Liebe Politikinteressierte
Es ist wohl einer der billigsten Tricks aus der Drehbuch-Mottenkiste: Am Ende des komplett abgedrehten Films klingelt der Wecker, die Hauptfigur wacht auf und merkt erleichtert: “Ach, das war ja alles nur ein Traum.” Dumm nur, wenn der Traum zwar bizarr, die Realität aber noch bizarrer ist. So erlebte es zumindest Pascal Turin. Er hatte nämlich Grippe und wurde von Fieberträumen geplagt. “Wer krank ist, sollte eigentlich schlafen”, schreibt er in seiner Glosse. (Si apre in una nuova finestra) “Ich hingegen las ein Interview mit US-Präsident Donald Trump und stellte fest: Mein Fieber ist definitiv nicht das grösste Problem.” Im Jahr 2026 konkurrieren Fieberträume offensichtlich mit der Realität.

Ein Konkurrenzkampf anderer Art bahnt sich bei den Gemeinderatswahlen an. Zwölf Parteien und Gruppierungen wollen ins Stadtzürcher Parlament einziehen. Das ist natürlich im Sinne der demokratischen Vielfalt lobenswert. Die etablierten Kräfte wie SP, FDP & Co. erhalten bei den Wahlen am 8. März Konkurrenz von der Zürcher Volkspartei, der Freien Liste, der Partei der Arbeit und der EDU. Letztere bildet zusammen mit Aufrecht eine Liste. Wir sagen euch, wer realistische Chancen hat und wer auf ein Wunder hoffen muss. (Si apre in una nuova finestra)
So viel vorweg: Die Sozialdemokraten könnten auch einen Sack Reis aufstellen, selbst der würde in Zürich problemlos gewählt. Wenn alles seinen gewohnten Gang geht, dann bleibt die SP mit Abstand stärkste Kraft im Gemeinderat. Für die SVP hingegen ist der Zug vermutlich abgefahren, auch wenn die SVP-Oberen keck das Ziel von drei zusätzlichen Sitzen im Gemeinderat ausgegeben haben.
Die Bürgerlichen werden es auch bei den Wahlen 2026 nicht leicht haben. Aus der Bevölkerung ist kein grundsätzlicher Widerstand gegen die links-grüne Politik zu spüren. Selbst das Thema Entsorgungscoupons hat höchstens für einen Sturm im Wasserglas gesorgt.
Make Entsorgungscoupons great again
Die Entsorgungscoupons sind so eine Sache. Einerseits haben sie dafür gesorgt, dass Sperrmüll nicht einfach auf dem Trottoir, sondern in den städtischen Recyclinghöfen landet. Andererseits widersprechen die Coupons dem Gedanken einer verursachergerechten Finanzierung der Entsorgung. Denn alle Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher Haushalte haben jeweils die vier Wertcoupons erhalten, mit denen man kostenlos bis zu 400 Kilogramm Sperrgut entsorgen konnte. Davon profitierten insbesondere jene, die viel zu entsorgen hatten. Die Stadt hat die Gutscheine unter anderem deshalb gestrichen und damit den Kampfgeist einiger Gemeinderätinnen und Gemeinderäte geweckt.
Das Ringen um die abgeschafften Entsorgungscoupons ging vergangenen Mittwochabend in die nächste Runde. (Si apre in una nuova finestra) Lorenz Steinmann erklärt in seinem Text alle Hintergründe. Es wurde abermals darüber diskutiert, ob die Gutscheine nicht doch wieder eingeführt werden sollen. Der Grund dafür war eine entsprechende parlamentarische Initiative. Das Zünglein an der Waage spielte bisher die AL. Diese unterstützt nun aber den Minderheitsantrag der Kommission. Grund dafür war vermutlich das intensive Weibeln der zuständigen SP-Stadträtin Simone Brander.
Aus diesem Grund kommt die parlamentarische Initiative aller Voraussicht nach doch nicht durch im Rat. Die Schlussabstimmung folgt in einigen Wochen nach der Prüfung durch die Redaktionskommission des Gemeinderats. Diese soll für die formaljuristische Korrektheit sorgen.
Wir von Rathuus wiederum hoffen, dass wir mit unseren Inhalten diese Woche für Lesefreude gesorgt haben. Wer nicht nur gern liest, sondern gern hört, dem empfehlen wir zudem die 24. Folge unseres Podcasts. (Si apre in una nuova finestra)
Liebe Grüsse
Lorenz Steinmann und Pascal Turin