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Im Auge des Betrachters

Die Zürcher Stadtverwaltung sieht das Glas halb voll, während es für die FDP halb leer ist. Trommelwirbel: Es geht natürlich um die Bellerivestrasse – die wichtigste Einfallsachse von der Goldküste in die Limmatstadt. Mitte August haben dort “dringend notwendige Reparaturarbeiten an den Wasserleitungen und Abwasserkanälen begonnen”, wie die Stadt schreibt. Und: “Seit der vollständigen Umsetzung der temporären Verkehrsführung rollt der Verkehr trotz Spurreduktion flüssig.” So weit, so gut.

Die städtische FDP hingegen kann der Erfolgsmeldung wenig abgewinnen und kritisiert die Kommunikation. Der Stadtrat vermelde es als Erfolg, dass der Verkehr auf der Bellerivestrasse trotz des für die Baustelle notwendigen Spurabbaus fliesse. Das funktioniere aber nur, weil sämtliche Zu- und Wegfahrten zum Seefeld zwischen Seefeldstrasse und Kreuzstrasse komplett gesperrt (auch für Velos, Anm. d. Red.) und auch mehrere Fussgängerstreifen aufgehoben worden seien, so die Freisinnigen in ihrem Communiqué. Probleme sieht die Partei insbesondere auf der Dufour- und der Seefeldstrasse. Aus Sicht der FDP wird ausserdem das lokale Gewerbe teils massiv von der Kundschaft und das Seefeld wesentlich vom rechten Zürichseeufer abgeschnitten. Fazit: “Auf der künstlich-kanalisierten Bellerivestrasse fliesst der Verkehr zwar mehrheitlich – aber nur dort, und nur dank Zwangskorsett.”

Wie so vieles liegt die Sache wohl im Auge der Betrachterin oder des Betrachters. Oder wie die NZZ schreibt: “Die Freisinnigen berichten von ‘massiven Problemen’ im Seefeldquartier. Die Stadt widerspricht.”

Apropos Ansichtssache: Spannend dürfte werden, wie ein geplantes Kunstwerk auf dem Münsterhof ankommt. Vom 4. bis 29. Oktober präsentiert die amerikanische Künstlerin Lauren Lee McCarthy eine Installation mit einem automatisierten Postauto. “Das Publikum ist eingeladen, dem Gefühl des Autopiloten in einem fahrerlosen Wagen nachzuspüren”, heisst es in einer Mitteilung der Fachstelle Kunst im öffentlichen Raum. Wir sind auf alle Fälle gespannt und nutzen die Gelegenheit, um zu unserem Text über selbstfahrende Shuttlebusse überzuleiten (Si apre in una nuova finestra).

Nimbus und Stratus heissen die knuffigen Fahrzeuge, die Mitarbeitende des Flughafens Zürich für ihren Arbeitsweg zwischen dem Flughafenkopf (Tor 101) – also dort, wo sich beispielsweise der Bahnhof, die Check-in-Hallen oder der Tower befinden – und dem Werkhof (Tor 130) benutzen können. Produziert hat die Shuttlebusse der chinesische Bushersteller Golden Dragon. Laut eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über drei Produktionswerke und rund 4000 Mitarbeitende mit einer jährlichen Produktionskapazität von mehr als 40’000 Bussen. Zum Vergleich: Der Schweizer Bushersteller Carrosserie Hess AG im solothurnischen Bellach kommt auf circa 2400 Busse pro Jahr.

Wir möchten euch zudem auf unsere aktuelle Podcast-Folge hinweisen: Wir diskutieren angeregt über Petitionen. (Si apre in una nuova finestra)

Und am Sonntag werden wir euch auf Rathuus bezüglich städtischer, kantonaler und nationaler Abstimmungen aufdatieren.

Diese Woche frisch erschienen

  • Sie fahren von selbst und könnten die Zukunft sein
    Das Ziel ist Level 4: Was wie eine Aufgabe in einem Videogame klingt, ist vielleicht bald Realität. Der Flughafen Zürich testet selbstfahrende Shuttlebusse. Auch der Kanton stellt die automatisierte Mobilität auf den Prüfstand. Vorreiter waren aber andere. Direkt zum Artikel. (Si apre in una nuova finestra)

  • „Aber psst, das bleibt bitte unter uns“
    Marita Verbali von der FDP hat mit viel Humor den Rathuus-Fragebogen ausgefüllt. Sie setzt sich gegen Fangewalt ein und freut sich auf viele Begegnungen im Wahlkampf. Gibt der Wunsch nach mehr Frauen im Zürcher Stadtrat ihrer Kandidatur Rückenwind? Direkt zum Artikel. (Si apre in una nuova finestra)

  • Schulfranzösisch, Sesselrücken und Studienplätze
    Schlagzeilen vom politischen Parkett: Über eine Motion auf Kantonsebene, die sogar den Bundesrat aufschreckte, über Rochaden im Stadtzürcher Gemeinde- und im Zürcher Kantonsrat sowie über 270 zusätzliche Plätze im Medizinstudium. Direkt zum Artikel. (Si apre in una nuova finestra)

Viel Vergnügen beim Lesen und vielen Dank für deine Unterstützung.

Lorenz Steinmann und Pascal Turin

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