
Das Erste, was ich gemacht habe, um den Alptraum zu vergessen, den ich mit meiner Mutter im Krankenhaus erleben musste, war eine Runde im Boot. Ich frage mich, was hier so falsch gelaufen ist, dass alte Menschen menschenunwürdig behandelt werden. Weil sie für die “Produktivitätskennzahlen” der Krankenhäuser ein Störfaktor sind? Ich weiß es nicht. Und dass viele Angehörige ähnliche Erfahrungen gemacht haben, macht die Sache auch nicht besser. Ich will mich aber noch nicht geschlagen geben.
https://www.youtube.com/shorts/UDbpt2QX8z8 (Si apre in una nuova finestra)Meanwhile in Venedig, der kleinen Stadt im Wasser: Da musste sich der Bürgermeister wegen seiner Schwarzen Liste (Si apre in una nuova finestra) den Fragen der Opposition stellen. Was er natürlich nicht tat. Sondern die im Saal anwesenden und von Polizisten in Kampfmontur bewachten Venezianer, die Schilder mit “Setz mich auch auf die Liste” und “Trump in saor” hochhielten (in Anlehnung an das bekannte venezianische Gericht “sarde in saor” , Sardinen süßsauer) wüst brüllend als Faschisten verunglimpfte.
Seine Kritiker würden “einer nach dem anderen, Haus für Haus” verfolgt, sagte Brugnaro. Was die regierende Mehrheit des venezianischen Stadtrats mit minutenlangen Standing Ovations honorierte.
https://www.youtube.com/watch?v=dL2ZEsEAjis (Si apre in una nuova finestra)Bei der “Schwarzen Liste” des Bürgermeisters handelt es sich um einen Ordner, der zwischen 2020 und 2021 vom Büro des Bürgermeisters erstellt wurde und Zeitungsartikel, Vor- und Nachnamen von Bürgern, Journalisten, Zeitungen und sozialen Netzwerken enthält, die den Bürgermeister von Venedig „beleidigt“ haben sollen. Ein Ordner, der bei einer Beschlagnahme im Büro des stellvertretenden Kabinettschefs Derek Donadini gefunden wurde. Tatsache ist, dass die Politik in diesem Land ein großes Problem mit dem Journalismus hat.
Jetzt aber zum Positiven: Überraschung! Keine 15 Jahre nach “Von Kamen nach Corleone.Die Mafia in Deutschland”, keine 17 Jahre nach “Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern” wird die Mafia in Deutschland entdeckt (Si apre in una nuova finestra), sogar in Stuttgart! Und ein deutscher (!) Polizist wird als Spitzel (Si apre in una nuova finestra)der 'Ndrangheta enttarnt! Die Mafia auch im Remstal (Si apre in una nuova finestra). Wer hätte das erwartet!
Tja, man muss nur Geduld haben. Für mich ist besonders lustig, wenn ich vor diesem Hintergrund in alten Artikeln (Si apre in una nuova finestra) lese: »Die ganzen „vagen Angaben“ von Reski kommen bei vielen Waiblinger Italienern indes gar nicht gut an. « Und: »Gerade in Fellbach stießen deshalb ihre Äußerungen bezüglich der Mafia im Großraum Stuttgart mit den angrenzenden Städten Esslingen, Ludwigsburg, Waiblingen und eben Fellbach auf besondere Aufmerksamkeit. Etliche Bürger merkten auf und wurden bei den jeweiligen Stadtoberhäuptern vorstellig. Fellbachs OB Christoph Palm erkundigte sich daraufhin persönlich beim Landeskriminalamt und sah sich eigens zu einer Stellungnahme im Gemeinderat veranlasst. Demnach stelle der Rems-Murr-Kreis „keinen Brennpunkt der italienischen organisierten Kriminalität“ dar. Tatsächlich seien nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Italiener speziell aus Kalabrien nach Deutschland und ins Remstal eingewandert. Und „die Ehre der Familie und ihr Zusammenhalt werden fast immer über individuelle Interessen und Selbstverwirklichung gestellt«.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.empoerung-remstal-will-kein-mafia-zentrum-sein.369cc3e6-2afe-4253-9e38-324d58333fa8.html (Si apre in una nuova finestra)Überhaupt Geduld. Die muss man haben, als Journalist. Etwa, wenn es darum geht, dass sich hinter dem vermeintlichen “Angriff der Killerbakterie” auf die Olivenbäume des Salento nichts anderes als ein trojanisches Pferd verbirgt. In vielen Artikeln, darunter einer Reportage für GEO (Si apre in una nuova finestra), in unzähligen Blogbeiträgen (Si apre in una nuova finestra) und in meinem Buch “All’italiana. Wie ich versuchte, Italienerin zu werden” (Si apre in una nuova finestra), habe ich versucht, darauf hinzuweisen, dass mithilfe des Feuerbakteriums die uralte Kulturlandschaft des Salento komplett umgekrempelt werden soll: Jahrhundertealte Olivenbäume, die im Weg stehen, um hier Hotels bauen zu können, Agrar-Photovoltaik zu installieren, Obstplantagen oder Intensivkulturen entstehen zu lassen. Verfügt wurde, dass nur im Labor kreierte Sorten angebaut werden sollen, die Patentschutz genießen: Mit jedem einzelnen gepflanzten Baum nimmt der Inhaber des Patents eine Lizenzgebühr ein. Es sind Olivensorten, die industriell anbaufähig sind, anders als die traditionellen Olivensorten des Salento viel Wasser brauchen – und die keineswegs resistent gegen die Feuerbakterie sind.
Jahrelang wurde den Gegnern der Abholzungsaktion vorgeworfen, die Verbreitung des Bakteriums zu begünstigen. Jetzt haben Gerichtsakten enthüllt, dass sich hinter der vermeintlichen Gefahr durch das “Killer-Bakterium” nichts anders als ein regelrechtes „kriminelles Projekt“, eine „Operation“ verbirgt, durchgeführt von verschiedenen Interessengruppen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden und der Industrie, „um enorme Gewinne durch Finanzierung, Patente und Spekulationen im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Territoriums zu erzielen“ - wie in dieser Pressekonferenz bekannt wurde (Si apre in una nuova finestra).
https://www.youtube.com/watch?v=4eXGf2k_PqM (Si apre in una nuova finestra)In den Dokumenten der Staatsanwaltschaft ist zu lesen, dass das Vorhandensein des Bakteriums „von 2005 bis 2013 verborgen gehalten wurde, da die wissenschaftlichen, administrativen und politischen Verantwortlichen sich über Strukturen, technische und regulatorische Apparate organisieren mussten, um enorme Gewinne durch Finanzierungen, Patente und Spekulationen im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Territoriums zu erzielen“.
„Wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Xylella zwar ein Bestandteil, aber nicht der erste ursächliche Faktor Austrocknung des Olivenbaums ist, würde die gesamte Politik zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheit sofort ins Wanken geraten – schreibt die Generalstaatsanwaltschaft – nur wenige in Italien arbeiten daran, diese Tatsache zu überprüfen, da die Xylella als derzeitige Hauptverdächtige viel mehr einbringt, da sie zu den Erregern gehört, die unter Quarantäne gestellt werden müssen“.

Hier stehe ich mit dem Öko-Olivenbauern Ivano in einem Olivenhain. Ivano ist Gründer der Vereinigung Spazi Popolari (Si apre in una nuova finestra) von Sannicola, die mehr ist als eine Kooperative für organisch-biologischen Anbau: eine Initiative zur Verteidigung des Salento, deren Mitglieder nahezu täglich von der Lokalpresse als sektiererische Störenfriede geschmäht werden. Ivano ist es gelungen, vertrocknete OIivenbäume mit altbewährten Mitteln wiederzubeleben. Er sah die Ursachen für das Vertrocknen der Olivenbäume von Anfang an vor allem im verschwenderischen Verbrauch von verbotenen Pestiziden und Fungiziden, im massiven Einsatz von Glyphosat, in überflüssigem Pflügen und dem abnormen Beschneiden der Bäume im Hochsommer. Ivano hat sich von Anfang an der zerstörerischen Therapie widersetzt, die vom Gesetz vorgeschrieben ist; eine Allianz mächtiger Interessengruppen, die vom Landwirtschaftsministerium über den Bauernverband bis zur Universität Bari reicht, verteidigt sie mit Zähnen und Klauen. Und Ivano wurde als Guru, Sektenführer und Wunderheiler geschmäht - während es darum ging, einen millionenschweren Deal aufrechterhalten - durch manipulierte Kontrollen, eine alarmierende Medienberichterstattung, die geeignet ist, eine „Notfallstrategie“ zu schüren und einen regelrechten „psychologischen Terrorismus“ auf die Bevölkerung auszuüben, wie die Generalstaatsanwaltschaft schreibt. Und das übrigens europaweit (Si apre in una nuova finestra). Auch ich wurde persönlich angegriffen, nicht nur in Italien, sondern auch von der Schweizer Online-Zeitung Republik. Der ich darauf eine Antwort schrieb (Si apre in una nuova finestra).
Keine acht Jahre später wird das kriminelle Projekt der Xylella enthüllt. Tja.
Jetzt noch zum Schluss zwei Tipps: Wer mag, kann meine Reportage über die venezianische Lagune in dem aktuellen Heft von mare nachlesen - mit den schönen Fotos von Henrik Spohler.

Und vor zwei Tagen war ich hier in Venedig in den Salotto del Leone (Si apre in una nuova finestra) der österreichischen Kammerschauspielerin Maresa Hörbiger (Si apre in una nuova finestra)eingeladen, die Passagen aus der Autobiografie von Peggy Guggenheim las.

Ich habe mich über die Einladung sehr gefreut, es war eine wunderbare Lesung einer beeindruckenden Frau: Maresa Hörbiger stellt nicht nur eine berühmte Schauspielerdynastie dar, sie macht mit ihrem Projekt des „Salotto del Leone“ deutsche Literatur in Venedig lebendig. Ein Geschenk für unsere Stadt. Das ist jetzt wirklich mal etwas Positives.
Herzlichst grüßt Sie aus Venedig, Ihre Petra Reski
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