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Selfpublisher, ich und andere Fabelwesen

Ein Messebesuch zwischen Fantasiewelten, Feminismus und Fitzek. Was passiert, wenn man mit wenig Redebedarf auf eine Buchmesse voller Plauderfreude trifft.

Im letzten Newsletter (Si apre in una nuova finestra)hatte ich ja berichtet, dass ich die Buch-Berlin besuchen werde, die am letzten Septemberwochenende in der Arena Treptow in Berlin stattfand. Am Tag vorher hatte ich noch eine Diskussion mit David darüber. Als ich ihm erzählte, dass dort vorrangig unabhängige Verlage und Autor:innen ausstellen, meinte er, da wolle er doch lieber nicht mitkommen. Das wären dann ja so Leute, die ohne jeglichen Qualitätscheck ihre Bücher veröffentlichen. Mich ärgerte das Argument, weil ich der Meinung bin, dass es genügend Leute gibt, die Bücher in Verlagen publizieren, obwohl sie kaum einen Satz geradeaus schreiben können, einfach weil sie Personen des öffentlichen Interesses und Verlagsentscheidungen oft wirtschaftlich getrieben sind, was ja unter anderem dazu führt, dass viele Menschen – so auch ich – sich mit dem Gedanken beschäftigen, ihre Werke lieber selbst herauszubringen.

Zwischen Trollgeschichten und Pflanzenliebe

Als ich dann in der Arena Treptow ankam, musste ich mich kurz sammeln. Fast die ganze Halle war voller Fantasy-Bücher, ein Genre, an dem absolut nichts verkehrt ist, es ist nur nicht mein Geschmack. Leider hatte ich darüber hinaus nicht berücksichtigt, dass die Ausstellenden sich proaktiv über ihre Bücher unterhalten wollten, während ich realisierte, dass mein Bedürfnis nach sozialer Interaktion einem Teenager mit Kopfhörern entsprach. Tapfer hangelte ich mich von Stand zu Stand und nickte höflich, während ich Geschichten lauschte von Trollen, toxischen Beziehungen und Frauen auf der Suche nach sich selbst. Was konnten die schließlich dafür, dass ich mir die Buchmesse vorgestellt hatte wie meine Stöberbesuche bei Dussmann oder Thalia. Dann stieß ich auf ein Schwesternpaar, das stolz erzählte: „Also, unsere Protagonistinnen sind ja hauptsächlich weiblich. Na gut, es gibt einen Mann. Aber der wird verlassen und geht dann eine Beziehung mit seiner Pflanze ein.“ Das war der Moment, in dem ich mich in eine Ecke der Halle zurückzog und lachend und etwas reumütig David anrief.

Den Satz habe ich kürzlich entdeckt und er fiel mir während der Messe mal wieder ein.


Der gute Gang

Aber ich war noch nicht fertig. Eine meiner größten Qualitäten ist ja, dass ich immer etwas Gutes finde, sei es in irritierenden Charakteren oder auf schrägen Veranstaltungen. Nachdem ich den ersten Schreck abgeschüttelt hatte, wagte ich eine zweite Runde und stieß auf vier fröhliche Frauen, die Bücher über K-Pop (Si apre in una nuova finestra)schreiben. Dort fühlte ich mich sehr gut beraten und habe direkt ein Weihnachtsgeschenk für Hannah mitgenommen. Für alle, deren Töchter und Söhne auch gerade Black Pink, Stray Kids, BTS oder Katseye verfallen sind, empfehle ich Sabrina T. Rudolph. Sie behandelt auch die herausfordernde Seite des Business in ihren Büchern. Kurz bevor ich gehen wollte, bin ich dann intuitiv noch in den für mich perfekten Gang gewatschelt: Jurenka Kurz hat für ihr Buch „Bestseller schreiben“ (Si apre in una nuova finestra) Autor:innen wie Charlotte Link, Sebastian Fitzek und Elizabeth George interviewt und herausgearbeitet, wie sie schreiben und wie sie mit Unsicherheiten und Rückschlägen umgehen. Außerdem hatten wir ein kurzes Gespräch über meine heiß geliebte Margaret Atwood. Das war schön. Dann holte David mich mit dem Rad ab, wir lachten noch ein bisschen über meinen Ausflug und genossen die letzten Stunden in der Septembersonne.

Die Buchmesse in der Arena Treptow, Blick auf die Oberbaumbrücke, der K-Pop-Buchstand, mein Fahrrad vor Herbstlaub und David. :)

 

Argomento everyday stories.

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