenhandel zwischen dem privaten und dem staatlichen Wirtschaftssektor ankurbeln. Darüber berichtete die Tageszeitung Granma (Si apre in una nuova finestra).
Der neue Dienst steht natürlichen und juristischen Personen zur Verfügung und ermöglicht den Transport von Gütern mit einem Gewicht von einer bis sechs Tonnen in Form von begleiteter Fracht. Das bedeutet, dass der Kunde am selben Tag der Beförderung mitreist. Zu den Produkten, die transportiert werden können, gehören Pakete, Gepäckstücke, elektronische Geräte und verschiedene Waren. Der Transport von Fahrrädern, Mopeds oder Motorrädern mit eingebauten Batterien oder Kraftstoff in den Tanks ist gemäß den geltenden Sicherheitsvorschriften verboten. Die Kosten für den Service liegen bei 14,98 kubanischen Pesos (CUP) pro Kilometer vom Ausgangsort bis zum Endziel, mit einem Aufschlag von fünf Prozent bei exklusiver Nutzung des Dienstes. Was mit „exklusiver Nutzung des Dienstes“ gemeint ist, wird nicht erläutert.
Kuba, Venezuela und Nicaragua vom Amerika-Gipfel ausgeschlossen. Venezuela, Nicaragua und Kuba wurden nicht zum X. Amerika-Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eingeladen, der in der ersten Dezemberwoche in der Dominikanischen Republik stattfinden wird. Das teilte das Gastgeberland Ende September mit. Bereits bei der vorherigen Ausgabe 2022 in Los Angeles fehlten die drei genannten Länder. Die Regierung in Santo Domingo erklärte, die Entscheidung „entspricht einem streng multilateralen Kriterium“ im Kontext der „politischen Polarisierung“ und um den Erfolg des Treffens zu priorisieren. „Sie begünstigt eine größere Beteiligung und gewährleistet die Durchführung des Forums“, heißt es in einer offiziellen Erklärung der dominikanischen Regierung.
Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez schrieb im sozialen Netzwerk X, dass ein Gipfel, „der auf Ausgrenzung und Zwang aufgebaut ist, zum Scheitern verurteilt ist“. Rodríguez äußerte seine „Besorgnis und Ablehnung gegenüber der Entscheidung, die die Regierung der Vereinigten Staaten der Dominikanischen Republik auferlegt hat“.
Der Amerika-Gipfel am 5. und 6. Dezember in Punta Cana findet vor dem Hintergrund einer Wiederbelebung des direkten US-Interventionismus in der Region und zunehmender kriegerischer Drohgebärden Washingtons gegenüber Venezuela statt. Gerade erst haben die USA angekündigt, ihren größten Flugzeugträger, die U.S.S. Gerald R. Ford, vom Mittelmeer in die Karibik zu verlegen, und damit den Konflikt weiter eskaliert. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kolumbiens Präsident Gustavo Petro, der von den USA persönlich sanktioniert wurde, haben ihre Teilnahme am OAS-Gipfel bereits abgesagt. Kuba war 1962 auf Betreiben der USA von allen Treffen und Aktivitäten der OAS ausgeschlossen worden, blieb technisch aber Mitglied der Organisation. Die kubanische Regierung bezeichnete die OAS in der Folge wiederholt als das „Kolonialministerium“ der Vereinigten Staaten und erklärte mehrfach, kein Interesse an einer Wiederaufnahme zu haben. Am OAS-Gipfel 2015 in Panama nahm Kuba zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren wieder teil.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die Teilnahme Kubas an einer Sitzung der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO) Ende September in Washington verhindert, indem sie Mitgliedern der kubanischen Delegation die Einreisevisa verweigerte. „Diese Maßnahme stellt eine diskriminierende Behandlung Kubas dar, das ein vollwertiges und aktives Mitglied der PAHO ist“, erklärte die stellvertretende kubanische Gesundheitsministerin Tania Margarita Cruz gegenüber der kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina. Sie kritisierte, dass die USA ihren Status als Gastgeberland ausnutzten, „um zu versuchen, die Stimme Kubas zum Schweigen zu bringen“. Kuba sei nicht nur ein aktives Land im Rahmen der PAHO, sondern eine der Nationen, die in der Hemisphäre am meisten zur Gewährleistung der Gesundheitsversorgung beigetragen haben. Tausende kubanische Ärzte und Fachkräfte sind in den vielen Ländern der Region tätig, so Cruz; zudem seien Tausende von Ärzten und Medizinern aus lateinamerikanischen und karibischen Ländern sowie aus den Vereinigten Staaten in Kuba ausgebildet worden. Die Vizeministerin bezeichnete als absurd, der PAHO die Präsenz und direkte Beteiligung Havannas an ihren Beratungen vorzuenthalten, da Kuba so viel zu technischen Fragen, Strategien und Gesundheitspolitik beizutragen habe.
Termine
24.-29. November 2025 | 38. Internationale Messe von Havanna (FIHAV 2025) (Si apre in una nuova finestra) auf dem Messegelände Expocuba in Havanna
Das Deutsche Büro zur Förderung von Handel und Investitionen in Kuba koordiniert auch in diesem Jahr wieder einen eigenen deutschen Pavillon. Kontakt: Lilian Fernández (assistenz@kuba.ahk.de (Si apre in una nuova finestra))
11.-15. März 2026 | Messe EXPOHOLGUÍN in Holguín
16.-19. April 2026 | 9. Kongress der Kommunistischen Partei Kubas (Si apre in una nuova finestra)
Ansprechpartner:
Andreas Knobloch
+49 176 62115961 (WhatsApp/Signal)
MEZ -6h
andreas.knobloch@yahoo.de (Si apre in una nuova finestra)